Start Panorama saarnews im Gespräch mit Dirk Lottner

saarnews im Gespräch mit Dirk Lottner

Dirk Lottner (Foto: Catharina Kuhn)
Ein Beitrag aus dem aktuellen saarnews-Saisonmagazin 1. FC Saarbrücken

 

saarnews: Hallo Dirk, bevor wir uns der bevorstehenden Saison zuwenden, müssen wir doch noch einmal einen Blick zurückwerfen.

Dirk Lottner: Machen wir nicht mehr. Ich sträube mich dagegen. Man muss das abhaken können. Natürlich hat das in einem gesessen. Es hat weh getan, allen Beteiligten, aber irgendwann muss auch mal gut sein. Jetzt müssen wir schauen, dass wir wieder in die Verfassung kommen, die uns letzte Saison ausgezeichnet hat.

saarnews: Wir hatten in den letzten beiden Jahren eine Achse um Batz hinten, Zeitz und den Stürmern vorne. Ein Teil der Achse ist jetzt weggebrochen. Bedeutet das einen Systemwechsel, oder wie willst Du die Mannschaft aufstellen?

Dirk Lottner: Das wird sich herausstellen, wie wir die Verluste gerade von Kevin und Paddy auffangen werden. Wir haben definitiv verschiedene Variationsmöglichkeiten. In der letzten Saison waren wir mit beiden Stürmer mehr oder weniger gebunden,  immer mit zwei Spitzen zu spielen, weil beide herausragend gespielt haben. Da wird sich mit Sicherheit diese Saison das Ein oder Andere ändern. Entweder mit einem Zehner hinter dem Stürmer, oder mit zwei Offensiven hinter dem Stürmer. Grundsätzlich  glaube ich, dass wir nochmal variabler sein können, ob das unbedingt ein Vorteil ist, muss sich dann noch zeigen. Eins ist klar, wenn du zwei Spieler verlierst, die zusammen an 59 Toren in der letzten Saison beteiligt waren, hast du erstmal ein Loch. Das musst du erstmal auffangen können.  Wir sind mit Sicherheit sehr gut aufgestellt. Wir haben die Ambitionen nach wie vor den ersten Tabellenplatz zu belegen. Aber eins muss jedem klar sein: Das wird dieses Jahr nochmal eine Nummer schwerer als letzte Saison.

saarnews: Findest Du die Liga auch ausgeglichener als letztes Jahr?

Dirk Lottner: Ja, ich vermute das einfach. Was ich bis jetzt mitbekommen habe an Neuverpflichtungen und Abgängen der Vereine, die oben mitspielen wollen, habe ich schon das Gefühl, dass es eine sehr ausgeglichene Spitzentruppe sein wird. Dass man da einen langen Atem und Ruhe braucht. Gerade das sollte dazu beitragen, dass man am Ende auf dem ersten Tabellenplatz stehen wird. Ich kann es mir Stand heute nicht vorstellen, dass sich eine Mannschaft so stark absetzten wird, wie wir das in der letzten Saison gemacht haben.

saarnews: Wird es bei dem Umschaltspiel bleiben, das ihr letztes Jahr so unwiderstehlich praktiziert habt?

Dirk Lottner: Grundsätzlich ist es eins unserer Mittel, gerade wenn man in Führung liegt. Es ist nicht so, dass wir immer tief gestanden haben und dann auf Umschalten gespielt. Oft war unser Spiel auch davon geprägt, dass wir früh in Führung gegangen sind und man sich dadurch mehr fallen lassen kann, weil sich deshalb auch ein neues Spiel ergibt. Wir haben außerdem andere Spielertypen mit dem Marcel, dem Joe und dem Sebi, die auch unsere Spielphilosophie erstmal noch verinnerlichen müssen. Das hat man schon gemerkt in den Einheiten. Das sind schon Spieler, die grundsätzlich den Ball am Fuß haben müssen und wir sind jetzt dabei ihnen einzutrichtern, Tiefe in ihr Spiel zu bringen und auch mal ohne den Ball in die Räume zu spielen, um das Ganze variabler zu gestalten. Vielleicht auch unberechenbarer zu werden. Das ist eine Entwicklung, die mit Sicherheit nicht schon in ein, oder zwei Wochen abgeschlossen sein wird.

saarnews: Wie war das denn mit den Neuverpflichtungen? Verpflichtet hat sie Marcus Mann. In wie weit wurdest du da mit einbezogen?

