Start D-News Es knirscht in der Nationalmannschaft – Tritt Neuer möglicherweise zurück?

Es knirscht in der Nationalmannschaft – Tritt Neuer möglicherweise zurück?

Foto: Granada [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]


Seit Wochen ist es das Top-Thema in allen Sportnachrichten: Manuel Neuer gegen Marc André ter Stegen! Joachim Löw hatte vor einigen Monaten die Rollen klar definiert. Neuer ist die Nummer Eins und ter Stegen sein Ersatzmann. Nach der letzten Länderspielpause meldete sich ter Stegen aber überraschend zu Wort. Die Reise sei eine Enttäuschung gewesen, er hätte den Anspruch zu spielen. Neuer machte diesen Anspruch für sich im Anschluss aber genauso geltend. Der Nationaltorwart, der auch direkt nach seiner langen Verletzung bei Joachim Löw gesetzt war, ist momentan in guter Form.

Ter Stegen ist allerdings jünger und spielt beim FC Barcelona, einem der wenigen Vereine, die vielleicht noch etwas höher als der FC Bayern einzuordnen sind. Kann Neuer dem Druck standhalten oder tritt er zurück, bevor er möglicherweise ersetzt wird?

Marc André ter Stegen: Welche Rolle spielt der Barcelona-Torwart?

Ter Stegen ist beim FC Barcelona unumstrittener Stammtorwart. Bis zu seinen Äußerungen bezüglich der Nationalmannschaft parierte er dort über einen langen Zeitraum überragend. Auch das 0:0 gegen Borussia Dortmund konnten die Katalanen größtenteils ihrem deutschen Schlussmann verdanken, der sich von den Dortmundern nicht überwinden ließ. Zuletzt zeigte sich ter Stegen zwar mit kleineren Unsicherheiten, die von den Gegnern allerdings nicht genutzt werden konnten.

Ter Stegen ist ein Weltklasse Torwart, so viel steht fest. Sein einziges Problem: Manuel Neuer ist das auch immer noch. Und wenn sich zwei Kontrahenten auf in ihren Clubs auf einem Level befinden, der eine sein Können in der Nationalmannschaft bereits über Jahre bewiesen hat, der andere eher nicht, fällt die Wahl eher auf den Platzhirschen, als auf seinen Herausforderer. Bei der ganzen Diskussion sollte aber im Hinterkopf behalten werden, dass sich ter Stegen respektvoll, zurückhaltend und nachvollziehbar geäußert hat und die hitzige Diskussion im Nachhinein erst von anderen entfacht wurde.

Was sagt Manuel Neuer?


Manuel Neuer ist ein fairer Sportsmann. Auch er hat sich zwar bestimmt aber nicht ungerecht oder herablassend gegenüber ter Stegen geäußert. Ebenso hat er aber auch seinen Anspruch, die Nummer Eins zu sein, nochmals untermauert. Neuer hat einige Vorteil: Er kennt Joachim Löw schon lange, hat in der Nationalmannschaft herausragendes geleistet, ist als mitspielender Torwart legendär und befindet sich aktuell wieder in bester Verfassung.

Er tut gut daran, sich nicht an der aufgeheizten Mediendiskussion zu beteiligen, sondern auf dem Platz seine Leistung zu bringen und auf das Vertrauen des Trainers zu bauen und genauso hat Deutschland Manuel Neuer in den letzten Jahren auch kennengelernt.

Welcher Torwart ist besser in Form?


Diese Frage ist aktuell tatsächlich schwierig zu beantworten. Ter Stegen spielt bei einem internationalen Top-Club eine tragende Rolle und Neuer tut dies genauso. Als Neuer nach seiner langen Verletzung von Löw diskussionslos zur Nummer Eins für die Weltmeisterschaft 2018 erklärt wurde, war das ein schwerer Schlag für den Herausforderer aus Barcelona. Viele Kritiker merkten hier an, dass es leistungsgerechter gewesen wäre, ter Stegen bei diesem Turnier ins Tor zu stellen. Löw hielt wie überall auf dem Platz an seinen bewährten Kräften fest und das Turnier wurde zum Desaster. Daran hatte Manuel Neuer allerdings noch den geringsten Anteil. Aktuell ist Neuer jedoch wieder so gut in Form, dass es eigentlich wenig Gründe gibt auf der Torwart-Position einen Wechsel vorzunehmen.

Die Frage welcher Torwart besser in Form ist und bei der Nationalmannschaft zukünftig im Tor stehen wird, beschäftigt natürlich auch die Buchmacher. Vor allem solche, die auf dem deutschen Markt besonders aktiv sind wie Wetten.com. Unter https://wetten.com/sportwetten/ gibt es einen 100% Neukundenbonus von bis zu 100€ und zwei Gratiswetten im Wert von 10€. Beide Keeper sind allerdings so gut, dass ihr Einsatz wohl wenig Auswirkung auf die Wettquoten haben wird.

Welche Rolle spielt Uli Hoeneß


Wer sich die Äußerungen der beiden Keeper nochmal näher anschaut, der kann feststellen, dass sie sich beide eigentlich nüchtern und eher zurückhaltend geäußert haben und keiner den anderen Konkurrenten direkt angriff. Warum ist die Diskussion dann aber so hitzig und emotional? Einen großen Anteil daran trägt auf jeden Fall Uli Hoeneß. Der noch-amtierende Bayern-Präsident teilte gleich in mehreren Interviews richtig aus: Gegen ter Stegen, Joachim Löw und den DFB im Allgemeinen.

