Start FCS Der Tag der vielen Abschiede beim FCS

Der Tag der vielen Abschiede beim FCS

Das letzte Saisonspiel gegen den Tabellenletzten aus Dreieich sollte eine Pflichterfüllung werden, nicht mehr. Der ersatzgeschwächte Gegner – Trainer Becker beklagte, dass ihm kurzfristig drei Spieler Absagen für die Begegnung in Völklingen erteilt hatten – agierte mutig, aber glücklos, so dass eine mittelmäßige Leistung der Hausherren genügte, um die drei Punkte am Ende sicher einzufahren,

Trainer Lottner hatte dabei erneut Umstellungen vornehmen müssen, den Daniel Batz fiel aufgrund einer Handverletzung aus. Für ihn stand Ricco Cymer zwischen den Pfosten. In der Spitze begann Eisele für den an einem Infekt leidenden Sebastian Jacob. Marco Holz durfte seines Abschiedsspiel geben, dafür nahm Fanol Perdedaj auf der Bank Platz.

Die Saarländer mühten sich zu Beginn redlich, ihr Angriffsspiel aufzubauen und kamen auch zu einigen zwingenden Chance, vor allem durch Gillian Jurcher, doch Zählbares kam dabei nicht heraus. Währenddessen – so beschrieb es Dirk Lottner später in der Pressekonferenz – merkten die Hessen, dass sie hier ja mitspielen können und brachten ordentlich Unruhe in die abermals nicht gut sortierte Abwehr der Saarbrücker. Besonders Lukas Weiss, der im kommenden Jahr für Homburg auflaufen wird, machte den ein oder anderen Noteinsatz von Ricco Cymer notwendig. Das Trainerteam an der Linie reagierte auf die Situation und stellte von Dreier- auf Vierer-Abwehrkette um. Mendy kam in der 35. Minute für Miotke. Dennoch trafen die Dreieicher kurz vor dem Pausenpfiff nachdem die FCS-Abwehr den Ball nicht aus der Gefahrenzone bugsieren konnte. Opper zog ab und ließ Cymer keine Chance. 0:1 in der 45. Minute.

Das Wetter hatte sich zwischenzeitlich dem tristen Spiel angepasst und so begann die zweite Spielhälfte mit einem ordentlichen Regenguss. Dirk Lottner muss deutliche Worte in der Kabine gefunden haben, jedenfalls wirkte sein Team nach der Pause entschlossener in seinen Aktionen. Insbesondere Fabian Eisele rackerte unentwegt und der Liebling der Fans, Alexandre Mendy, setzte auf der rechten Seite die Akzente, die sein Spiel auszeichnen. Dabei wurde jeder Ballkontakt des Franzosen mit lautstarken „Mennndiiiiiiiiiiii!!“-Rufen begleitet. Man wird ihn in Saarbrücken vermissen, das ist klar. Als schließlich Perdedaj für Quirin kam, wurden die Aktionen vor dem Dreieicher Tor gefährlicher. Eine einfache aber schnell vorgetragene Ballstafette reichte, um Fabian Eisele freizuspielen. Der versenkte nervenstark zum Ausgleich in der 66. Minute.

Eine Minute später war es Perdedaj, der durch ein Zuspiel von Eisele die Führung herbeiführte. Bei den Gästen gingen die Köpfe nun sichtbar nach unten und so ließen sie es in der 77. Minute zu, dass der für Jurcher eingewechselte Marcel Carl Marco Holz bedienen konnte, der dem guten Torhüter Kleinheider mit einem satten Schuss keine Chance ließ. Endstand: 3:1.

Fazit: Mit solchen Auftritten geht der 1. FC Saarbrücken nicht als Favorit in das Endspiel um den Sparkassenpokal. Unkonzentriert im Offensivspiel und fahrig in der Abwehr – damit ist an der Kaiserlinde kein Blumentopf zu gewinnen. Das dürfte jedem Fan klar sein. Die Frage ist, ob es auch der Mannschaft klar ist. Sie benötigt offensichtlich immer einen Kick wie das 0:1 in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, um zu verstehen, dass einfach mehr kommen muss. Es fehlt, was mit Behrens und Schmidt gegangen ist: Leute, die vorangehen und eine klare Ansage machen, in Worten wie mit Taten.

Vielleicht war der Abschiedsreigen, der sich vor Matchbeginn vor der Tribüne abspielte, auch etwas zu emotional für den ein oder anderen Kicker in blau-schwarz. Verdiente Spieler wie Alex Mendy, Marco Holz, Marlon Krause, Martin Dausch und Marco Kehl-Gomez haben diese Mannschaft in den vergangenen Jahren geprägt. Dass sie künftig nicht mehr dabei sein werden, beschäftigte nicht nur ihre Mitspieler. Nicht alle Entscheidungen der sportlichen Leitung erscheinen in diesem Zusammenhang – von außen betrachtet – schlüssig. Dennoch ist eben sie dafür da, nun eine deutliche Kurskorrektur herbeizuführen und dazu gehören auch unpopuläre Entscheidungen. Die Transfers im Sommer des vergangenen Jahres mögen positionsgerecht gewesen sein, glücklich waren sie nicht in jedem Fall. Und so ist zu erwarten, dass auch Spieler, die noch ein gültiges Arbeitspapier besitzen, den Verein verlassen müssen. Darauf lässt zumindest eine Aussage von Dirk Lottner während der Pressekonferenz schließen.

Ungeklärt ist nach wie vor die Zukunft von Fabian Eisele und Sascha Wenninger. Beide haben im Lauf der Saison gezeigt, dass sie diese Mannschaft verstärken können. Eisele hatte dazu in den vergangenen Wochen mehr Möglichkeiten. Sascha Wenninger war zumeist Opfer des Systems. In der kommenden Woche dürften einige offene Fragen geklärt werden.

Die Verabschiedung der Spieler und das Videointerview mit Co-Trainer Robert Roelofsen kann aus technischen Gründen erst am Dienstag erscheinen. Wir bitten um Verständnis.