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Eiscafé Milano in Quierschied

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Vincenzo Milano in seinem Eiscafé in der Quierschieder Marienstraße.

Aus welcher Stadt in Italien stammt wohl Vincenzo Milano? – Falsch geraten! Er kommt aus Napoli, Neapel, der Stadt, „wo immer die Sonne scheint“ wie der Besitzer des Eiscafés selbst sagt. Sein italienischer Akzent ist dabei immer präsent und verleiht der Unterhaltung einen beschwingten Ton im tristen deutschen Winter, der sich vor dem Fenster abspielt.
Mit 18, das war 1978, betrat Vincenzo Milano zum ersten Mal deutschen Boden. Er kam, um jemanden zu besuchen und ist in St. Wendel hängen geblieben. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, begann er im Eiscafé Lido zu arbeiten.
Sein ehemaliger Chef war auf Expansionskurs und gründete Mitte der 80er Jahre ein Eiscafé in Quierschied. Doch er hatte wenig Lust, sich selbst darum zu kümmern und so wurde es mehr und mehr Vincenzos Aufgabe, sich um den Laden zu kümmern. 1995 übernahm er dann schließlich das Eiscafé und führt es bis heute. Er hat viel investiert, gerade in den letzten Jahren. Unter anderem kam eine Klimaanlage und eine neue Theke hinzu. „Die ist das Beste, was es auf dem Markt gibt!“
Vincenzo Milano ist einer der wenigen Überlebenden in der Quierschieder Marienstraße. „Damals war viel los hier. Da gab es das Edeka. Das Wambefeschd hat richtig Leute in die Ortsmitte gezogen.“ Heute sieht das anders aus. Quierschied erleidet das Schicksal vieler Ortschaften im Umkreis der Einkaufsmetropole Saarbrücken: Der Einzelhandel und die kleinen Läden verschwinden mehr und mehr.
Doch Vincenzo Milano erträgt dies mit Ruhe und Zuversicht. Seine Stammkundschaft lässt ihn nicht im Stich und so öffnet sich auch an diesem frühen Dezembernachmittag die Tür und bringt eine Mama hervor, die ihrem Zögling einen Milchshake spendieren möchte. Der Winter hinterlässt im Eiscafé natürlich seine Spuren. Dennoch lohnt es sich bei Vincenzo vorbeizugehen: Es gibt exzellenten Kaffee, Waffeln, Apfelstrudel mit Sahne und viel gute Laune.
Von Anfang an mit dabei ist „die Chefin“, Nicole Spaniol, die ein paar Meter weiter die Straße herunter das Geschäft „Nicole´s Allerei Neu- und Gebrauchtwaren“ betreibt. „Geh´ mir aus de Fies!“ kriegt Vincenzo schon einmal zu hören, wenn es hektisch wird in seinem Eiscafé und – als Signore – nimmt er die Weisung klaglos hin.

Vincenzo Milano und Nicole Spaniol, genannt „Die Chefin“.

Er weiss schließlich, was er an der jungen Dame hat.
Nach Italien zieht es ihn übrigens gar nicht mehr. Seine Schwester lebt in der Schweiz und die Zustände im Land seiner Ahnen missfallen ihm sehr: „So schön Italien auch ist, die Politik und die Bürokratie sind katastrophal.

„Wenn das Wetter in Deutschland besser
wäre, wäre es das schönste Land der
Erde.“

Das muss wohl stimmen. Insbesondere St. Wendel hat es dem Neapolitaner angetan. Jede Woche fährt er wenigstens einmal in die Kreisstadt, macht Erledigungen und besucht alte Bekannte. Auch den Weihnachtsmarkt dort mag er sehr: „Da ist was los!“
Ein wundes Thema ist natürlich der Fußball, den Vincenzo Milano wie wohl jeder Italie-ner innig liebt. Nicht selten klappt er die Leinwand aus, wenn WM ist und versammelt viele Anhänger des runden Leders in seinem Eiscafé. Das wird sicherlich auch im kommenden Sommer so passieren, nur eben ohne Italien… „Die sind selber schuld!“ entfährt es ihm. Dennoch leidet der Inter-Fan insgeheim ein bisschen. Die harte Schale ist nur aufgesetzt. Und er schwärmt von den Begegnungen Deutschland – Italien. „Da gab es natürlich immer viele Diskussionen mit den Kunden.“
Nicht nur Vincenzo Milano sehnt sich den Sommer herbei, wenn er wieder das weit über Quierschied beliebte Eis anbieten wird. „Ab 22. Dezember geht es wieder aufwärts!“ strahlt er. Was für ein Gemüt….

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