“Bunt statt Braun” Ein Sulzbacher Projekt mit Zeitzeugen aus der NS-Zeit

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Unter Leitung von Anneliese Maaß wird fleißig an einem Projekt zur Aufarbeitung der Sulzbacher NS- Vergangenheit gearbeitet. Hierbei steht die Suche nach den gesellschaftlichen Ursachen dieser Fehlentwicklung im Fokus.

Interessant und vielversprechend ist hierbei die Herangehensweise der Projektgruppe an dieses Vorhaben:

Jugendliche sollen Interviews (professionelle Unterstützung wird von der Sulzer Redaktion gegeben) mit Zeitzeugen durchführen und Fragen zur NS Zeit aus heutiger Sicht stellen. Diese Fragen werden vom Projektteam thematisch vorbereitet, um eine zielführende und auswertbare Antwort oder Erzählung des Zeitzeugen zu erleichtern. Ein typische Frage könnte zum Beispiel sein:

Können Sie sich noch erinnern warum Sie damals in die NSDAP eingetreten sind? Was haben sie sich davon versprochen?” oder “Haben Sie Nachteile für sich und ihre Familie befüchtet, wenn Sie nicht mitgemacht hätten?”

Zur Vermeidung von Fehlern in der Fragestellung werden Soziologen mit entsprechendem Fachwissen konsultiert.

Den Zeitzeugen wird Vertraulichkeit zugesichert. Anonymität wird streng gewahrt. Damit will das Projektteam erreichen, dass nicht nur Nazi-Geschädigte, sondern auch die Vielzahl der „Mitläufer“ ohne Schaden für sich und ihre Familie zu Wort kommen können.

Die meisten dieser Zeitzeugen haben diesen Zeitabschnitt aus ihrem Gedächtnis verdrängt. Es musste nach dem verlorenen Krieg möglichst ohne Ballast weitergehen. Es war zuerst einmal wichtig zu überleben, den schlimmen Krieg zu vergessen und das zerstörte Deutschland wieder aufbauen. Das wird respektiert, aber es wäre schade, wenn diese wertvolle Lebenserfahrung und damit die Kenntnis über die wahren Beweggründe ihres Verhaltens und Handelns in der NS Zeit für immer verloren ginge.

Das Projektteam „Bunt statt Braun“ hat sich zur Aufgabe gemacht, dieses Wissen zu konservieren und daraus praktische Vor-und Ratschläge für die folgenden Generationen auszuarbeiten.

Man soll den gleichen Fehler nicht zweimal machen. Die Zukunftsentwicklung der Zivilgesellschaft muss ein selbst-lernender Prozess sein, (“Die Gesellschaft als Selbstlernende Organisation”) . Lernen aus Fehlern der Vergangenheit , um die Zukunft gestalten zu können, ist die Handlungsmaxime.

„Bunt statt Braun“ soll die Bürger, alt und jung, für gesellschaftliche Fehlentwicklungen  sensibilisieren. Die Gefahren der braunen Indoktrination sind auch heute vorhanden und klar erkennbar in der Parteienlandschaft und in den Medien. Dagegen muss man die Bürger mit Wissen und Argumenten wappnen. Das hat sich die Sulzbacher Initiative zum Ziel gesetzt.

Die Ergebnisse der Recherchen werden in einer Ausstellung unter Verwendung moderner Medientechniken zusammengeführt. Geplant sind auch Stadtführungen zu Orten, die Bezug zur NS Zeit haben.

Es gibt noch viel zu tun.

Rainer Kuhn

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