Start Kultur Wie ein Phoenix aus der Asche – Fünf Jahre Erlebnisbergwerk Velsen

Wie ein Phoenix aus der Asche – Fünf Jahre Erlebnisbergwerk Velsen

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Foto: Erlebnisbergwerk Velsen e.V.

Es war das Schicksalsjahr des saarländischen Steinkohlebergbaus. Am 30. Juni 2012 endete der saarländische Kohleabbau. Nach über 250 Jahren staatlichen Bergbaus seit der Zeit  von Fürst Wilhelm Heinrich  zu Nassau-Saarbrücken – und vielen Jahrhunderten ungeordneten Kohleabbaus in der Zeit davor –  war das eine Zäsur für Bergleute und Bergbaubetroffene gleichermaßen. Aber es war auch das Jahr, in dem der Verein Erlebnisbergwerk Velsen e.V. zum ersten Mal Besuchergruppen durch das neue Erlebnisbergwerk – den ehemaligen Lehrstollen Velsen – führen durfte. Ein zähes Ringen um den Erhalt dieser einzigartigen Anlage wurde mit dem Inkrafttreten des Mietvertrages zum April 2012 von Erfolg gekrönt.

Fünf Jahre ist das nun her und es wird Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Die Geschichte des EBV ist ganz klar eine Erfolgsgeschichte. Zum Stand Juli 2017 zählt der Verein 329 Mitglieder, darunter viele ehemalige Bergleute aus dem Saarland und aus Lothringen. Der europäische Gedanke wird hier nicht nur beschworen sondern gelebt. Die Grenznähe von Velsen – tatsächlich liegt das Bergwerk etwa 300 m von der französischen Grenze entfernt – führt dazu, dass hier auch viele lothringische Bergleute, die ja bereits einige Jahre früher ihre letzte Schicht hatten, eine neue Heimat finden. Im Gespräch der Vereinsmitglieder untereinander wechselt die Sprache manchmal in einem Satz mehrfach zwischen Deutsch und Französisch. Über 40.000 Besucher haben seit der Vereinsgründung das Bergwerk besucht, davon fast 15.000 Kinder und Jugendliche. Alleine im Jahr 2017 waren es bisher bereits 4500 Besucher und der Verein ist auf dem besten Weg, in diesem Jahr die 10.000er Besuchermarke zu knacken. Die Mehrsprachigkeit der Begleiter des EBV ist da natürlich sehr hilfreich, es werden Führungen auf Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch angeboten. Vier neue Begleiter aus den Reihen der Mitglieder helfen seit diesem Jahr, die steigende Nachfrage nach Führungen zu erfüllen.

Die Begleiter versehen ihre Aufgabe ehrenamtlich und vor allem mit viel Herzblut und das wird von den Besuchern auch so wahrgenommen. Jedes zufriedene Gesicht nach einer Führung ist den Mitarbeitern des EBV Bestätigung, dass ihre Aufgabe wertgeschätzt wird. Das Erlebnisbergwerk ist aber auch ein einzigartiger Ort: Nirgendwo sonst in Europa findet man ein Besucherbergwerk, in dem der komplette Maschinenpark funktioniert und auch vorgeführt wird. Von der Fahrt im original Untertagezug mit Akkulok über Schachtseilfahrt, Kulibahn, Schrämmaschine bis hin zum Höhepunkt in den Augen vieler Besucher (vor allem der jüngeren), der Bandseilfahrt auf einem für Personenseilfahrt zugelassenen Förderband.

Der EBV e.V. bietet neben den Bergwerksführungen (gebuchte Gruppenführungen und offene Führungen) auch Sonderveranstaltungen, z.B. zu Hexennacht, Warndt-Weekend oder Halloween. Selbstverständlich wird auch das bergmännische Brauchtum gepflegt: Einmal im Jahr wird ein bergmännischer Flohmarkt veranstaltet, das EBV nimmt am jährlichen Tag des Bergmanns teil und beendet das Jahr mit einer feierlichen Barbarafeier, deren Schirmherrin in diesem Jahr die Völklinger Landtagsabgeordnete Christiane Blatt sein wird und auf der der Verein im vergangenen Jahr den Kultusminister Ulrich Commerçon begrüßen durfte.

In den letzten Jahren hat sich das EBV auch als Veranstaltungsort einen Namen gemacht. So werden hier häufig Kindergeburtstage gefeiert, z.B. mit Führung und anschließender Nutzung der überdachten Grillhütte. Die Knubbebud wird immer beliebter: Eine untertägige Strecke, ein Eventraum für ca. 70 Personen, beheizbar und mit moderner Licht-, Sound- und Präsentationstechnik ausgerüstet. Hier wurde bereits manches Jawort bekräftigt und etliche Geburtstage gefeiert.  Knubbe ist der Begriff für Überstunde im Steinkohlenbergbau. Den dafür vom Steiger ausgestellten Knubbeschein konnte man  in der Kaffeekisch gegen eine Bergmannsportion einlösen.

Besondere Gäste waren in diesem Jahr der amtierende und der ehemalige Berghauptmann vom Oberbergamt Saarbrücken, Herr Maurer und Herr Dr. Ecker. Viele Firmen richten ihre Betriebsfeier im EBV aus, so fand auch das Betriebsfest der RAG BT/Saar in diesem Jahr auf dem Gelände des Erlebnisbergwerks statt. Kinder und Jugendgruppen aus dem ganzen Saarland aber auch aus Frankreich, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Luxemburg und der Schweiz besuchen das EBV.

Umso mehr hofft der Verein, dass die Hängepartie in der Politik ein Ende nimmt und er endlich das Bergwerk als Eigentümer übernehmen kann, bislang hängt das nur noch an einer zu übernehmenden Bürgschaft für ein Zinsrisiko. Bei dem Geld, das die RAG Stiftung dem Saarland jedes Jahr für Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur zukommen lässt und von den 10 Millionen Euro, die die RAG seit 2010 bis 2019 jedes Jahr dem Saarland für den Strukturwandel, der vom Bergbau betroffenen Regionen überweist, sollte das eigentlich zu stemmen sein. Denn nur wenn der Verein Eigentümer des Bergwerks ist, kann er eigene Förderanträge, z.B. bei der EU im Rahmen des LEADER-Programmes stellen.

In jedem Falle dankt der EBV e.V. ganz herzlich allen Mitgliedern, Besuchern und Sponsoren und der RAG, die es ermöglicht haben, das letzte Bergwerk des saarländischen Steinkohlebergbaus der Nachwelt zu erhalten und das wird hoffentlich noch lange so bleiben.

In diesem Sinne: Glück Auf!

 

Erlebnisbergwerk Velsen, Alte Grube Velsen 7, 66127 Saarbrücken
Internet: www.erlebnisbergwerkvelsen.de

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