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Im Interview: Albrecht Zutter

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Er schrieb Glossen in Zeitungen und Zeitschriften, Satiren für den Rundfunk, Kabarettistisches (CD „Seelenwanderung“) und mehrere Bücher, zuletzt die Bändchen „Eine gewisse Ungewissheit“ und „Problemzone Kopf. Aphorismen“. Wir sprechen mit dem Autor Albrecht Zutter, der 1940 in St.Ingbert geboren wurde und hier als Lehrer an einer Lernbehindertenschule tätig war.

De Ingo: Herr Zutter, wann begann Ihre schriftstellerische Tätigkeit?

Zutter:  Vor genau 40 Jahren auf dem Zebrastreifen in der Spieser Straße. Ich wollte die Straße überqueren und glaubte, auf dem Streifen „Vorfahrt“ zu haben. Aber der Fahrer eines heransausenden Autos war anderer Meinung. Durch einen Rückwärts-sprung konnte ich mich gerade noch retten – damals war ich noch ein sportlicher Typ. Drei Tage später las ich in der Saarbrücker Zeitung einen Artikel, in dem der Schreiber sich über das undisziplinierte Verhalten der Fußgänger ausließ. Da schrieb ich meinen ersten Leserbrief, und zwar in Form einer Satire, bat aber darum, bei einer eventuellen Veröffentlichung nur die Anfangsbuchstaben meines Namens zu nennen. Andernfalls wäre es mir peinlich gewesen. Auf der Leserbriefseite der nächsten Ausgabe erschien mein Brief nicht. Eine Woche später jedoch entdeckte ich ihn im Feuilleton unter der Überschrift „DIE STREIFEN“; darunter stand in Großbuchstaben: „Von ALBRECHT ZUTTER“. Ich dachte: Guck mal, sieht gar nicht übel aus. Dazu bekam ich auch noch ein Honorar. Und außerdem schrieb mir der Redakteur, ein Dr. Mudrich, ich solle ruhig mit dem Glossenschreiben weitermachen.

De Ingo:  Das taten Sie dann auch?

Zutter:   Ja. Und das erhöhte sogar mein Wohlbefinden. Gerade über blöde Aktionen oder dummes Geschwätz zum Beispiel freute ich mich jetzt auch, denn es war ja Stoff für eine Glosse oder eine Satire.

De Ingo:  Da geht Ihnen der Stoff ja dann nie aus!

Zutter:  Tja, ich weiß nicht. Der römische Satiriker Juvenal hat gesagt: Es ist schwer, keine Satire zu schreiben. Ich denke heute oft: Es ist schwer, eine zu schreiben. Weil die Realität jede Satire längst überholt hat.

De Ingo:  Aber Sie schreiben trotzdem, mögen eben diese Art der Kommunikation, bekommen ja auch Rückmeldungen, denke ich. Konkret, Herr Zutter: Was waren Reaktionen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind, positiv oder negativ?

Zutter:  Dass mir einiges geklaut wurde, was in Zeitungen oder Anthologien erschie-nen war: Ein Sketch, der dann unter anderem Namen bei RTL gezeigt wurde. Oder ein Liebesgedicht, das zum Valentinstag in der Saarbrücker Zeitung auftauchte – aller-dings leicht verändert. Der Autor hatte meine Formulierung  „deine Brüste“ ersetzt durch „deine Liebe“, das Ursprüngliche war ihm wohl zu gewagt. Und so weiter.

De Ingo:  Autoren sagen gerne, dass sie alle ihre Bücher gleich lieb haben. Aber gibt es eines unter Ihren, das Sie besonders beschäftigt hat?

Zutter:  Ja. „Weil er Göring nicht grüßte“ war das Buch einer Recherche, die mir in besonderer Weise gezeigt hat, wie wenig die Vergangenheit vergangen ist. Was um das Buch herum so passiert ist, ist interessanter als das Buch. Oder fast.

De Ingo:  Gerade noch die Kurve gekriegt! Zum Schluss, Herr Zutter, die unvermeid-liche Frage: Was schreiben Sie zur Zeit?

Zutter:  Miniaturen. So nenne ich meine kurzen Notizen über das, was ich in meinem ganz normalen Alltag so nebenbei beobachte.

De Ingo: Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

 

 

 

 

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