Die starken Frauen des 1. FC Saarbrücken – Teil 2: Tanja Vernay

    Tanja Vernay vor der Sponsorentafel im Sportheim. Foto: Klaus Rennaw

    Die Geschichte von Tanja ist eigentlich die eines Fans, denn sie stammt aus einer Saarbrücker Fußballerfamilie. Opa Franz Roth war ein bekannter SPD Politiker und – noch wichtiger – Präsident bei den Sportfreunden. Sein Sohn erbte das blau-schwarze Gen und dank seines Jobs bei den Stadtwerken verfügte er über eine Dauerkarte für den Ludwigspark. „Mein Vater hat mich mit 13 Jahren zum ersten Mal mit zum FC genommen. Dort habe ich dann Christiaan Pförtner gesehen…“ und es war um sie geschehen: Hausaufgaben mittags in der Kneipe und danach ging es ins Sportfeld um das Training anzuschauen. Jedes Training. „Ich war fanatisch.“ stellt Tanja Vernay schmunzelnd heute fest.

    Der Umgang mit den Stars – die Blau-schwarzen spielten damals noch im Spitzenfeld der zweiten Liga – war damals viel familiärer als heute. Frank Kirchhoff, der 1989 aus Uerdingen zum FCS gewechselt war, fuhr sie schon mal nach dem Training nach Hause. Und natürlich nahm Tanja mit ihrer Clique jede noch so weit entfernte Auswärtsfahrt auf sich. Sie lacht, als sie von einer Winterreise zu einem Freundschaftsspiel in Aue erzählt. Dort ist ihnen bei klirrender Kälte das Auto liegen geblieben und so „mussten“ sie die Heimreise mit dem Mannschaftsbus antreten. Verrückte Zeiten waren das, als die Fans ein ganzes Hotel in Bitburg mieteten, um das Trainingslager der Mannschaft begleiten zu können. So ergaben sich aber fast automatisch freundschaftliche Kontakte zu Spie-lern wie Juan Carlos Corvalan oder Branko „Kiste“ Zibert, der schon mal bei ihr zuhause am Esszimmertisch saß und genüsslich Sauerkraut und Würstchen verdrückte.

    Nach der Schule begann Tanja Vernay eine Lehre als Rechtsanwaltsfachgehilfin in
    der Kanzlei Holtschmitt in Saarbrücken, was sie nicht davon abhielt weiterhin mit den Blue Angels aus Wallerfangen zu den FC-Spielen zu reisen.
    Zu der Zeit wurde sie von Gaby und Peter Kurz gefragt, ob sie im Sportheim aushelfen könnte. Die Inhaber wechselten, zuletzt war es „Tom“, Jürgen Thomé gewesen, eine schillernde Figur aus Quierschied, und irgendwann kam der Verein auf sie zu und fragte, ob nicht sie den Laden schmeißen wolle. „Das war so etwa vor acht, neun Jahren.“ Hans-Peter Jene, der vor ihr am Tresen des Sportheims sitzt, nickt.

    Ihr Aufgabenfeld ist breit gefächert. Tanja und ihr Team, zu dem auch ihre Mutter gehört, die nach dem Tod des Vaters zu Tanja und Familie nach Wallerfangen gezogen ist, bewirten die Gäste während den Jugend- und Freundschaftsspielen des 1. FC Saarbrücken. Sie kocht, wenn Gastmannschaften auf der Durchreise sind, wie beispielsweise Wacker Nordhausen im vergangenen Winter und führt eigentlich einen ganz normalen Kneipenbetrieb. Hinzu kommt die Nachmittagsbetreuung für die Kinder, die nach der Schule direkt zum FCS gehen, weil der Nach-Hause-Weg zu lang oder der Transport zu umständlich ist. Sie erhalten im Sportheim ein warmes Essen und eine Hausaufgabenbetreuung durch einen Lehrer.

    Auf diese Art und Weise sind viele Kinder unter ihren Augen groß geworden, wie die Fellhauer-Sprößlinge oder Marius Schley, der momentan bei Schalke II spielt. Auch Manuel Zeitz hat früher schon in der Küche des Sportheims gesessen und ihr seine neuen Fußballschuhe gezeigt. Zu Trainern und Spielern hatte sie immer guten und auch vertraulichen Kontakt. Falko Götz bat sie beispielsweise regelmäßig, sich mit dem Trainer- und Betreuerteam an den Tisch zu setzen und gemeinsam Mittag zu essen.
    Ihre Tätigkeit im Sportheim hat natürlich dazu geführt, dass sie kaum noch Fuß-ballspiele ihres geliebten FCS sehen kann. Früher, als noch im Ludwigs-park gespielt wurde, konnte sie ab und zu ein paar Minuten erhaschen. Seitdem die Blauschwarzen ihre Heimspiele in
    Völklingen austragen, muss sie komplett verzichten. „Das tut manchmal schon weh.“ gibt sie zu. Und dennoch: Wenn es wirklich gilt, ist Tanja am Start. Als das „Endspiel“ um den Aufstieg in die dritte Liga in Würzburg anstand, war sie mit von der Partie. Sie wusste um die gesundheitlichen Pro-bleme, die beispielsweise Dennis Wegner plagten. Es war ein großes Drama: „Ich habe Rotz und Wasser geheult.“

    Tanjas Familie wurde voll in den Job integriert. Ihr Mann ist zwar kein Fan einer bestimmten Mannschaft, aber er spielt AH und besucht mit Frau und Kindern schon gerne einmal ein Bayern-Spiel, wie zuletzt gegen Schalke. „Die Kinder sind Bayern-Fans.“ Klingt fast wie eine Entschuldigung…. .
    Hannah und Lena, so heißen die beiden Teenager, waren schon früh in Mamas Aktivi-
    täten eingebunden. „Manuel Rasp hat Hannah einmal mit in den Umkleideraum genommen und sie kam mit allen Unterschriften auf dem T-Shirt zurück.“ Das Kind war glücklich, die Mama auch. Und wenn es mit der Schule mal nicht so läuft, hilft des-
    halb leider nicht mehr die Drohung „Wenn Du nicht lernst, dann musst Du wie Mama im Sportheim arbeiten.“ Denn dann lautet die Erwiderung: „Mama, das ist doch super!“

    Die Fotos dieses Artikels wurden uns dankenswerterweise von Tanja Vernay und Klaus Rennaw zur Verfügung gestellt.

    Teil 1 unsere Serie finden Sie hier:

    Die starken Frauen beim 1. FC Saarbrücken – Teil 1: Renate Stein