Umweltminister Jost startet vorgezogene Artenschutzmaßnahme

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Freuen sich über den Start der Maßnahme, mit Bagger und Spaten: Reinhold Jost, Minister für Umwelt und Verbraucherschutz des Saarlandes (im Bagger); mit Spaten (von rechts nach links): Uli Heintz, Landesvorsitzender NABU Saarland, Nicole Büsing, Geschäftsführerin Landschaftsagentur Plus, Dr. Axel Schäfer, RAG Aktiengesellschaf, Rudolf Krumm, Prokurist RAG Montan Immobilien, Jörg Aumann, Bürgermeister der Kreisstadt Neunkirchen, Rolf Altpeter Ortsvorsteher Wiebelskirchen und Martin Strauß, Geschäftsführer Landschaftsagentur Plus. Foto: Becker&Bredel, zur Verfügung gestellt von RAG Montan Immobilien.

Ersatzquartier für Heidelerche, Mauereidechse und Gelbbauchunke 

Mit einem offiziellen Spatenstich hat Reinhold Jost, Minister für Umwelt und Verbraucherschutz des Saarlandes, heute (24. Januar) eine vorgezogene Artenschutzmaßnahme in Neunkirchen-Wiebelskirchen gestartet. Diese wird durch die Landschaftsagentur Plus GmbH als Generalübernehmer umgesetzt. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit den artenschutzrechtlichen Erfordernissen für die in Kürze beginnende Sanierung der Bergehalde Maybach in Friedrichsthal durch die RAG Montan Immobilien GmbH.

„Bei den baulichen Aktivitäten auf der Bergehalde Maybach ist von einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren auszugehen“, berichtet Rudolf Krumm, Prokurist der RAG Montan Immobilien. In diesem Zeitraum ist mit  erheblichen Störungen und Veränderungen vor allem für die ansässige Vogelwelt zu rechnen. “Im Speziellen betrifft dies die vorkommenden Bodenbrüter wie Heidelerche, Feldlerche und Feldschwirl. Für diese müssen wir nun Ersatzhabitate schaffen.“

Die Arten bevorzugen eine halboffene, strukturierte Landschaft in sonniger Lage mit teilweise Sing- und Beobachtungswarten. Waldrandnähe und lückige Vegetation, dazu trockensandige und vegetationsfreie Offenflächen sind weitere Voraussetzungen.  Ein geeignetes Ausweichquartier wurde auf dem Gelände der ehemaligen Grube Kohlwald in Neunkirchen-

Wiebelskirchen gefunden. „Die Gestaltung der Flächen im Umfeld des Absinkweihers Kohlwald sowie des ehemaligen Grubenbahnhofs Kohlwald werden an die Ansprüche der Heidelerche, der anspruchsvollsten Art, gekoppelt“, informiert  Martin Strauß, Geschäftsführer der Landschaftsagentur Plus. „Dabei werden wir die Biotopstrukturen mit einer Größe von rund drei Hektar im Bereich des Absinkweihers und rund zwei Hektar im Bereich des ehemaligen Grubenbahnhofs als geeigneten Lebensraum gestalten und sichern.“

Die erforderlichen Arbeiten stehen vollständig im Einklang mit Maßnahmen

und Zielvorgaben des Pflege- und Entwicklungsplans der LIK.Nord und wirken sich aus artenschutzrechtlicher Sicht auch auf weitere besonders schützenswerte, hier verbreitete Arten, wie Gelbbauchunke, Wechselkröte und Mauereidechse aus. Für diese werden in Kooperation mit dem NABU am Fuße des Kohlwaldkegels zusätzlich Tümpel angelegt. „Die Tümpel

werden mit einer Tiefwasserzone bis zu einem Meter fünfzig und einer Flachwasserzone bis zu siebzig Zentimeter ausgehoben, so dass die Versickerung auch bei länger anhaltender trockener Witterung auf ein geringes Maß reduziert werden kann“, erläutert Uli Heintz, Vorsitzender des NABU Saarland. „Damit kann der Erfolg einer Reproduktion der Arten erhöht werden.“ In der Nachbarschaft der Tümpel werden zudem neue Versteckmöglichkeiten durch die Aufschichtung von Steinhaufen sowie das Verlegen von Bandgummi geschaffen, was den Lebensraum der Reptilien weiter verbessert.

„Ohne Hilfe des Menschen sind viele Tier- und Pflanzenarten gefährdet und vom Aussterben bedroht. Die Gelbbauchunke gehört dabei zu den international bedrohten Tierarten“, erklärt Reinhold Jost, Minister für Umwelt

und Verbraucherschutz des Saarlandes. „Ich freue mich, mit der RAG Montan Immobilien und der Landschaftsagentur Plus im Saarland zwei starke Partner zu haben, die mit ihrem Expertenwissen mit dazu beitragen, Folgenutzungen von Bergbauflächen und die damit verbundenen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in sinnvoller Weise umzusetzen.“ Mit den jetzt gestarteten Arbeiten wird dem Naturschutz Rechnung getragen und der Naherholungswert dieser Bergbaufolgelandschaft deutlich erhöht, erklärt der Minister.

Mit den Maßnahmen verbunden sind umfangreiche Rodungsarbeiten in Kohlwald, mit denen in den nächsten Tagen begonnen wird. Dabei werden nicht standortgerechte Gehölze entfernt. Parallel müssen im Bereich der Bergehalde Maybach vorhandene Brutreviere unwirtlich gestaltet werden, damit sich keine Arten im Baufeld mehr brütend einfinden werden.

Die Bergehalde Kohlwald wurde nach der Stilllegung der Grube Kohlwald vollständig rekultiviert und zeigt heute einen artenreichen Haldenwald. Die Halde ist Bestandteil des Neunkircher Grubenwegs und steht dem NABU Saarland seit 1985 zur Erforschung des Naturhaushaltes zur Verfügung. Um die Artenvielfalt gerade im Zeitraum April bis Juli nicht zu gefährden, wurden die Zuwegungen zur Halde Kohlwald für Fahrzeuge, vor allem Quads, bereits im Jahr 2015 durch die Landschaftsagentur Plus mit Baumstämmen blockiert.

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