Start Sulzbach/Saar Altenwald Marien Apotheke: Der Engel vom Altenwald

Marien Apotheke: Der Engel vom Altenwald

Martina Dick-Jockers

„Als ich jung war, gabe es in Altenwald noch über 80 Geschäfte.“ erzählt Martina Dick-Jockers, die Inhaberin der Marien-Apotheke. Das ist soviel wie Sulzbach mit allen seinen Ortsteilen gegenwärtig aufweisen kann. Frau Dick-Jockers kann sie alle noch aufzählen: Die Metzgerei Paulus, WMF Schmitt. Da gab es auch noch einige „Originale“. Wenn sie nun aus dem Fenster schaut, ist nichts mehr von dem ehemals lebhaften Ortskern zu sehen. Doch das kann sich bald ändern: Wie viele andere hofft auch die blonde, junge Dame auf den Nettomarkt.

Die Altenwalder Marien Apotheke blickt auf eine 104 jährige Geschichte zurück. Damit ist sie nach der Glückauf Apotheke die zweitälteste im Sulzbachtal. „Die 105 Jahre schaffen wir auch noch!“ lacht Martina Dick-Jockers. Ein wenig Bitterkeit liegt schon in diesen Worten, denn das „Geschäft“ des Apothekers hat sich geändert. „Viele sagen: Die jammern auf hohem Niveau – aber das Niveau wird immer geringer!“ Denn einerseits wird der Verkauf von verschriebenen Medikamenten von den einzelnen Kassen gesteuert. Andererseits dürfen Online-Apotheken wie DOC MORRIS all das, was eine stationäre nicht darf: Dort gibt es keine Rabattverträge, die beachtet werden müssen, keine Rezeptmischungen und keinen Nachtdienst. Ganz fies sind die sogenannten „Retaxationen“. Das bedeutet für einen Apotheker schlicht, dass die Krankenkasse sich weigert, die Kosten für ein Medikament zu übernehmen – und die Apotheke bleibt darauf sitzen.

Doch kehren wir zurück zur Apotheke und ihrer Inhaberin selbst. Geboren wurde sie in ihrem jetzigen Büro. „Das war früher das Schlafzimmer meiner Eltern.“ Der Arzt und Geburtshelfer war Dr. Anton Jost, Großvater von Dr. Eva Jost, die mittlerweile ihre Zelte wieder in Altenwald aufgeschlagen hat. Nach dem Abitur absolvierte Martina Dick-Jockers eine Ausbildung zur Apothekenhelferin und wollte danach Pharmazie studieren.

„Die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze wollte mich nach Berlin schicken.“ Das hat ihr damals überhaupt nicht gefallen. Sie wollte schon ablehnen, doch die Zentralisten aus Dortmund gaben zu bedenken, dass sie im Falle einer nochmaligen Bewerbung womöglich wieder nach Berlin geschickt werden könnte. Also fügte sie sich in ihr Schicksal und ist nun glücklich, dass sie damals diesen Schritt gewagt hat. „Es war eine tolle Zeit!“ Keine Sperrstunde, viele Studenten – eine lockere Atmosphäre. Sie lebte im Amerikanischen Sektor. Der politische Druck, der auf der Stadt lastete, wurde nur kurz sichtbar: Als in der Discothek Labelle eine Bombe hochging. „Da standen plötzlich überall amerikanische Soldaten mit MPs.“

Martina Dick-Jockers verdiente sich nebenbei ein wenig Geld hinzu, in dem sie am Wochenende in der Apotheke am Kranzler Eck arbeitete. Die entsprechende Ausbildung besaß sie ja. Noch heute hat sie eine ganz besondere Beziehung zu der Stadt und besucht sie immer mal wieder, auch, um ehemalige Kommilitonen zu besuchen. Nach Abschluss des Studium kehrte sie zurück ins Saarland und stieg in die Apotheke ihres Vaters ein. Dieser übergab ihr die Geschäfte im Jahr 2000 und mit der Apotheke übernahm sie auch „die treue Seele“ Susanne Meinerzag, die bereits seit 1990 in Diensten der Familie Dick steht.

Auch wenn sich mittlerweile keine Arztpraxen mehr in unmittelbarer Nähe der Marien Apotheke befinden, bietet der Standort einige Vorteile: Sie liegt direkt an der stark befahrenen Sulzbachtalstraße – und Parkplätze gibt es massig. Und der Nettomarkt könnte die Situation weiter verbessern. Wie auch immer: Langweilen wird sich Martina Dick-Jockers sicherlich nicht: Ihr Ehemann führt einen Schaustellerbetrieb und so fährt sie abends immer zu den Orten, wo er gerade seine Autoscooter-Anlage aufgebaut hat – und morgens wieder zurück nach Altenwald.

Marien-Apotheke
Sulzbachtalstr. 219
66280 Sulzbach-Altenwald

Telefon: 06897/8 71 89
Fax: 06897/8 71 30
marien-apotheke-altenwald@t-online.de
www.marien-apotheke-altenwald.de

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