Dirk Lottner: Ich wurde immer einbezogen. Das ist klar. Der Marcus macht hier nichts im Alleingang, wir sprechen immer wieder über interessante Spieler. Dann führt man die Gespräche und intensiviert diese, aber da bin ich immer eingebunden. Ich habe mit Marcel gesprochen, mit Joe. Den kenne ich natürlich noch aus der Vergangenheit, aber mit jedem Spieler den wir verpflichtet haben, hatte ich eigentlich persönlich Kontakt. Nicht nur ein telefonisches Gespräch, sondern Auge zu Auge. Von daher ist das schon eine gute Teamarbeit, wie das hier abgelaufen ist.

saarnews: Und wie kommt man auf einen Gillian Jurcher?

Dirk Lottner: Da gibt es natürlich immer wieder ein paar Dinge, die einem zugetragen werden. Dann beschäftigt man sich mit dem Spieler. Er hat einfach eine interessante Vita hinter sich. Seine Art Fußball zu spielen entspricht eigentlich der, die wir auch spielen wollen. Sprich Tempo über den Flügel, Torgefährlichkeit, er ist variabel einsetzbar. Das macht einen Spieler für uns interessant. Er hat letztes Jahr in Halberstadt in 15 Spielen glaube ich 7 Tore gemacht und vier Vorlagen. Das ist schon eine Hausnummer, auch in der Regionalliga Nordost.

saarnews: Im Prinzip habt ihr nun eine ganz ähnliche Situation wie Elversberg vor einen Jahr. Pokal und Aufstieg verloren. Dort reichte es dann zu einem fünften Platz. Hast Du Angst, dass Euch das gleiche in dieser Saison wiedererfahren könnte.

Dirk Lottner: Nein, das glaube ich nicht, weil die letztes Jahr einen viel größeren Umbruch gehabt haben. Mit Sicherheit haben wir unsere zwei wichtigsten Offensivakteure verloren, aber wir versuchen das A, über die Neuverpflichtungen aufzufangen. Aber B, auch darüber jedem anderen klar zu machen, dass man immer wieder selbst dafür sorgen muss, in den torgefährlichen Bereich zu kommen. Ich glaube, wir haben nach wie vor ein großes Potential bei unseren Standards, gerade auch in der  Innenverteidigung. Da haben wir letztes Jahr nur sieben Tore erzielt. Dort ist mit Sicherheit noch Luft nach oben. Ein Stück weit ist das wohl auch verschuldet, dass wir körperlich nicht die allzu hochgeschoßenen Spieler hatten, wie der ein oder andere Verein. Da hoffe ich mir aber, dass das verdoppelt wird, da wir andere Spieler in der Innenverteidigung haben, die zehn oder vierzehn Tore machen können. Nicht als Einzelperson, aber als Gesamtverbund. Dann hast du da auch ein stückweit aufgefangen.

Ich glaube Mendler hat eine ganz tolle Saison gespielt, nachdem er letztes Jahr am Anfang draußen war. Wenn man die Wochen nochmal dazu rechnet und er die Leistung halten kann, erhoffe ich mir da auch nochmal das ein oder andere Törchen mehr. So musst du halt an jeden Spieler mal dran treten. Auch Manuel Zeitz darf sich nicht darauf beschränken, seine Defensivaufgaben zu erfüllen, was natürlich für unser Spiel wichtig ist. Auch da liegen mit Sicherheit nochmal Möglichkeiten aus dem Rückraum heraus Tore zu schießen. Man muss immer versuchen, das aufzufangen.

Dann werden wir sehen, ob das am Ende des Tages reichen wird. Wie gesagt, 59 Torbeteiligungen. Das musst du erstmal kompensiert kriegen. Es ist klar, dass wir nächste Saison nicht wieder 93 Tore schießen werden. Das sollte jedem klar sein. Trotzdem müssen wir es hinkriegen, hinten so stabil zu stehen, dass man einfach mal 1:0, oder 2:0 gewinnt. Es kann sein, dass die Attraktivität dadurch etwas verloren geht, aber das Ergebnis am Ende ist das, was zählt. Ich glaube schon, dass wir sehr leidenschaftlichen, attraktiven Fußball in den letzten zwei Jahren geboten haben. Natürlich aber auch ein stückweit geprägt durch die beiden Stürmer. Jetzt gilt es, das Spiel so zuzuschneiden, dass es auch aufgefangen werden kann, was wir jetzt an Spielerqualität verloren haben.

saarnews: Habt ihr eigentlich ein Minimalziel ausgegeben oder gilt in dieser Saison nur Platz 1?

