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Sulzbach: „Mahnwache“ mit Punkband

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Ein Kommentar von Claus Kuhn

„Mahnwache“. Dieser Begriff stand bis vorgestern, als bekannt wurde, dass Bunt statt Braun Sulzbach, eine solche abhalten möchte, für eine Demonstration rechter und ultrarechter Gruppen auf dem Ravanusaplatz. Am 22. Juli vergangenen Jahres hatten sie sich an diesem Ort dazu getroffen, um gegen das entstehende muslimische Gebetshaus zu protestieren und in widerwärtigster Weise gegen die Sulzbacher Muslime zu hetzen. Die Veranstaltung war bestenfalls mäßig besucht, obwohl „Sulzbach wehrt sich“ um Alexander Flätgen fast alles aufgefahren hatte, was im braunen Lager Rang und Namen hat. Einer davon wird auch heute im Salzbrunnenhaus seine Weisheiten zum besten geben.

Damals war Sulzbach bundesweit in die Medien geraten. Und da man die nationale Aufmerksamkeit nutzen wollte, bemühten sich die Veranstalter fortan „Spaziergänge“ in der Bergbau- und Industriestadt anzetteln. Die lokalen Medien fanden ein Agreement, dass man keine Berichterstattung darüber bringen würde. Und auch Bunt statt Braun hielt sich zurück. Nach einem dieser Spaziergänge wurde die Veranstaltung abgeblasen – aus Mangel an Interesse.

Alexander Flätgen beschäftigt die Medien seither immer mal wieder. Dass es ihm gelang, das Salzbrunnenhaus anzumieten, dürfte wohl der Unaufmerksamkeit der dafür zuständigen Personen im Sulzbacher Kulturamt zuzuschreiben sein. Jedenfalls bekam er gestern höchstrichterlich das Recht zugesprochen, seine Veranstaltung in diesem geschlossenen Rahmen abzuhalten. Diese wird kaum mehr als 100 Teilnehmer haben, da das Salzbrunnenhaus nicht für mehr Personen ausgelegt ist.

Nun traf gestern Abend zusätzlich die Nachricht ein, dass es „Bunt statt Braun“ gelungen sei, die Hamburger Punkband „Arrested Denial“ zur Unterstützung der Mahnwache zu verpflichten (Siehe dazu auch deren Video unten). Man darf also einen spannenden Abend in Sulzbach erwarten und darauf hoffen, dass sich die beiden Gruppen nicht allzu nahe kommen. Sulzbach wird jetzt jedenfalls wieder in aller Munde sein. Damit dürfte Alexander Flätgen genau das erreicht haben, was er wollte.

Im kommenden Sommer wird übrigens das Gebetshaus in Sulzbach eröffnet. Mit dem medialen Schub, den „Bunt statt Braun“ dem rechtsnationalen Lager gewährt, darf man sich wohl auf eine ganze Reihe solcher Veranstaltungen einstellen. Der aktuelle Versuch Sulzbacher Geschäftsleute, das Image der Stadt aufzupolieren, um sie wieder für die Ansiedlung von Gewerbetreibenden und Einzelhändlern interessant zu machen, wird dadurch natürlich konterkariert. Es geht manchem der BsB-Organisatoren offensichtlich darum „Zeichen zu setzen“ – ohne die Folgen im Blick zu haben.

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