Bleibt St. Ingbert eine Kulturstadt?

Der CDU-Stadtverband macht auf bestehende Probleme aufmerksam

Die Stadt St. Ingbert hat sich den Ruf erworben die Kulturhauptstadt des Saarlandes zu sein. Dieses schmeichelhafte Kompliment, für das es allerdings keine offizielle Bestätigung gibt, verdanken die St. Ingberter neben ihren Vereinen und zahlreichen einheimischen Künstlern nicht zuletzt einer kommunalen Kulturpolitik, die mit Veranstaltungen wie dem Jazz-Festival, der Kleinkunstwoche oder dem vielfältigen Programm der Biosphären-VHS wesentlich mehr zu bieten hat als kulturelle Pflichtleistungen.

Doch für diesen Ruf als Kulturstadt besitzt St. Ingbert keine Bestandsgarantie.

Auf eine mögliche Gefährdung dieser Reputation hat kürzlich der St. Ingberter CDU-Stadtverband hingewiesen, der unter dem Motto „Zukunftswerkstatt Kultur“ zu einer Diskussion in die Galerie der St. Ingberter Künstlerin Doris Tabillion eingeladen hatte. Für eine solche Diskussion gibt es in jüngster Zeit einen sehr triftigen Hintergrund.

Der sich schon seit über zehn Jahre hinziehende Ausbau der ehemaligen Baumwollspinnerei zu einem „Leuchtturmprojekt“, das der Kulturhauptstadt St. Ingbert frischen Auftrieb und Glanz verleihen soll, ist wie schon so oft in der Vergangenheit, wieder einmal ins Stocken geraten. Diesmal droht allerdings eine Verzögerung, die nicht mehr von Handwerkern, sondern nur noch von Juristen gelöst werden kann.

Reichlich Platz für kulturelle Aktivitäten aller Art bieten die die ehemaligen Fabrikhallen der Baumwollspinnerei, die dazu aber noch ausgebaut werden müssten.

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich eine sehr lebhafte Diskussion über die kurzfristigen Möglichkeiten das kulturelle Leben der Stadt St. Ingbert auch ohne die Baumwollspinnerei zu aktivieren, damit St. Ingbert auch weiterhin die saarländische Kulturhauptstadt bleibt.

Da keinesfalls damit gerechnet werden kann, dass das geplante Kulturzentrum „Baumwollspinnerei“ in absehbarer Zeit zur Verfügung steht, und damit aktuelle Probleme gelöst werden könnten, müsste die Stadt St. Ingbert nach Zwischenlösungen suchen, die notfalls auch Dauerlösungen sein könnten. Dabei geht es unter anderem auch um die Werke des Malers Albert Weisgerber, die seit der Auflösung des Museums im ehemaligen Landratsamt auf unbestimmte Zeit in Kisten weggesperrt sind.

Zur Zeit wird auf der Baustelle „Alte Baumwollspinnerei“ nicht gearbeitet. Für diesen Baustopp gibt es sehr unterschiedliche Erklärungen.

Für die Stadt St. Ingbert besteht die Gefahr, dass sie ihren Ruf als Kulturhauptstadt verliert und im ganzen Saarland als Katastrophenstadt belächelt wird, wenn der langjährige Problemfall Baumwollspinnerei nicht umgehend geklärt wird.

Die Klärung dieses Problems scheint aber für die Stadtverwaltung mit großen Schwierigkeiten verbunden zu sein. Als die Redaktion des „INGO“ die Pressestelle der Stadtverwaltung um nähere Auskünfte zum aktuellen Stand des Projektes „Baumwollspinnerei“ bat, wurde uns mitgeteilt, dass dieses Projekt inzwischen mehrere Meter an Aktenordnern füllt und sich deshalb nicht in einer kurzen Stellungnahme darstellen lässt. Bei einer solchen Auskunft liegt die Vermutung nahe, dass die befürchtete Katastrophe bereits eingetreten ist.

 

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