Start Panorama „Man sollte gehen, wenn es am Schönsten ist.“

„Man sollte gehen, wenn es am Schönsten ist.“

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Interview mit Marie-Elisabeth Denzer und Wolfgang Winkler

Das Ende des „Blauen Sofas“ auf der Salzbühne ist verkündet. Wir haben deshalb die beiden Moderatoren dieser außerordentlich beliebten und bekannten Talkrunde vor der allerletzten Runde in einem Interview zurückblicken lassen.

SaarNews.com: Beginnen wir am Anfang. Wer kam auf die grandiose Idee, eine prominent besetzte, unterhaltsame Talkrunde in Sulzbach auszurichten und wie kam Marie dazu?
Wolfgang Winkler: Ich habe 1997 hier im Salzbrunnenhaus eine CD vorgestellt. Danach habe ich einen Kasten Bier und ein paar Bretzeln hingestellt und alle haben einen schönen Abend zusammen verbracht. Irgendwann dachte ich, wie kann man das weiter entwickel? Und dann kam mir die Idee, vielleicht machst Du einmal eine Talkshow, nur etwas „niveauvoller“. Marie kannte ich ja schon seit den 80er Jahren. Und dann kam die Zeit, in der ich morgens an einem großen Plakat vom Aktuellen Bericht vorbeifuhr und da strahlte mir die Marie entgegen. Ich dachte mir also: „Die kenn´ ich doch!“ und habe Marie gefragt: „Ich habe da so eine Idee, würdest Du da vielleicht mitmachen?“. Und Sie sagte: Hört sich ganz interessant an.

Marie Elisabeth Denzer: Dein Hintergrundgedanke war aber zudem: wenn ich schon so eine Fernsehtussi gewinnen kann, dann wäre es doch auch ganz schön, wenn man dieses anspruchsvolle Format ins Fernsehen bringen könnte.

Wolfgang Winkler: Ja, das wäre nicht schlecht gewesen.

Marie Elisabeth Denzer: Wir haben ja auch entsprechende Gespräche geführt, die aber irgendwann alle im Sande verlaufen sind, weil es die Befürchtung gab, dass die Menschen vor der Kamera nicht so offen gewesen wären. Es gab eben diese intime Atmosphäre mit 100 bis 120 Zuschauern, wo sich die Leute wohlfühlten und wir anders agieren konnten. So nach dem Motto „Wir sind hier unter uns.“. Eine Kamera hätte das zerstört.

Wolfgang Winkler: Ich hätte Dir das trotzdem zugetraut, auch wenn die Kameras da gestanden hätten.

Marie Elisabeth Denzer: Das ist schwierig. Ich wäre auf jeden Fall nicht so frech gewesen… Wir hatten aber mit Norbert Klein und Werner Zimmer gesprochen, der ja auch Gast auf der Couch gewesen ist, und der uns warnte, dass viel von der Intimität verloren gehen würde. Und damit wäre der Flair dieser Veranstaltung verloren gegangen. Ich glaube, er hat damit recht gehabt.

Wolfgang Winkler: Ja, ich denke, das war so okay.

Marie Elisabeth Denzer: Also einen Wirtschaftsminister, der mit Kinderinstrumenten über die Bühne rockte und Percussion machte, hätten wir sonst sicherlich nicht zu sehen bekommen. Dem ganzen Auditorium fiel die Kinnlade runter und Frau Georgi sagte anschließend nur: „Frau Denzer, ich kenn´ ihn nicht anders.“

SaarNews.com: Nach dem Ende der Show gab es immer noch einen Imbiss und etwas zu trinken…

Wolfgang Winkler: Ja, das war von vorneherein die Idee.

Marie Elisabeth Denzer: Hauptsach´ gudd gess!

Wolfgang Winkler: Normalerweise hattest Du eine Veranstaltung und dachtest nachher: „Wo gehen wir jetzt denn noch hin?“. Also haben wir gesagt, dann lassen wir das Essen kommen. Das ist dann in dem Preis drin und niemand braucht sich mehr Gedanken zu machen. Und es wurde sehr gut angenommen.

