Start Panorama Psychosoziale Notfallversorgung nach Familiendrama in Fechingen

Psychosoziale Notfallversorgung nach Familiendrama in Fechingen

Die Polizei geht von einem Familiendrama aus. Der mutmaßliche Schütze wurde in Saarbrücken festgenommen. Großeinsatz für Kräfte der psychosozialen Notfallversorgung. Nachbarn hören die Schüsse und alarmieren die Polizei. Die Beamten finden ein schlimmes Einsatzbild vor. Es war eine Familienfeier, nun sind zwei Personen tot und weitere Personen kamen schwer verletzt ins Krankenhaus. Darunter auch die Ehefrau des mutmaßlichen Täters, der vor Ort von der Polizei festgenommen wurde. Es waren weitere Personen im Haus, darunter mehrere Kinder. Sie sind unverletzt. Neben der Polizei und dem Rettungsdienst sind auch eine Verpflegungseinheit des DRK und insgesamt 9 Fachkräfte der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) im Einsatz. Darunter zwei Mitarbeiter aus dem Fachgebiet PSNV-E. Hierbei handelt es sich spezielle Kräfte, die für die Unterstützung von Einsatzkräften bei extremen Ereignissen qualifiziert sind. Ein solches Ereignis hat sehr hohes Belastungspotential. Zunächst gibt es hier viele unmittelbar betroffene Personen. Menschen, die im sicheren, familiären Rahmen zusammengekommen sind, um etwas zu feiern, werden mutmaßlich von einem Familienmitglied (oder zugehörigen Person) auf brutalste Weise angegriffen. Einige kommen zu Tode, andere werden schwer verletzt. Wieder andere, darunter mehrere Kinder, erleben das mit und können nicht einschätzen, was mit ihnen selbst geschehen wird.

Es gibt auch mittelbar betroffene Personen, so zum Beispiel die Zeugen aus der Nachbarschaft oder Angehörige die nicht vor Ort waren, aber nicht minder von dem Ereignis betroffen sind. Sehr viele Menschen wurden heute hart vom Schicksal getroffen und müssen irgendwie mit der Situation umgehen. Hierbei versuchen PSNV-Kräfte die Betroffenen in der Akutphase zu unterstützen, sofern dies gewünscht wird. Als Spezialisten für extreme Situationen begleiten Sie die Menschen durch die erste Zeit, bis die eigenen Netzwerke der Betroffenen die Situation auffangen können. Sie gehen individuell auf die Bedürfnisse einer betroffenen Person ein. Sie informieren über Zuständigkeiten und Vorgehensweisen. Sie begleiten und versuchen zu stärken. Sie erarbeiten einen Handlungsplan mit den Betroffenen. Sie informieren die Betroffenen über diverse Stellen und Hilfsangebote, an die sie sich in der folgenden Zeit wenden können.

Eine völlig andere Aufgabe haben die Mitarbeiter vom Fachgebiet PSNV-E. Sie sind Ansprechpartner für Einsatzkräfte, nach extremen und belastenden Ereignissen. Einsätze mit Kindern haben zum Beispiel für viele Einsatzkräfte ein erhöhtes Belastungspotential. Im Idealfall haben Einsatzkräfte bereits vor dem Ereignis an einer sogenannten Präventionsmaßnahme teilgenommen. Diese werden von speziell geschulten Mitarbeitern durchgeführt, um Einsatzkräfte vorab auf Belastungsreaktionen vorzubereiten. Im Falle einer späteren Belastungsreaktion vereinfacht dies in der Regel den Umgang damit ganz erheblich. Unmittelbar nach einem Ereignis kann eine sogenannte Demobilisation nach der international anerkannten CISM Methode durchgeführt werden. CISM steht für Critical Incident Stress Management. Dies ist eine sehr kurze Informationsveranstaltung mit zwei wesentlichen Zielen: Die beteiligten Einsatzkräfte werden informiert, um auf den gleichen Sachstand gebracht zu werden. Darüber hinaus werden sie informiert, woran sie typische Belastungsreaktionen erkennen und, falls diese auftreten sollten, wie sie damit umgehen können, bzw. an wen sie sich in einem solchen Fall wenden können. Die meisten Einsatzkräfte haben für diesen Fall Ansprechpartner innerhalb ihrer Organisationen. Darüber hinaus bietet die Notfallseelsorge und Krisenintervention Saarland (NKS) e. V. allen saarländischen Einsatzkräften und deren Angehörigen auch längerfristige Unterstützung und Begleitung an. Weitere Informationen zum Ereignis finden Sie hier: https://www.saarland.de/SID-33EDB986-05A1A024/220187.htm