Er legte dem Barca-Keeper Worte in den Mund, die dieser so nicht ansatzweise formuliert hatte. Auch Joachim Löw zu unterstellen, er schütze Manuel Neuer nicht genug, entbehrt jeglicher Grundlage.

Geht Uli Hoeneß zu weit?


Für die Aufstellung beim DFB ist nicht Uli Hoeneß verantwortlich, sondern einzig und allein Joachim Löw. Dieser muss sich dem DFB gegenüber verantworten, aber auf keinen Fall gegenüber dem FC Bayern. Aber Löw hat zu keiner Zeit erkennen lassen, dass er über einen dauerhaften Wechsel auf der Torwart-Position nachdenkt. Er hatte ter Stegen lediglich Einsatzzeiten eingeräumt und wird ihm diese wohl auch in diesem Jahr noch geben. Das ist nicht mehr und nicht weniger als eine faire Geste gegenüber einem Weltklasse-Torwart.

Uli Hoeneß hat in die Diskussion eine Brisanz und Schärfe gebracht, die diese ohne ihn wohl niemals bekommen hätte. Natürlich geht ein Konkurrenzkampf nie ohne leichte Reibereien ab. Und ter Stegen hat durchaus das Recht zu sagen, er würde gerne häufiger Spielen. Genauso wie Manuel Neuer das Recht hat, öffentlich seinen Status als Nummer Eins zu untermauern. Hier hätte Hoeneß sich wohl einfach ein wenig mehr zurückhalten sollen.

Wie lange können Torwarte auf Top-Niveau spielen?


In der Regel können Torwarte wesentlich länger auf Top-Niveau spielen, als Feldspieler. Sie beenden ihre Karrieren dementsprechend häufig auch um einiges später. Oliver Kahn war zum Beispiel bei seinem Karriereende sechs Jahre älter als Manuel Neuer heute, Jens Lehmann war sogar noch älter. International ist der italienische Keeper Buffon ein strahlendes Beispiel dafür, wie lange Torwarte aktiv sein können. Neuer hat also gute Gründe, noch lange nicht ans Aufhören zu denken.

Erinnerungen an Oliver Kahn und Jens Lehmann


Die letzte große Torwart-Debatte gab es in Deutschland im Vorfeld der WM 2006 im eigenen Land. Dort hatte Bundestrainer Jürgen Klinsmann sich dazu entschieden, die absolute Legende Oliver Kahn durch Jens Lehmann zu ersetzen, weil dieser besser zu seinem aktiven und offensiven Fußball passte und mit dem Ball am Fuß als der stärkere Keeper galt. Außerdem war Lehmanns Zeit bei Arsenal London extrem erfolgreich. Damals war Löw Co-Trainer und gemeinsam mit seinem Chef scheute er nicht davor zurück, eine harte Entscheidung zu Ungunsten eines echten Helden der Nationalmannschaft zu treffen.

Auch heute steht wieder ein Umsturz auf der Torwart-Position im Raum. Allerdings sind die Fakten diesmal anders gelagert. Manuel Neuer hat eine neue Torwart-Generation geprägt und sein Spiel entspricht immer noch den modernsten Standards. Außerdem verbindet ihn und Löw (anders als damals bei Kahn) eine langjährige gemeinsame Karriere. Löw ist zwar bekannt dafür, lange an verdienten Spielern festzuhalten, bootete aber zuletzt auch Hummels, Boateng und Thomas Müller aus. Wenn Neuer seine Form behält, ist es allerdings schwer vorstellbar, dass Löw ihn fallen lässt, egal wie gut ter Stegen sich auch bei Barcelona anstellt. Das fortschreitende Alter und die häufiger werdenden Wehwehchen von Neuer könnten ter Stegen aber dennoch mehr Einsatzzeiten bescheren.

Manuel Neuer ist noch nicht am Ende angelangt


Manuel Neuer ist in seiner Karriere stets durch bedachte und überlegte Äußerungen und Handlungen aufgefallen. Gut möglich, dass er zurücktreten würde, wenn er die Zeichen der Zeit erkennt und Stegen endgültig die Nase vorn hat. Eine Absetzung wie damals bei Oliver Kahn würde Neuer sich wohl kaum wünschen. Allerdings ist diese Zeit noch lange nicht gekommen, dafür hält der Bayern-Torwart aktuell zu souverän. Für ter Stegen ist das natürlich extrem bitter. Er hat einfach das Pech, zu einer Zeit auf dem Höhepunkt seines Könnens zu sein, zu der ein anderer Torwart ähnlich stark ist. Deutschland kann sich insgesamt glücklich schätzen, zwei so gute Torwarte zu haben und sollte die Diskussion über die beiden deshalb lieber ruhen lassen.

Manuel Neuer wird alles daran setzen möglichst lange und gut in der Nationalmannschaft zu spielen. Im Fußball darf man aber nie etwas ausschließen. Möglich also, dass ter Stegens Zeit noch kommt.