Universität Freiburg: FDP überraschender Gewinner der Elefantenrunde

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Oliver Luksic und die FDP sind im Aufwind Foto: Claus Kuhn

Wissenschaftler werten die Ergebnisse der TV-Debatte zur Landtagswahl im Saarland aus
FDP überraschender Gewinner der Elefantenrunde
Plus und Minus: Knapp 60 Zuschauer haben Saarlands Spitzenkandidaten bei dem TV-Duell live bewertet. Quelle: Debat-O-Meter/Universität Freiburg

FDP-Spitzenkandidat Oliver Luksic triumphiert, Saarlands politisches Urgestein Oskar Lafontaine von der Linken belegt den zweiten Platz, die CDU-Landesmutter Annegret Kramp-Karrenbauer rutscht unerwartet auf den fünften Rang, und AfD-Frontmann Rudolf Müller bildet das Schlusslicht: So lautet das Resümee eines Teams von Freiburger Wissenschaftlern, das die TV-Debatte der sechs Spitzenkandidatinnen und -kandidaten für die anstehende saarländische Landtagswahl vergangenen Donnerstag in Echtzeit analysiert hat. Die Auswertung erfolgte über das „Debat-O-Meter“ – eine eigens entwickelte App für Smartphones, Tablets und Computer. Knapp 60 Zuschauerinnen und Zuschauer stimmten während des TV-Duells live darüber ab, welche Argumente sie überzeugten und welche Aussagen abschreckend auf sie wirkten. Die Gruppe um den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Uwe Wagschal und den Informatiker Prof. Dr. Bernd Becker analysiert regelmäßig Debatten von deutschen und ausländischen Politikerinnen und Politikern.

Bei der Elefantenrunde waren die wichtigsten Themen für die Zuschauer Bildung (37 Prozent der Befragten), Wirtschaft und Arbeit (24,1 Prozent) sowie soziale Gerechtigkeit (20,4 Prozent). Vergleichsweise schlecht schlug sich in der Debatte Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer. Lag sie in der Vorumfrage noch als gewünschte Landesmutter vorne, verlor sie in der Nachbefragung deutlich. Das lag womöglich auch an der Aussage, dass sie die Elektromobilität nicht habe aufhalten können. Zudem sprach sie von „einer Hexenjagd auf Diesel“. Eigentlicher Verlierer war aber AfD-Kandidat Müller, der viele Themen mit der Flüchtlingsthematik zu verbinden suchte. Dabei erntete er den Widerspruch von der Ministerpräsidentin sowie von SPD-Frontfrau Anke Rehlinger.

Gewinner der Debatte war nach Meinung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer Luksic von der FDP. Während alle anderen Kandidaten sich für mehr Ausgaben aussprachen, setzte Luksic auf Markt und Eigenverantwortung. Dieser Kurs kam nicht nur bei Anhängerinnen und Anhängern der FDP an: Auch Wählerinnen und Wähler der CDU gaben ihm während der Diskussion gute Noten. Oskar Lafontaine, Saarlands politisches Urgestein, konnte das Publikum ebenfalls überzeugen. Neben einem Plädoyer für soziale Gerechtigkeit sprach er sich gegen neue Windkraftanalagen aus. Diese wiederum wurden vom Grünen Herbert Ulrich verteidigt, der insgesamt nur unterdurchschnittlich in der Gunst der Befragten abschnitt. SPD-Herausforderin Rehlinger punktete vor allem mit Aussagen zur Bildungspolitik, wo sie deutliche Mehrausgaben versprach. Ebenfalls kamen ihre Aussagen im Themenfeld Wirtschaft und Arbeit gut an: „Stahl hat eine Zukunft im Saarland“, so eine ihrer Kernaussagen.

Mit dem Debat-O-Meter können alle Bewertungen der Zuschauer zusammengefasst werden. Klammert man die jeweils eigenen Parteianhänger aus, lautete das Ergebnis: (1) Luksic (FDP), (2) Lafontaine (Linke), (3) Rehlinger (SPD), (4) Ulrich (Grüne), (5) Kramp-Karrenbauer (CDU) sowie (6) Müller (AfD). Betrachtet man alle Stimmen, inklusive der eigenen Anhänger, liegt wieder Luksic vorne, vor Rehlinger und Kramp-Karrenbauer.

2 KOMMENTARE

  1. Man kann bezweifeln, ob diese „Debat-O-Meter“ Auswertung der Universität Freiburg repräsentativ für die Wähler an der Saar ist. Trotzdem ist es erfreulich, dass eine in unserem Bundesland schon totgesagte Partei sich so langsam wieder erholt, denn sie fehlt in der Parteienlandschaft des Saarlandes, deren Nachkriegsgeschichte, sie über Jahrzehnte hinweg mitgestaltet hat. Ihr programmatischer Einsatz für Freiheit, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung gewinnt gerade heute, auch unter dem Eindruck der Ereignisse in der Türkei zunehmend an Bedeutung. Aber genau so wertvoll ist die ständig von der FDP eingeforderte wirtschaftliche Vernunft. Man kann kein Geld ausgeben, das man zuvor nicht eingenommen hat. Verteilungsgerechtigkeit muss im Einklang mit Leistungsgerechtigkeit stehen.
    Trotzdem muss die FDP sich programmatisch weiterentwickeln, um attraktiv für ein größeres Wählersegment zu werden. Hierbei könnten die Themen:
    Ersatz der Lohnsteuer durch eine Wertschöpfungssteuer, die sowieso durch den zunehmenden Robotereinsatz der Digitalisierung in der Industrie notwendig wird und auch der Ersatz von Hartz 4 durch ein bedingungsloses Grundeinkommen, das nicht den Anreiz für Leistung wegnimmt, dafür aber Verwaltungskosten spart und bei dem die Zerstörung des Selbstwertgefühles der betroffenen Bürger durch die Hartz 4 Handhabung entfällt.

  2. Eine „Wertschöpfungssteuer“, d.h. die Besteuerung erzeugter Güter, ungeachtet dessen, ob sie von Menschenhand oder von Robotern gefertigt werden, haben wir ja schon: Die Mehrwertsteuer. Der einzige Unterschied ist, dass diese beim Verkauf an den Endverbraucher abgeführt wird, während die Wertschöpfungssteuer bereits zuvor entrichtet würde, sich aber dann natürlich im Preis der erzeugten Produkte niederschlägt – für den Endverbraucher läuft das auf das Gleiche hinaus. In der Tat muss darüber nachgedacht werden, wie wir der Digitalisierung begegnen, wenn, wie bereits prophezeit, 40-50% der Arbeitsplätze wegfallen, weil es die Arbeiten nicht mehr gibt bzw. diese durch digitale Funktionen ersetzt werden. Ob es das bedingungslose Grundeinkommen ist, werden wir sehen – aber Parolen wie „Gemeinsam weiter voran“ helfen da nicht – dann doch eher #DasNeueSaarland.

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