Heike und Markus Walter: Zurück aus der Mongolei

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Nicht immer gibt es Brücken. Bachdurchquerung in Kirgistan.

Anfang April hatten sich die beiden Bildstocker auf den Weg gemacht. Die mehrmonatige Reise entlang der Seidenstraße war ein lang gehegter Wunsch, den sie sich erfüllen konnten, nachdem ihre jüngste Tochter die Volljährigkeit erreicht hatte. Nun sind sie seit ein paar Wochen wieder zu Hause und hatten viel zu erzählen.

Die Reise führte zunächst vom Saarland über Österreich und Ungarn nach Rumänien, wo sie in Lipova einen kurzen Aufenthalt einlegten, um sich bei den rumänischen Freunden zu verabschieden. Daraus wurde ein überraschend großer Bahnhof, denn auch die ehemalige Bundestags-Vizepräsidentin Susanne Kastner weilte vor Ort und ließ es  sich nicht nehmen, den Globetrottern eine gute Fahrt zu wünschen.

Mit der Türkei begann das eigentliche Abenteuer. Nach einem Besuch der pulsierenden Metropole Istanbul ging es weiter Richtung Osten. „Nachdem wir Istanbul verlassen hatten, sind wir Richtung Schwarzmeerküste gefahren. Der Straßenkarte nach zu urteilen, sah es hier nach einer schönen durchgehenden Küstenstraße aus. Und da wir in den nächsten Monaten eher trockene Gebiete durchreisen, ist doch so eine Küstenstraße durchaus das Richtige. Wir freuten uns also auf hunderte Kilometer interessanter Straße, kleine Fischerdörfer und Straßencafés. Doch irgendwie kam alles anders…“ berichtet Markus Walter.

Anstatt flachen Sandstränden erwarteten sie schroffe Steilküsten und eine Straßenführung mit vielen Kurven, Steigungen und abschüssigen Strecken, die dem 7,5-Tonner viel abverlangte. „Schlimm ist, was die Türken dem Ostteil der Schwarzmeerküste angetan haben. Hier wurde eine vier- bis sechsspurige Schnellstraße gebaut, die fast ausschließlich direkt am Wasser verläuft. Häufig sogar auf aufgeschüttetem Land direkt am Strand.“

Von der Schwarzmeerküste verlief die Route vorbei am größten und imposantesten Berg der Türkei, dem Ararat, in den Iran. Oder sollte man zunächst einmal Aserbaidschan schreiben? Denn bei dem  an die Türkei grenzenden, nördlichen Teil des riesigen Staates rundum die Zentralstadt Tabriz handelt es sich um ehemaliges aserbaidschanische Gebiet.

Die Walters hatten sich selbstverständlich vor ihrer Reise intensiv mit den einzelnen Ländern und der Bevölkerung befasst. Bezüglich des Iran waren die Informationen einhellig: Es gibt kaum ein hilfsbereiteres, gastfreundlicheren Volk. Ein Umstand, der sich schon kurz nach dem Eintritt in das Staatsgebiet bewahrheiten sollte, als ein Besuch im Kopierladen dazu führte, dass der Besitzer seinen Laden schloss um den Durchreisenden die Stadt zu zeigen und behilflich war, eine ganze Reihe vieler Kleinigkeiten zu beschaffen und zu regeln. „Wir werden auf jeden Fall wieder in den Iran kommen. Es war unvergleichlich.“ Vor allem wegen der Menschen.

Denn Heike und Markus Walter hatten nie vor, eine Urlaubsfahrt zu machen. „Urlaub ist für mich, wenn ich irgendwohin fahre und mich zur Erholung an den Strand lege.“ Darum ging es den beiden ausdrücklich nicht. Sie wollten Menschen und Länder kennen lernen, neue Erfahrungen sammeln. Schlicht: Leben.

„Wir haben uns oft vor Ort geschämt, wie bei uns über diese Menschen gesprochen wird.“ sagt Markus Walter und erzählt von der Wiedereinreise nach Deutschland und dem Besuch bei einer deutschen Zulassungsstelle, denen er sein dortiges Erscheinen mit der Reise erklären wollte. „Das Erste was gefragt wurde war, welche Waffen ich denn für diese Tour dabei gehabt hätte“. Wenige Kilometer weiter musste er auf einem Campingplatz bei Würzburg seinen Kühler reparieren, aus dem das Kühlwasser herausgeschossen kam. „Geholfen hat niemand. Die beiden Nachbarn haben nur ihre Campingliegen so gestellt, dass sie mir besser zusehen konnten.“ Welch ein Unterschied zu den gastfreundlichen und hilfsbereiten Menschen in Zentralasien.

