Start Regionalverband Saarbrücken Sulzbach/Saar Sulzbach: Geschäftsinhaber erheben massive Vorwürfe gegen Stadtverwaltung wegen Baustelle

Sulzbach: Geschäftsinhaber erheben massive Vorwürfe gegen Stadtverwaltung wegen Baustelle

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Der CAP-Markt in Sulzbach ist von der Baustellensituation massiv betroffen. Die Geschäftsführung kritisiert die Stadtverwaltung wegen der mangelhaften Informationspolitik.

Das Reisebüro H. Goetz existiert seit den 60er Jahren in der Hauptverkehrsstraße der Stadt Sulzbach. Nun haben die Inhaber beschlossen zu schließen. Margot Kempf-Färber ist erzürnt über die Stadtverwaltung und ihre Vertreter: „Die interessiert überhaupt nicht, wie es den Geschäftsleuten hier geht.“

Hintergrund ist die Dauerbaustelle in der Sulzbachtalstraße, die nun bald ein Jahr das Geschäftsleben in der Innenstadt behindert – oder besser gesagt: fast zum Erliegen bringt. Davon betroffen ist auch Sophie Kellenberger, deren Kiosk eine zentrale Anlaufstelle am Ravanusaplatz darstellt. „Der Umsatzrückgang beträgt mindestens 50 Prozent. Wir haben schon daran gedacht aufzuhören.“ Tür zu, Schotten dicht – so wie es die Bäckerei Adam zum Beginn des Monats bereits vorgemacht hat. Der Betrieb war nicht mehr zu halten. Auch bei Adam, der u.a. auch Verkaufsstellen in Saarbrücken und Fechingen besitzt, brachen die Umsätze massiv ein. Seit Anfang des Jahres um 50 Prozent.

Der Kiosk von Sophie Kellenberger ist eine Institution in Sulzbach. Doch auch sie muss kämpfen.

Dass sich die Bauarbeiten deutlich länger hinziehen werden, hat den Geschäftsinhabern übrigens niemand offiziell mitgeteilt. Die Saarbrücker Zeitung entdeckte die Ankündigung in einer Pressemitteilung der Saarbahn, welche bekannt gab, dass gewisse Haltestellen bis Mitte Oktober aufgrund der Baustelle nicht angefahren werden könnten. Von der Stadt: Kein Wort. Die Betroffenen bemängeln ein offensichtliches Desinteresse. „Ich habe weder den Bürgermeister noch den City-Manager jemals in meinem Laden gesehen.“ sagt denn auch Margot Kempf-Färber, die das Reisebüro seit 21 Jahren betreibt. Adolf Kellenberger wollte vom Bürgermeister wissen, ob die Stadt den durch die Baustelle geschädigten Geschäftsleuten bei der Gewerbesteuer entgegen komme. Kopfschütteln.

Tote Hose in der Sulzbacher Sulzbachtalstraße. In der Mitte der Straße entsteht eine Insel – auf Kosten von Parkplätzen. Daran mangelt es allerdings ganz besonders in Sulzbach.

Welchen Laden man auch in dem Abschnitt betritt, der seit Beginn der Sommerferien nun in einer Einbahnstraße liegt, trifft auf Wut und Entsetzen. Viele Vorwürfe kommen zusammen: Das langsame Voranschreiten der Arbeiten, die schlechte Kommunikation der Verwaltung, selbst an der ordnungsgemäßen Ausführung wird gezweifelt: Abläufe sind nirgends zu sehen. „Der nächste auf dieser Seite kommt erst kurz vor Friedrichsthal.“ teilte uns ein Anrainer mit. Außerdem wurden erstaunliche Höhenunterschiede an den Fahrbahnrändern festgestellt.

Dass die Rohrleitungen aus den 50er Jahren erneuert werden mussten, ist für alle Geschäftsleute nachvollziehbar. Doch die Länge der Bauarbeiten erschüttert sie – und bringt viele an den Rand der Existenz. Gerüchte rankten auch schon um eine bevorstehende Schließung des CAP-Marktes. Doch hier gibt es Entwarnung: Die Geschäftsführung der reha integrations gmbh hat heute morgen auf unsere Anfrage hin eine Stellungnahme zu ihrer Sicht bezüglich der Baustellensituation in der Sulzbachtalstraße übermittelt:

Seit der Einrichtung der Baustelle vor unserem CAP-Lebensmittelmarkt in Sulzbach haben wir gravierende Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Ebenso die Bäckerei Adam, war als Untermieter in unserem Markt ebenfalls sehr davon betroffen.

