Start Regionalverband Saarbrücken Sulzbach/Saar Moschee-Marathon im Sulzbacher Stadtrat

Moschee-Marathon im Sulzbacher Stadtrat

4058
7
TEILEN

Wenig Neues, aber immerhin eine lebhafte Diskussion, erbrachte die für gestern groß angekündigte Stadtratssitzung in der Sulzbacher AULA zum Thema Gebetshaus. Alte Argumente, einige Unterstellungen, die an den Rand der persönlichen Beleidigung reichten, prägten die Veranstaltung, die ein gesundheitlich sichtlich angeschlagener Bürgermeister Adam sachlich leitete.

Begonnen wurde mit einem Vortrag von Dr. Helmut Albert, Chef des Landesamtes für Verfassungsschutz, der zunächst einmal die unterschiedlichen Begrifflichkeiten zum Thema Islam und Salafismus sortierte und klarstellte: Muslime sind in unserem Land Bestandteil in allen Gesellschaftsschichten. Sie dienen in der Bundeswehr, verteilen Strafzettel und sammeln im Verfassungsschutz Informationen – beispielsweise über radikalisierte Islamisten. Wirklich „gefährliche“ Glaubensfanatiker gibt es nach Erkenntnis des Verfassungsschützers im Saarland nicht.

Die Aula in der Sulzbacher Gärtnerstraße war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Den Sulzbacher „Salafisten“ stellte er ein ausgezeichnetes Zeugnis aus: Sie seien offen und kooperativ und stünden klar zum deutschen Grundgesetz. Eine Aussage, die im völligen Gegensatz zu früheren Äußerungen des Sulzbacher Bürgermeisters steht. Dieser hatte der MGS (Muslimische Gemeinschaft Saar) in einem SR-Beitrag vom 9. Juni 2017 „Abschottung“ und eine „rückwärtsgewandte Ausrichtung“ vorgeworfen, was braune und rechtsgerichtete Gruppierungen zu Mahnwachen bzw. „Spaziergängen“ durch die Sulzbacher Innenstadt animiert hatte.

Die Aussagen von Dr. Albert waren indes weder überraschend, noch neu. Bereits in einem Vortrag im Januar 2016 hatte er die Kernerkenntnisse seines Amtes in Bezug auf die Sulzbacher Salafisten in der Öffentlichkeit präsentiert. Darüber hinaus ließ er erkennen, dass er bzw. das Landesamt für Verfassungsschutz in ständigem Kontakt mit Burhan Yagci und seinen Sulzbacher Glaubensbrüder stehe. Überraschend dann aber die Aussage, dass das Geld für den Kauf der Moschee von einem äußerst gut beleumundeten Bruderschaft aus Kuwait stamme. „Die Bundesnachrichtendienste (…) haben nichts Negatives zu dieser Gruppierung beigetragen. Ich kann aus eigener Beobachtung nur Positives beitragen. Sheikh Utebi, der den Scheck auch unterschrieben hat, war im vergangenen Jahr hier und er hat eine Predigt gegen den Terrorismus gehalten, gegen den Islamischen Staat, die ich mir von manchem Imam in Deutschland wünschen würde.“

In dem bereits zitierten SR-Bericht vom 9. Juni hatte das ganz anders geklungen: „Beim Kauf des Gebäudes half eine Organisation aus Kuwait, die weltweit salafistische Gruppierungen unterstützt. Zwei ihrer Zweigstellen werden von der USA der Terrorunterstützung verdächtigt.“ 

Burhan Yagci, der Vorsitzende des MGS, erörterte in seiner Rede das menschliche Miteinander, betonte, dass Mitglieder seiner Gemeinde in vielfältiger Weise in Sulzbach engagiert seien. Wichtig sei, dass man miteinander rede, um Missverständnisse auszuräumen, denn nur wenige würden den Islam wirklich kennen. Das treffe auch auf Muslime zu. Und wenn man etwas nicht verstehe, dann könne man ruhig fragen.

Burhan Yagci, Vorsitzender der Muslimischen Gemeinde Saar, (MGS) hatte sich u.a. auch persönlicher Angriffe zu erwehren.

In zwei Fragerunden durften Bürger sich an die beiden Referenten des Abends wenden. Ein Bürger aus Schnappach merkte an, dass man sich kulturell auseinander entwickelt habe. „Wir müssen wirklich zusammenkommen. Sie (die Muslime) müssen in den Parteien mitarbeiten und man muss Ihnen diesen Platz auch anbieten. Ihr habt ein Recht, aber auch eine Pflicht, Euch einzubringen. Beispielsweise in der Feuerwehr.“ und er wollte wissen, in welcher Art und Weise die Gemeinde diese Integration vorantreiben möchte.

