Ein Kommentar von Rainer Kuhn:    Die Saarländer wurden heute geschockt durch eine Pressemitteilung der Steag in Essen:„Das politisch veränderte Marktumfeld und das anhaltend niedrige Strompreisniveau führen zu einer zunehmenden Unwirtschaftlichkeit vieler konventioneller Großkraftwerke in Deutschland. Bereits Anfang September hatte STEAG die Notwendigkeit der Stilllegung einiger Blöcke und einen damit einhergehenden erheblichen Personalabbau angekündigt. Heute erfolgte die rechtlich verbindliche Anmeldung von fünf Kraftwerksblöcken zur Stilllegung bei der Bundesnetzagentur, drei davon in Nordrhein-Westfalen und zwei im Saarland.“

Das Steinkohlekraftwerk in Bexbach ist zurzeit die leistungsstärkste Blockanlage an der Saar. Auch das Kraftwerk Weiher in Quierschied wird geschlossen.

Steag verweist auf das niedrige Strompreisniveau. Der an der Strombörse erzielbare Preis deckt die Kosten zum Betreiben der konventionellen Kraftwerke nicht mehr.

In einem funktionierenden Markt, müsste bei einem Überangebot folgerichtig auch der Strom für den Endkunden günstiger werden. Weit gefehlt. Die Politik hat diese Mechanismen der Marktwirtschaft per Gesetz außer Kraft gesetzt. Erneuerbare Energie bekam Einspeisevorrang und Preisgarantie und das alles unter dem Titel „Energiewende und Entcarbonisierung der Atmosphäre.“

Bei einem Blick auf seine Stromabrechnung überkommt die Bürger die kalte Wut.

Je billiger der Strom an der Börse, umso teurer wird der Strom für den Endverbraucher. Sinkender Preis an der Strombörse muss ausgeglichen werden und führt zur Erhöhung der EEG Zuschläge und damit zum Anstieg des Strompreises. Dieser liegt in Deutschland mittlerweile bei 31 Cent für einen Familienhaushalt (3500KWh/a). Im Vergleich dazu in unserem Nachbarland Frankreich bei 16 Cent.

Auch unsere Industrie wird langsam unruhig. Diese ist zwar im Moment vom EEG befreit, aber es mehren sich schon politisch unterschwellig vorgetragene Forderungen der Industrie diesen Vorteil zu streichen. In verschiedenen politischen Gruppierungen hat man schon eine „Gerechtigkeitslücke“ entdeckt.

Wer sich mit diesen Gedanken beschäftigt, sollte sich die Berichte über die Provinz Ontario in Kanada dringend vorlegen lassen.

Ontario ist  durch eine verfehlte, durch Ideologie und nicht durch Vernunft geprägte Energiepolitik, von einem prosperierenden Gemeinwesen in ein armes, hochverschuldetes Land verwandelt worden. Für nähere Informationen folge dem Link:

www.financialpost.com/m/wp/fp-comment/blog.html?b=business.financialpost.com/fp-comment/lawrence-solomon-ontario-is-headed-for-a-fatal-future-and-only-ending-the-renewable-deals-can-prevent-i

Als Industrienation Deutschland dürfen wir nicht die gleichen Fehler machen. Hohe Energiekosten, verursacht durch unreife Technik, vernichten unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Es ist viel besser, Druck aus dem System zu nehmen und die zeitlichen Vorgaben der Energiewende flexibel zu gestalten. Die technische Entwicklung bis hin zur Serienreife der Kraftwerkseinrichtungen, der intelligenten Verteilernetze und der Energiespeicher brauchen Zeit. Eine Aufstockung der Förderung dieser technischen Entwicklung ist sinnvoll und zielführend, viel sinnvoller als ein Wildwuchs von Windkraftanlagen, mit den Gebühren der Stromkunden finanziert.

Für die Energiewende sollte gelten: „Langsam kommt man schneller zum Ziel!

Arbeitswelt und Gesellschaft und Umwelt müssen die sich zwangsläufig ergebenden Brüche und Belastungen verkraften können. Das gilt auch für die Belegschaften der beiden STEAG Kraftwerke in Bexbach und in Quierschied. Diese fallen zwar nicht ins „Bergfreie“, verlieren aber mehr, als nur ihren Arbeitsplatz.

Rainer Kuhn

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