Aufgrund der Baustelle in der kompletten Sulzbachtalstraße meiden viele Autofahrer die direkte Durchfahrt durch die Innenstadt von Sulzbach. Potenzielle Kunden finden keine Parkmöglichkeiten mehr, unmittelbar vor unserem Markt oder überhaupt in der Haupteinkaufsstraße von Sulzbach. Auch fußläufig ergeben sich jeden Tag neue Einschränkungen für die Anwohner. Die Kunden suchen sich andere Einkaufsmöglichkeiten außerhalb der Innenstadt. In Gesprächen mit anderen Gewerbetreibenden wurde dies uns ebenfalls bestätigt.

Die Bäckerei Adam hat sich letztlich dazu entschlossen, ihre Zweigstelle in unserem Markt zu schließen. Wir haben uns sehr stark bemüht eine neue Bäckerei für den CAP Markt zu finden. Dies ist uns gelungen. Bäckerei Knoch, unter Leitung des Geschäftsführers Herrn Lothar Knoch, wird ab dem 04.10.2017 ihren Verkauf im CAP-Markt Sulzbach beginnen.

Das Konzept der CAP Lebensmittelmärkte ist etwas Besonderes – hier arbeiten behinderte sowie nicht behinderte Menschen Hand in Hand. CAP-Märkte sind als Anbieter eines wohnortnahen Lebensmittel-Vollsortiments konzipiert; gerade ältere Menschen sowie mobilitätseingeschränkte Personen profitieren davon.

Die Märkte werden durch den Einsatz entsprechenden Fachpersonals professionell betrieben. Durch geeignete Vorbereitungs-, Förder- und Schulungsmaßnahmen wird gleichzeitig Menschen mit Behinderung die Möglichkeit eröffnet, in diesem CAP-Markt einen dauerhaften Arbeitsplatz zu finden und bei entsprechender Eignung sich auch beruflich weiter zu qualifizieren. CAP ist mehr als eine Beschäftigungsmöglichkeit für Menschen mit Behinderung. CAP ist eine Philosophie, die durch gemeinsames Handeln verantwortungsvoller Träger, Bürgerinteresse und soziale Ziele der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zusammengeführt werden können.

Wir können ebenfalls bestätigen, dass wir maßlos von der Informationspolitik der Verwaltung in Sulzbach sowie der Umsetzung der Arbeiten enttäuscht sind. Diese Situation ist fast nicht mehr tragbar und eine Zumutung für die Gewerbetreibenden sowie Anwohner.

Dennoch möchten nochmals besonders betonen, dass wir diesen CAP – Lebensmittelmarkt in Sulzbach weiterbetreiben werden, um die Arbeitsplätze unserer MitarbeiterInnen zu sichern sowie unseren treuen Kunden weiterhin eine Nahversorgung mit Lebensmitteln im Ortskern zu gewährleisten.

Wir hoffen sehr, dass sich an der Situation vor Ort bald was ändert.

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9 KOMMENTARE

  1. Dauerbaustelle Sulzbachtalstraße !

    Die Klagen der Bürger und der Geschäftsleute sind durchaus berechtigt.Bei der Planung und der Vergabe der Arbeiten ist wohl manches schief gelaufen. Bei einer derart schwierigen Verkehrssituation müssen die Verträge mit den Baufirmen eine mit hohen Vertragsstrafen versehene verbindliche Bauzeit beinhalten. Ich habe 40 Jahre Erfahrung in einer großen Bauunternehmung und weiß, dass bei erkennbarer Bauzeitüberschreitung, sofort reagiert und eine zweite Schicht plus Samstagsarbeit angeordnet wurde. Das Problem der kommunalen Auftragsvergabe liegt aber in der Regel darin , dass dem billigsten Bieter der Auftrag erteilt wird. Es ist aber hinreichend bekannt dass der billigste Bieter in aller Regel nicht das wirtschaftlichste Angebot abgibt, wie es eigentlich die Vergabeordnung vorsieht. So scheint es auch in Sulzbach der Fall gewesen zu sein.
    Jetzt ist „Heulen und Zähneknirschen“ angesagt.

  2. Geehrter Herr Veit,

    ich gebe Ihnen vollkommen recht. Hier läuft einiges schief!
    Vom Citymanager, über das Bauamt,
    bis hin zum Bürgermeister erkennen Geschäftsleute wie Anwohner eine Ohnmacht der Stadtverwaltung.
    Kommunikation scheint in den Stuben ein Fremdwort zu sein.
    Nun denn…2019 sind Kommunalwahlen und um es mit Faust zu vervollständigen:
    Bedenk es wohl, wir werdens nicht vergessen!

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