Doch zurück zur Seidenstraße. Nach dem beeindruckenden Iran, der auch in Sachen Klima völlig neue Erfahrungen mit sich brachte – „in der Wüste Lut war es so heiß, dass wir uns mit dem Wasser im Auto nicht die Finger waschen konnten, ohne uns zu verbrühen“  – stand die Durchquerung des wohl besser als Absurdistan zu bezeichnenden Staates Turkmenistan an.

Das Land besteht im wesentlichen aus ein paar kleinen Orten und der Hauptstadt Aschgabat. Diese hat es aber in sich: „Wenn man von oben aus dem Gebirge auf die Stadt zufährt, denkt man, das wäre Disneyland.“ Überall glänzt der weiße Marmor und mitten in der Wüste hat man eine Unzahl von Springbrunnen installiert. „Wir trafen dort nur Polizisten und Reinigungspersonal, die den ganzen Tag die Straßen wienerten.“ Normale Menschen? Ganz selten. Die wenigen, die Heike und Markus Walter trafen wirkten verschlossen. So als hätten sie Angst mit den beiden gesehen zu werden. Der Willkürstaat – gegenwärtig regiert übrigens der Zahnarzt des vorherigen Herrschers – sorgt mit merkwürdigen Bestimmungen für Unsicherheit bei den Durchreisenden. So dürfen die Fahrzeuge nicht verschmutzt sein – in einem Wüstenstaat. Und alle paar Kilometer gibt es Polizeikontrollen. „Wir waren froh, als wir dort raus waren.“ bekennt Markus Walter.

In Usbekistan stand selbstverständlich die märchenhafte Stadt Samarkand auf dem Plan. Es war letzte „kulturelle Höhepunkt“ bevor es dann Richtung Tadschikistan und Kirgistan, dem Hochgebirge und dem puren Naturerlebnis ging. Enge, gefährliche Straßen und Brücken, atemberaubende Ausblicke, Wasserdurchfahrten und immer wieder Begegnungen mit den trotz ihrer Armut gastfreundlichen Menschen kennzeichnete die Strecke bis zum gedachten Endpunkt ihrer Reise.

Ursprünglich hatten die Bildstocker geplant, ihr Fahrzeug in der Mongolei über Winter unterzustellen und nach Hause zu fliegen, um die kalte Jahreszeit bei der Familie zu verbringen. Sie hatten sich extra für das sogenannte Carnetverfahren angemeldet und dachten, so die Möglichkeit zu besitzen, den LKW ein halbes Jahr im Land zu belassen. Doch verschiedene Überlegungen führten dazu, sich anders zu entscheiden und über Russland wieder zurückzukehren.

Das erste Problem bestand darin, dass der Grenzer von dem Carnetverfahren keine Ahnung hatte. Das war schon einmal ganz schlecht. Das hätte man durch allerhand Lauferei in der Hauptstadt Ulan Bator womöglich reparieren können. Doch aus den vielen Gesprächen mit anderen Globetrottern und Einheimischen hörten die Saarländer heraus, dass die Zeit, zu der sie im kommenden Jahr wieder starten wollten, alles andere als ideal wäre, das eindrucksvolle Land mit seinen unendlichen Weiten zu bereisen. Denn während der Schneeschmelze im Frühjahr sind Fahrten durch das verschlammte Gelände alles andere als angenehm. Somit war klar: Den restlichen Teil dieses schönen Landes werden die beiden bei einer weiteren Reise erkunden. „Seid ihr froh wieder zu Hause zu sein?“ Markus Walter schüttelt den Kopf. „Wir sind lieber unterwegs als daheim.“ Das versteht nicht jeder. Aber die Faszination ist greifbar, wenn man seine Reiseschilderungen auf www.ufftour.de liest und die wundervollen Fotos dazu sieht. Die Schönsten hat Markus Walter zu einem Kalender zusammengefügt, den man gegen einen kleinen Obulus bei ihm erwerben kann. Auch ein Vortrag unter dem Titel „Erlebnis Seidenstraße – vom Bosporus zum Hindukusch“ ist in Arbeit. Und die nächste Reise kommt bestimmt. Gegenwärtig wird schon an einem neuen Fahrzeug gearbeitet, das mit dem schweren Kofferaufbau besser zurechtkommt. Es sieht also ganz danach aus, als würden wir bald wieder viele interessante Stories von Heike und Markus Walter aus allen möglichen Ecken und Enden dieser Welt lesen können.

Weitere Informationen: www.ufftour.de

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