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„Europäische Selbstbehauptung – wie kommen wir aus der Krise?“ – Europaminister Stephan Toscani im Gespräch mit Prof. Joachim Bitterlich

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Am Donnerstag (24.11.2016) diskutierte Europaminister Stephan Toscani im Rahmen der Gesprächsreihe „Forum Villa Europa“ in der Villa Europa in Saarbrücken mit Prof. Joachim Bitterlich, Botschafter a.D. bei der Nato und in Spanien, über die aktuellen Krisen in der Europäischen Union und Wege zur Krisenbewältigung.

In seinem Impulsvortrag warf Prof. Bitterlich die Frage auf: „Geht es in Wahrheit nicht um die Selbstbehauptung Europas in einer multipolaren Welt ohne Ordnung?“

Europaminister Stephan Toscani führte in die Diskussion ein und sagte: „Die Europäische Union sieht sich seit einigen Jahren mit einer multiplen Krise konfrontiert. Die Euro- und die Flüchtlingskrise, Fragen wie Terrorismus und das angespannte Verhältnis zu Russland oder der Brexit stehen dabei im Fokus.“ Hauptsächlich wurde die Frage nach Auswegen aus der Krise thematisiert. Das bisherige Krisenmanagement scheine nur noch eine beschränkte Wirkung zu entfalten. Notwendig sei eine Besinnung und Fokussierung auf die künftige wichtige Aufgabe der EU: „Wir Europäer haben die Chance, mit unserem europäischen Modell der sozialen Marktwirtschaft die Globalisierung menschlich und gerecht zu gestalten“, so Europaminister Stephan Toscani.

Die Antwort auf berechtigte Sorgen und Ängste der Menschen dürften nicht Nationalismus und Protektionismus sein. Außerdem sei es extrem schädlich, wenn Regierungen einzelner Mitgliedsstaaten die Verantwortung für Fehlentwicklungen in ihren Staaten auf die EU abschieben.

Prof. Joachim Bitterlich sieht mögliche Auswege aus der Krise darin, die Partner-Länder der EU und die Bevölkerung mit ihren Ängsten aufzufangen und diese Ängste in der Politik ernst zu nehmen. Ein weiterer Weg aus der Krise sieht Bitterlich darin, zu verstehen, wie die Partner ticken, wie ihre Arbeitsabläufe aussehen und ein Verständnis dafür zu entwickeln, um gemeinsame Anknüpfungspunkte zu haben.

Prof. Bitterlich setzt darüber hinaus auf einen engen Zusammenschluss von Grenzregionen. Die Kooperationen sollen dabei weit über das hinausgehen, was man heute darunter versteht. Im Herzen Europas könne so eine echte europäische Großregion geschaffen werden.

Europaminister Stephan Toscani würdigte die Vorschläge des Saarlandbotschafters Prof. Joachim Bitterlich und betonte, dass sich das Saarland konsequent auf dem vorgeschlagenen Weg bewege und für jede Unterstützung aus Paris und Berlin dankbar sei.

 

Vita Prof. Bitterlich:

Der gebürtige Saarländer ist ehemaliger Diplomat. Er war lange Jahre ein enger Berater Helmut Kohls in der Europapolitik, leitete von 1993 bis 1998 die Abteilung für Außen-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik im Bundeskanzleramt und war deutscher Botschafter bei der Nato und in Spanien. Bis Ende 2012 war er Vizepräsident für Internationale Beziehungen beim französischen Entsorgungs-, Energie- und Transportkonzern Veolia. 

Er studierte Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität des Saarlandes und an der französischen École nationale d’administration (ENA). Auch in seinem Ruhestand ist er weiterhin in außenpolitischen Fragen aktiv und ist Professor an der ESCP Paris, einer privaten, staatlich anerkannten wissenschaftlichen Wirtschaftshochschule.

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