Der Sulzer: Kehren wir zurück zu den Gästen. Es haben sicherlich mehr als 150 Promis auf der blauen Couch gesessen. Wie habt ihr die Gäste denn ausgewählt?

Wolfgang Winkler: Das war auch so eine Zufallsgeschichte. Beim ersten Mal hatten wir den Vorgänger von Thomas Kleist, den Fritz Raff. Der kannte mich, weil ich eine CD mit dem SR produziert hatte. Den habe ich einfach mal angerufen und gefragt: Wir haben da so eine Idee, wollen Sie nicht unser Gast sein? Und er sagte Ja. Und dann gab es den Herrn Schreier, damals Kultusminister, den habe ich auch gefragt. Dazu kam dann noch Friedhelm Fiedler, Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung.

Marie Elisabeth Denzer: Strategisch genial hat er damals die Medienherrscher im Saarland an den Tisch gebracht!

Wolfgang Winkler: Die haben sich auf dem Sofa bei uns sehr wohl gefühlt. Es ist die beste Reklame, wenn so jemand sagt: „Da kannste ruhig hin gehen.“.

SaarNews.com: Viele Abende waren lustig, spritzig unterhaltsam. Ich war selbst bei einigen Veranstaltungen zugegegen, bei denen es auch durchaus ernsthaft wurde. Beispielsweise am Abend mit Prof. Hasenhüttl.

Marie Elisabeth Denzer: Ja, aber es war großartig, dass er kam, denn das war damals das große Thema in der Presse. Wir konnten über viele aktuelle Themen reden. Das ist ja auch ein Wesenszug dieser Veranstaltung: Es gab nicht nur ”eitel Sonnenschein“. Es gab auch da, wo es angebracht war, kritische Töne.

Wolfgang Winkler: Wir hatten uns beim Anschlag am 11. September natürlich Gedanken gemacht, ob wir den Termin drei Wochen später absagen sollten. Wir haben nicht abgesagt. Damals war Ikbal Berber zu Gast.

Marie Elisabeth Denzer: Ja, es war ni unsere Gangart zu sagen, wir sind nur politisch oder nur privat oder wir machen nur leichte Themen. Wir haben das gemacht, was angesprochen werden sollte. Das, was sich im Gespräch ergeben hat. Es waren manchmal auch Dinge, die uns ganz spontan eingefallen sind.

Wolfgang Winkler: Es gab eben auch keinen Aufnahmeleiter, der gesagt hat: Stopp!

Marie Elisabeth Denzer: Ja, das meiste war absolut spontan. Wir hatten kein großes Gerüst, nur ein paar Gimmicks und ein paar Wortspiele. Ich habe ihn genauso gepiesackt wie er mich. Es war nichts einstudiert.

Wolfgang Winkler: Das funktioniert aber auch nur wenn das Zwischenmenschliche stimmt, wenn man sich mag.

Marie Elisabeth Denzer: So wie ich Wolfgang manchmal angegangen bin, wären andere beleidigt gewesen. Er hat aber immer sofort zurückgeschossen…

Wolfgang Winkler: Sagen wir so: Es wurde besser im Lauf der Zeit. Ich habe viel von Marie gelernt… Aber um auf die Frage zurückzukommen: In der Regel habe ich die Leute eingeladen. Dann hat nicht selten die Sekretärin gefragt: Wie kann sich der Eingeladene denn auf die Talkrunde vorbereiten? Da habe ich immer geantwortet: „Brauchen Sie nicht!“. Es gibt nichts, worauf man sich vorbereiten müsste.

Der Sulzer: Und nun soll alles vorbei sein? Habt ihr keine Promis mehr, die ihr einladen könnt? Oder was ist der Beweggrund?

