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Steak frites - gelungen!

Wir Saarländer sind ja recht selbstbewußt, was die heimische Gastronomie anbetrifft. Nicht zu unrecht, denn eine größere „Sternedichte“ findet sich weltweit wohl nirgends als in unserem kleinen Ländchen, auch wenn die Schließung von Jens Jakobs Restaurant in der Mainzerstraße in Saarbrücken sicherlich einen kleinen Rückschlag in Sachen Gourmethauptstadt bedeutet.

Lässt man die bekanntesten Fernsehköche vor dem Inneren Auge einmal Revue passieren, fallen einem vielleicht zehn, fünfzehn Personen ein, die regelmäßig im Rampenlicht stehen und in deren Etablissements sich sicherlich viele Mitfernseher gerne einmal gut gehen lassen würden. International gibt es nur ganz wenige Namen, die auch in Deutschland Strahlkraft besitzen. Und der bekannteste, weil vielleicht auch unkonventionellste, ist sicherlich Jamie Olivier.

Ausgerechnet ein Brite, denken sicherlich nicht wenige! Nicht zu unrecht. Wer vor ein paar Jahrzehnten über die Insel reiste, war für jedes Mcdonald´s, das er an der Autobahn fand, froh. Das hat sich geändert, nicht zuletzt durch den Einfluss der vielen afrikanischen und asiatischen Immigranten. Wer richtig gut indisch essen will, der wird in Großbritannien glücklich werden, wie auch wir mit einem Besuch bei Mr. Singh´s in Stirling bestätigen können.

"Tomato an Ricotta Bruschetta"
„Tomato an Ricotta Bruschetta“

Oliviers Küche geht zurück auf die Basics: Die hochwertigen Zutaten sollen durch ihre Frische und Eigengeschmack den Gaumen der Esser erfreuen. Minzsauce und andere schwere Schweinerein – Nein, Danke! Also haben wir uns in Glasgow einmal „Jamie´s Italian“ angesehen, eines von 17 Restaurant, die zu Olivers Gastroimperium gehören. Das Restaurant liegt gleich am vornehmsten Platz der schottischen Metropole und vermittelt britische Eleganz und Gediegenheit.

Gennaros Chicken Primavera - Gegrilltes Hähnchenbrustfilet mit viel Grünem.
Gennaros Chicken Primavera – Gegrilltes Hähnchenbrustfilet mit viel Grünem.

Ist man erst einmal eingetreten, wandelt sich der Eindruck. Das Restaurant verfügt quasi nur über einen einzigen großen Speisesaal, dessen Abmessungen Tanzhallencharakter besitzt. An der Längsseite gibt es eine riesige Bar und eine offene Küche, in der verschiedene Speisen direkt vor den Augen der Gäste zubereitet werden. Der Rest wird durch eine recht einfache, aber bequeme Bistrobestuhlung gefüllt. Schätzungsweise 200 Menschen befinden sich so in einem Raum, der überdies mit nicht sehr dezenter Popmusik beschallt wird. Das ist nicht wirklich gemütlich.

"Turkey milanese" - Puten Cordon-Bleu mit Ei.
„Turkey milanese“ – Puten Cordon-Bleu mit Ei.

Dennoch: Der Empfang ist freundlich und warmherzig. Die Karte besteht aus einem beidseitig laminierten DIN-A3 Blatt, auf dem alles untergebracht wurde. Starters, main dishes und deserts. Veganer und Alkoholiker wurden auch nicht vergessen. Also legen wir los und bestellen „Italian Nachos“, zweimal „Tomato and Ricotta Bruschetta“, sowie eine „Cornish Crab Bruschetta“. Dazu eine Flasche Montepulciano del´Abruzze. Das Preisniveau ist übrigens für den Spitzennamen unglaublich günstig: Mehr als 5 englische Pfund pro Vorspeise wandern nicht in Jamies Kasse. Und der wundervolle Montepulciano ist mit knapp 22 Ocken auch nicht gerade überteuert. Als das Essen eintrifft und wir endlich kosten dürfen, bricht spontane Begeisterung aus: Wow!. Jeder muss alles einmal probiert haben. Frische, Qualität, Zubereitung, Präsentation: Volle Punktzahl! Das lenkt denn auch ein wenig von dem Lärm ab, der es mühselig macht, sich zu unterhalten.

Aufpreispflichtig: der Marktsalat.
Aufpreispflichtig: der Marktsalat.

Als Hauptspeisen hatten wir „Turkey Milanese“ (Puten-Cordon-Bleu), „Italian Steak and Fries“, „Jamies Favourite Porchetta“ und „Gennaros Chicken Primavera“ geordert. Gennaro weiß offensichtlich, wie man ein gutes Hühnerfilet verarbeitet. Zart und gut gegrillt mit sehr viel frischen Kräutern und Gemüse mundete das Gericht ganz hervorragend. Gleiches gilt für das „Steak frites“, das ebenfalls auf den Punkt gegart und ansprechend garniert daher kam. Richtig gut kam auch das milanesiche Putenschnitzel an, was man von dem „Porchetta“, der Empfehlung von Jamie, dem Chef höchstpersönlich, nicht sagen kann. Das Fleisch war zäh, schwamm in Öl und präsentiert sich knapp oberhalb der Verzehrfähigkeitsgrenze. Ein klarer Downer. Übrigens: Die Hauptspeisen, die jeweils so etwa 15 Pfund kosten, sind in der Regel ohne Beilagen. Möchte man also noch Kartoffeln oder einen „market salad“ dazu, wird´s teurer.

Angesichts des Trubels und der ständigen Fluktuation im Raum, verzichteten wir auf das Desert und bekamen ganz schnell auch eine Rechnung, die letztlich bei etwa 150.- Euro lag. Dafür würden wir in unsrer saarländischen Heimat sicherlich etwas gastronomisch Ausgefeilteres wünschen, auch vom Ambiente her. Tatsächlich dürfte man in einem x-beliebigen Restaurant im nahen Frankreich aber sicherlich nicht weniger berappen. Und könnte nicht behaupten, man wäre schon einmal bei Jamie Olivier zu Gast gewesen…

 

 

 

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