Sigrid Weber erzählte eine Begebenheit aus Ihrer Nachbarschaft in der Siedlung „Goldene Au“. Sie zitierte u.a.a auch Richard Beermann, den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde im Saarland. Es gab Stimmen, die diese Äußerungen nicht für glaubhaft hielten.

Leider nutzten die meisten die Fragemöglichkeit, um vielfach gehörte Vorurteile loszuwerden.

Marlies Krämer, Ehrenvorsitzende der LINKEn in Sulzbach, hat offensichtlich ein Problem: Mit den Muslimen, denen sie Frauenfeindlichkeit vorwirft, und ihrer eigenen Partei, die sich in einem vor der Sitzung verteilten Flugblatt gegen „symbolische Versuche“ wendet, „die muslimische Gemeinschaft in Deutschland zu stigmatisieren, wie etwa durch ein Burkaverbot“.

Fazit: Die beiden Referenten hinterließen einen ausgezeichneten Eindruck. Die Hardliner werden sie dennoch nicht erreicht haben. Zu festgefahren erscheinen die Auffassungen. Ob man wirklich einen Schritt weiter gekommen ist, wird man sehen. Die Einführung einer „City-Wache“ im ehemaligen Hotel Kirner Eck könnte die Muslimische Gemeinde auch als Misstrauensvotum begreifen. Vertrauensvolles Miteinander polizeilich überwacht.

Die vollständige Aufzeichnung der Veranstaltung mit Dr. Helmut Albert und Burhan Yagci können Sie hier sehen:

Lesen Sie auch:

Sulzbach: Geschäftsinhaber erheben massive Vorwürfe gegen Stadtverwaltung wegen Baustelle

7 KOMMENTARE

  1. Auch ich gehöre zu den großen Skeptikern betr. geplante Moschee in Sulzbach !
    Fakt ist doch wohl, dass eine Moschee mittig im Ort das gesamte Ortsbild verändert !
    Meine Bedenken hinsichtlich einer (neuen) Parallelwelt bzw. „no go ares“ wie in vielen anderen Städten und Gemeinden (z. B. siehe NRW) sind sehr sehr groß !
    Eines ist sicher: mein persönliches Misstrauen gegenüber dieser/einer Salafistischen Gemeinde wird tagtäglich größer !

  2. Der Bürgermeister leitete eine sachliche Diskussionen,während die bösen Rechten beleidigende Kommentare loswurden?Er war genauso voreingenommen und parteiisch wie diese systemgesteuerte Berichterstattung.Sorgen und Ängste der Bürger wurden von allen Seiten einfach weggelächelt.Und das ist wörtlich zu verstehen.
    Fakt ist der Verfassungsschutz beobachtet die Moschee in der Sulzbachtalstraße seit Jahren.Dann soll ein Sicherheitspaket zusammengestellt werden.Also entweder ist das Ganze so harmlos,dass es keiner weiteren Maßnahmen bedarf oder es ist so gefährlich,dass man diese Gesellschaft weiter im Auge behalten muss.Wen wollen Sie hier veräppeln?
    Sie sagen,die muslimische Gemeinde sei offen für Dialoge?Eeinige andere und ich haben gestern auf der Internetseite der Glaubensgemeinschaft die Moschee kritisch hinterfragt.Ich persönlich habe Bedenken gegenüber der konservativ Gläubigen/Salafisten geäußert,da diese bekanntermaßen an den alten Werten des Islams festhalten und diese ganz klar zur Gewalt gegenüber Ungläubigen aufrufen.Desweiteren wollte ich wissen,WIE genau man sicherstellen wolle,dass Radikalen in dieser Moschee keine Plattform eingeräumt wird.Jeden Einzelnen nach Vita und Ausweis abprüfen?Daraufhin hat man alle Kommentare gelöscht und die Kritiker geblockt.Auch diejenigen,die sachliche Fragen gestellt oder nachvollziehbare Kritik geäußert hatten.Also unter „sie stellen sich Fragen der Bürger“ verstehe ich was anderes.Das macht solche Leute noch suspekter für mich.Da braucht man aber hinterher nicht jammern über das Misstrauen gegenüber diesen Menschen.