Dirk Lottner: Es ist das Minimal- und Maximalziel. Mehr können wir nicht erreichen. Der Aufstieg steht natürlich über allem. Es ist klar, dass wir jetzt nicht sagen, schauen wir mal wie diese Saison läuft. Es ist auch klar, dass wir eine von sechs bis acht Mannschaften werden, die das Ding unter sich ausmachen werden und es müssen viele Komponenten zusammenkommen, dass du am Ende derjenige bist, der auf Platz eins steht. Alle, die letzte Saison schon dabei waren, wissen wir viel harte Arbeit, Akribie dahinter steckt, wie viel Leidenschaft auch erbracht werden muss und wie viel Zusammenhalt dafür nötigt ist. All diese Ding brauchen wir natürlich, auch in der Hoffnung noch mal ein paar mehr Fans gewonnen zu haben. Eins hat die Mannschaft und der Verein in den letzen Jahren geschafft: dem Verein ein Gesicht zu geben, eine Identifikation zur Mannschaft und zum Verein herzustellen. Das war ein Punkt, als ich vor zwei Jahren hier angetreten bin, der total brach lag. Da wünscht man sich auch, dass es von der Öffentlichkeit honoriert wird, damit die Jungs auch mal in einem etwas volleren Stadion antreten können und nicht nur vor 3.000 Zuschauern.

saarnews: Fans ist ein Stichwort, manche fahren überall hin mit. Die Auswärtsspiele sind oft gut besucht, aber es gibt immer wieder welche, die fallen aus der Rolle. Was ist denn deine Botschaft an die Fans? Auch wenn man mal nach Mannheim guckt.

Dirk Lottner: Meine Botschaft ist eigentlich die, die sie in den beiden Relegationsspielen auch gesendet haben. Nämlich einfach zu dem Verein, auch nach außen hin, ihren Teil beitragen. Dass wir als Verein auf dem richtigen Weg sind und die Gastmannschaften auch froh sind, wenn der 1.FC Saarbrücken kommt. Weil sie geile Fans mitbringen, die friedlich sind, aber auch eine Masse an Fans. Wir haben in den Relegationsspielen gesehen, auch wenn im Vorfeld schon viel diskutiert wurde, ob das alles so gut geht. Unsere Fans haben sich da topp verhalten im Vergleich zu 1860 München. Das ist ein Gesicht, dass wir als Verein auch gerne sehen würden. Und wie wir uns in der Öffentlichkeit gerne verkaufen wollen, als ein akribisch arbeitender Verein, der so schnell wie möglich in die 3. Liga will. Von der Außendarstellung will man, dass es ein guter Verein wird. Da haben wir in den letzten Jahren den richtigen Weg eingeschlagen, aber wie mit dem Sportlichen sind wir noch nicht ganz da, wo wir sein wollen.

saarnews: Deine Frau wurde zitiert, dass es eine Entscheidung des Herzens war, nochmal in Saarbrücken zu unterschreiben. Heißt das, dass ihr euch als Familie auch vorstellen könnt, weit über die kommenden zwei Jahre zu bleiben?

Dirk Lottner: Die zwei Jahre sind schon ein richtiger Schritt gewesen. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mich im Saarland sehr wohl fühle, beim 1. FC Saarbrücken und in der Stadt und mich andererseits auch sehr damit identifiziere. Grundsätzlich ist es so, dass meine Familie auch gerne hier her kommt. Meine Frau freut sich darauf, alle zwei Wochen mit der Kleinen ins Saarland zu kommen, damit wir das Wochenende zusammen verbringen können.  Das alles ist aber vom Sportlichen abhängig. Wenn wir 10. werden, fragt mich niemand mehr, ob ich verlängern möchte. Das musst du auch sehen. Ich weiß wie die Sachen laufen. Wenn wir die gleichen Erfolge haben und alles sich so aufgeht, hätte ich Stand heute nichts dagegen, wenn es so lange wie möglich geht. Das ist klar.  Wenn es aber so läuft, dass die Ergebnisse und die Außendarstellung stimmen und die Identifikation mit den Fans und der Mannschaft gegeben ist, dann können wir das Ganze langfristig anzulegen.