Das Titelbild zeigt eine Jagdgesellschaft im  saarländischen Hochwald im Winter. Zwischen zwei Treiben wärmen sich Jäger und Treiber am Feuer auf.

 

Das Saarländische Jagdgesetz (SJG) verbietet ab dem 1. Januar 2017 die Verwendung von bleihaltigen Büchsengeschossen und bleihaltigen Flintenlaufgeschossen bei der Jagd auf Schalenwild.

Damit beginnt ein neuer Zeitabschnitt in der tausendjährigen Geschichte der Jagd, in der das schwere, graue Metall dem Jäger immer gute Dienste geleistet hat.

Die Geschosse oder Projektile aus Blei besitzen eine hohe Durchschlagskraft, die auf die hohe Dichte dieses Metalls von 11,3 g/ccm zurückzuführen sind. Durch die Verwendung dieses schweren Werkstoffes kann man eine hohe dynamische Energie transportieren. Durch das Aufpilzen des weichen Bleis (Mohshärte 1,5) beim Auftreffen wird diese Energie auf den Tierkörper übertragen und führt zum sofortigen Tode des Wildes.

Bleigeschosse oder Projektile mit Bleikern waren ideal für diesen Zweck und vermieden Tierquälerei.

Nach dem Neuen Jagdgesetz muss das Blei jetzt durch Kupfer (Dichte 8,92 g/ccm, Mohshärte3,0) oder Zink Dichte (7,14 g/cc, Mohshärte 2,5) oder durch Legierungen aus beiden Metallen, ersetzt werden.

Allein der Vergleich der Materialeigenschaften zeigt, dass sich hier physikalisch kein vollwertiger Ersatz der bleihaltigen Munition möglich ist. (Es sei denn wir nehmen Silber oder gar Gold.)

Die Projektile aus Kupfer oder Zink oder anderen Legierungen sind leichter als Bleigeschosse und transportieren auf Grund dessen weniger Energie. Außerdem sind sie wesentlich härter, so dass sie nicht aufpilzen, sondern den Wildkörper ohne größere Energieabgabe durchschlagen.

Dem Jäger ist es an sich egal, mit welcher Munition er schießt. Für ihn ist nur wichtig, dass das Stück im Feuer liegt. Das vermeidet unnötige Qualen für das Tier und aufwendiges Nachsuchen durch den Jäger. Außerdem darf keine Gefährdung von Jägern und Umfeld durch Querschläger entstehen.

Das Projektil muss schwer und gut verformbar sein.

Harte Projektile verwandeln sich schnell in gefährliche, unkontrollierbare Querschläger. Alles in allem keine einfache für die Entwicklerteams der neuen bleifreien Munition.

Ärgerlich ist es aber, dass der Umweltminister bei Nichtbeachtung gleich mit Strafe droht. Jäger brauchen einfach Zeit, um sich von dem lieb gewonnen Blei zu trennen, zumal noch keine flächendeckenden und belastbaren Erkenntnisse über die Performance der neuen, bleifreien Munition vorliegen.

Manche hegen sogar den Verdacht, dass es sich hierbei um eine ideologisch getriebene Maßnahme handelt und keine sachliche Notwendigkeit besteht. (Siehe Berichterstattung im Focus http://www.focus.de/politik/deutschland/streit-um-munitionsverbot-in-schleswig-holstein-blei-verbot-macht-jaeger-sauer-mit-dem-zeug-schiess-ich-nicht-das-ist-tierquaelerei_id_4701549.html)

Eine Güteabwägung (Nachteile-Vorteile, Gewinner-Verlierer) sollte die Politik eigentlich bei jedem Gesetz mitliefern.

Die Jäger tanken schon bleifrei, bestellen bleifreie Getränke (also ohne Umdrehungen), wenn sie noch fahren müssen. Und was sollen sie jetzt mit der ganzen bleihaltigen Munition machen, die sich seit Generationen in den Jägerfamilien angesammelt hat? Davon steht im Gesetz nichts und auch in der Pressemitteilung des Ministeriums wurde nichts erwähnt. Entsorgung als Sondermüll?

Pressemitteilung des Saarländischen Umweltministeriums:

Ausgegeben am: 31.10.2016 – 07:00 Uhr

Ab 2017 keine bleihaltige Munition mehr für saarländische Jäger – Jost: Bei Nichtbeachtung droht Geldbuße

Das Saarländische Jagdgesetz (SJG) verbietet ab dem 1. Januar 2017 die Verwendung von bleihaltigen Büchsengeschossen und bleihaltigen Flintenlaufgeschossen bei der Jagd auf Schalenwild wie beispielweise Rotwild, Damwild, Rehwild und Schwarzwild. Damit endet eine über 2 ½ jährige Übergangsfrist, in der grundsätzlich das Verbot für bleihaltige Munition bereits bestand, die Jäger aber ihre Munitionsvorräte  noch verwenden durften. Darauf hat das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz am Freitag im Umweltausschuss des Landtages hingewiesen.

Bleihaltige Munition wird seit jeher verwendet. Aber erst vor gut 10 Jahren wurde deutlich, dass der Einsatz von Bleimunition ökologische Probleme mit sich bringen kann. So haben Seeadler in Mecklenburg-Vorpommern Geschossbleireste aufgenommen und einzelne der großen Greifvögel sind danach an einer Bleivergiftung eingegangen.
Nach einer Studie des Bundesamtes für Risikobewertung zur Bleibelastung von Wildfleisch hat sich weiterhin herausgestellt, dass Wildfleisch bei sehr regelmäßigem Genuss Bleigehalte aufweisen kann, die für Schwangere problematisch sein können. Da der Bundesgesetzgeber seine Diskussion dazu bisher nicht abgeschlossen hat, hat das saarländische Parlament im März 2014 im Vorgriff auf eine bundeseinheitliche Regelung im §32 SJG bleihaltige Munition verboten, mit der Übergangsfrist bis Januar 2017.

„Durch diese Regelung kann der Verbraucher im Saarland zukünftig bleifreies Wildfleisch genießen, sofern es aus heimischen Wäldern kommt“, betont Minister Reinhold Jost.
Viele verantwortungsbewusste Jäger hätten schon im Vorfeld vorsorglich  auf die Verwendung von bleihaltigen Büchsengeschossen verzichtet. So genannte bleifreie Geschosse, die tierschutzgerecht töten, wurden in den letzten Jahren von der Industrie entwickelt. Alternativ wurde auf die Metalle Kupfer und Zink zurückgegriffen.
Jost: „Bei Nichtbeachtung der neuen jagdgesetzlichen Regelung riskiert der Jäger eine empfindliche Geldbuße, die eine Überprüfung der erforderlichen Zuverlässigkeit nach sich ziehen kann.“

Seltsam ist, dass man für die Einführung des Gesetzes das Kalenderjahr und nicht das Jagdjahr, das am 1.4.2017 beginnt, bestimmt hat.

Letztendlich müssen sich die Jäger mit dem Gesetz abfinden.

Die Ära des Bleies in der Jagd neigt sich dem Ende zu.

Nur der Maurer muss noch darauf achten, dass seine Mauer „im Blei“ steht und nach der dritten Flasche Wein verspüren wir eine „bleierne Schwere“ und die Kiste wird „schwer wie Blei“.

 

 

Im Herbst 2016

 

Rainer Kuhn

 

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT