Start Panorama Wolfgang Winkler – ein Portrait von Stefan Bohlander

Wolfgang Winkler – ein Portrait von Stefan Bohlander

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Wolfgang Winkler vor dem Salzbrunnenhaus in seiner Heimatstadt Sulzbach.

Rund 200 Lieder hat Wolfgang Winkler seit Mitte der 70er Jahre bereits komponiert. Viele persönliche Geschichten sind dabei bereits entstanden. So hat der Kulturschaffende aus Sulzbach  für seinen Sohn einst das berühmte „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane vertont – zur Aufmunterung für den Schulunterricht, wo das Gedicht durchgenommen wurde. Seine Version habe Winkler im Anschluss auch an Nachfahren des Herren von Ribbeck geschickt. Die waren so angetan, dass eine der Töchter sogar mitsang, wie Winkler stolz und lachend erzählt.

Doch sein neuestes Werk hat er jemandem gewidmet, dessen Hauptwirken in diesem Jahr 500. Geburtstag feiert: „Es ging Martin Luther nicht um die Neu-Erfindung der Kirche, sondern wirklich um eine Reformation“, sagt Winkler. Sein Anliegen für das Lied „Martinus 500“ sei es, zu zeigen, dass Luther das eigenständige Denken und Handeln gefördert habe. Gerade den Ablasshandel habe Luther stark kritisieret, wofür der Sulzbacher ihm Respekt zollen wolle. Doch heroisieren wolle er ihn deswegen nicht. Luthers immer wieder vorgetragener Antisemitismus oder seine Meinung in den Bauernkriegen, die oft als zu Obrigkeits-freundlich tituliert wurde, solle nicht relativiert werden.

„Martinus 500“ orientiert sich mit seiner eingängigen Melodie an der klassischen Singer/Songwriter-Musik alter Klasse. George Brassens und Reinhard Mey dienten Winkler beispielsweise als Vorbilder. Dabei hat er sich bei sich selbst bedient, an seinem Song „Curriculum Vitae“ von 1988, wie er schmunzelnd zugibt. Im Studio des befreundeten Multi-Instrumentalisten Björn Heimann in Saarbrücken fanden im März dieses Jahres die Aufnahmen statt. Das Lied und der zugehörige Text stehen auf der Internetseite www.winklermusik.de kostenfrei zum Download bereit.

Seine Musikalität stellte er bereits in den 70ern unter Beweis, als er bei den Pfadfindern die Gitarre auspackte und Lieder spielte. Danach sorgte er in der Formation Schmetterling auf Stadtfesten oder ähnlichen Veranstaltungen für Furore und gute Stimmung. Anfang der 80er Jahre veröffentlichte Wolfgang Winkler seine erste LP. Mehr als 20 Langspielplatten, CDs und Singles sind es bislang geworden. Mehr als 2000 Auftritte hat er absolviert, vor allem im Saarland. Als Vertreter des Landes wurde er bereits zu verschiedenen Festivals geschickt oder durfte beim Nürnberger Bardentreffen spielen. Bei einem Privatkonzert im Konsulat in Vancouver war er am weitesten von zu Hause weg.

Jedes einzelne Konzert hat er sich notiert. Allein im Salzbrunnenhaus hat er bereits mehr als 100-mal zu den verschiedensten Gelegenheiten gespielt. An seine erste Live-Erfahrung denkt er gerne zurück: Das war 1960, nur ein Jahr vorher hatte sein Vater ihm die erste Gitarre geschenkt. Bei einer Karnevalsfeier bestand er seine Feuerprobe mit drei Akkorden im Gepäck, als er vor 300 Schülern „Cowboy Billy“ intonierte.

Sehr am Herzen liegt Wolfgang Winkler die deutsch-französische Freundschaft. Immerhin studierte er neben evangelischer Theologie auch Französisch auf Lehramt. Mit Jean-Yves Defay, dem ehemaligen Generalkonsul im Saarland, veröffentlichte er das Projekt „Zeitsplitter“ mit Liedern auf Deutsch und Französisch. Seit 2013 leitet er das Projekt des Kultusministeriums „La chanson à l’école“, mit dem Schüler im ganzen Saarland ermutigt werden, sich kreativ mit der Sprache auseinanderzusetzen. So kommen spannende Cover-Versionen oder gar eigene Lieder zustande.

Seit 30 Jahren wohnt der Mann, der im niedersächsischen Otterndorf aufwuchs, nun bereits in Sulzbach. Und auch seiner neuen Heimat hat er bereits den Stempel aufgedrückt. In seiner Veranstaltung „Blaues Sofa“ kamen zum lockeren Gespräch Prominente aus Politik, Wirtschaft und sozialem Leben zum Interview. „Das ist ja schon schön, wenn man das in der Vita stehen hat“, lacht er.

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