Marie Elisabeth Denzer: Nein, es wachsen immer welche nach…

Wolfgang Winkler: Ich habe zu Hause ein Liste, mit Leuten, die schon zugesagt haben, bei denen es eigentlich nur noch um den Termin ging. – Nein, irgendwann kam so ein Prozess zu Gange, dass ich gedacht habe: 50? Das hätten wir damals nie gedacht! 16 Jahre! Da kam der Gedanke, es wäre besser aufzuhören, wenn die Leute sagen: Schade!, als wenn gesagt wird: es war auch Zeit…

Marie Elisabeth Denzer: Ich finde, es war ein ganz guter Moment, weil noch sind wir alle ein wenig traurig darüber. Man hört auf, wenn es am Schönsten ist. Und: Ja, vielleicht fällt uns irgendwann mal noch einmal etwas anderes ein.

Wolfgang Winkler: Ich denke schon…

Marie Elisabeth Denzer: Du denkst schon?

Wolfgang Winkler: Ja, Du nicht? Nun, es gibt ja auf jeden Fall diesen Nachschlag. Das war die Idee von Bürgermeister Michael Adam. Als ich mit ihm darüber gesprochen habe, hat er gesagt: Dann macht das doch einmal so, dass ihr die Moderatoren, also uns beide und Carlo Holzmann, der ab und zu mal für Marie eingesprungen ist, aufs Sofa setzt.

Der Sulzer: Wann wird die letzte Ausgabe stattfinden?

Wolfgang Winkler: Die Terminierung ist etwas kompliziert. Entweder im Herbst oder im Januar. Es stehen zwei Termine zur Auswahl.

SaarNews.com: Dann bedanke ich mich für das Gespräch.

Marie Elisabeth Denzer: Darf ich noch eine Frage an den Moderator stellen?

Der Sulzer: Klar.

Marie Elisabeth Denzer: Wolfgang, was war für Dich das Highlight der letzten 16 Jahre, aus 50 Folgen Salzbrunnen-Talk?

Wolfgang Winkler: Puhhhh. Also die Sache mit dem Flügel, der renoviert werden musste, das war eine ganz tolle Sache. Und dann hatten wir die Geschichte mit Wendelin von Boch, seiner Frau, Prof. Dieter Breitenbach und Prof. Duis, die unvorbereitet einen fünf minütigen Stand up Sketch über die Vorzüge von Lotus beschichteten Toiletten hielten.

Marie Elisabeth Denzer: Wir haben uns Tränen gelacht! Er (Wolfgang Winkler) hat es aufgezeichnet, aber er rückt die Aufnahmen nicht raus!

Wolfgang Winkler: Ich schick´ sie Dir.

Marie Elisabeth Denzer: Bei mir war es das schwarze Schaf, mit wir den schwarzen Peter (den damaligen Ministerpräsidenten) begrüßten.

Wolfgang Winkler: Ja und natürlich der erste Auftritt meines ältesten Sohnes, der auch bei der Jubiläumsvorstellung noch einmal gespielt hat.

Marie Elisabeth Denzer: Und mein musikalisches Highlight war Wolfgang Winkler. Er war nämlich der Musiker auf der Veranstaltung, auf der ich meinen Ehemann kennengelernt habe. Deine Songs sind in den letzten Jahren immer besser geworden, wie beispielsweise auch das Stück, das Du in der letzten Veranstaltung gespielt hast. Voller Witz und wunderbarer Wortspiele. Ich könnte Dir ja mal eine Wunschliste machen, was ich beim letzten Mal alles von Dir hören möchte.

Wolfgang Winkler: Ja, gut.

SaarNews.com: Super, Danke!

Das Interview für SaarNews.com führte Claus Kuhn.

Der angesprochene Nachschlag wird am Samstag, dem 22. September um 19.00 Uhr gereicht. Leider sieht es so aus als wären bereits alle Karten für diese allerletzte Veranstaltung mit Marie-Elisabeth Denzer und Wolfgang Winkler ausverkauft.

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