  3. Herr Adam ist gegenüber der Salafistischen Gemeinde nicht als Souverän sondern eher als Bittsteller aufgetreten. Mir scheint es, als versucht er berechtigten Protest und Kritik im Keim ersticken zu wollen, weil er sich vor einem Erstarken der AfD fürchtet. Das aber darf nicht das Credo einer Amtsführung sein. Vielmehr reichen Lippenbekenntnisse der Salafisten nicht aus. Es wurde sich in der Sitzung eben nicht seitens der Moscheebetreiber eindeutig zu den Frauenrechten, zur Religionsfreiheit für Juden und Konvertiten oder zur Sexuellen Selbstbestimmung für Homosexuelle trotz Frage bekannt. Man wolle das vielmehr so lange dulden, wie man einen Gebetsraum habe und 5 mal täglich beten dürfe. Auch der indirekte Vergleich zwischen Christen und NSU wurde vom Bürgernmeister erstaunlicherweise geduldet. Die Haltung der Salafisten ist für mich nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Daher bleiben diese für mich das, was sie sind: Faschisten unter dem Deckmantel einer zweifelhaften Religionsausübung.

  4. ich kann mich Frau Dietz nur anschließen,das Stadtbild wird sich sehr verändern ,die meisten Muslime bleiben unter sich ,wollen keine Kontakte zu „Ungläubigen“,ausserdem sind die Worte von Herrn yagci mit Vorsicht zu betrachten ,im Islam ist es erlaubt zu lügen ….

    • Guten Tag Frau Burkardt,
      das sehe ich auch so !
      Auch wenn diese Salafistengruppe auf unser Grundgesetz schwören würde, ist das das gleiche, als wenn ich als Atheisten auf den Koran „schwören“ würde !
      Im Übrigen verstoßen diese Salafisten bei dem geplanten Moescheebau auch gegen das Grundsetz betr. Gleichberecfhtigung ! Hier soll wohl ein Raum für die (hohen) Herren reserviert werden und die (minderwertigen) Frauen bekommen einen (minderwertigen) Gebetsraum zur Verfügung gestellt.

      Ich hoffe ehrlich für Sulzbach, dass dieses mehr als umstrittene Bauvorhaben nicht realisiert wird !
      Kleines Zitat zum Schluß: Die Geister die ich rief, werde ich nicht mehr los !

      MFG und schönen Tag.
      Ingrid Dietz

  5. Ich fand das Auftreten dieses Herrn Yagci alles andere als vertrauenerweckend. Was er zu bieten hatte, war die übliche Islamistenmasche, die Muslime als Opfer darzustellen, das schien ihm ja das wichtigste Anliegen zu sein – bezeichnend, dass er seinen Vortrag damit eröffnete. Aber ein klares Statement etwa für die Gleichberechtigung von Frauen und Homosexuellen kam ihm nicht über die Lippen! Ansonsten nur Lippenbekenntnisse zum Grundgesetz und zum Dialog, was er unter Dialog zu verstehen scheint, hat Daniela S. hier ja eindrücklich geschildert! Aber noch mal im Klartext: Es handelt sich hier um Salafisten, also um Islamisten. Auch der Herr vom Verfassungsschutz musste zugeben, dass es sich bei den Salafisten um Extremisten handelt, die beobachtet werden müssen. Mit Extremisten führt man in der Regel keinen Dialog – oder würde jemand einen NPD-Funktionär oder jemanden von der AFD, der sich ähnlich ausweichend und angriffslustig verhalten hätte wie dieser Herr Yagci, bescheinigen, dass er ein „exzellenter Referent“ sei, wie in diesem Artikel geschehen? Bemerkenswert war doch dieser ständige süffisante Hinweis von Herrn Yagci, er kenne seine Rechte. (Was ich ihm übrigens aufs Wort glaube.) Dass von allen Gruppierungen des Islam ausgerechnet eine Gemeinde, die die konservativste aller Richtungen des Islam vertritt, uns als Leuchtturm des Humanismus oder als Bollwerk gegen den IS verkauft wird, halte ich auch angesichts der Auslassungen des Herrn Yagci für höchst suspekt! Der Verfassungsschutz mag aktuell ja tatsächlich nichts gegen diese Gemeinde vorliegen haben, aber das heißt m. E. erst mal nix; wenn man clever genug ist, kann man wohl auch unseren Verfassungsschützern ein Schnippchen schlagen. Was die geplante Moschee betrifft, so sehe ich diese eher als Integrationshemmnis, zumal es sich ja um eine Art Islamzentrum zu handeln scheint mit Hausaufgabenbetreuung und Koranschule und Übernachtungsmöglichkeit – und das alles in der Hand einer islamistischen Gemeinde, na dann gute Nacht.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here