Start FCS Saarbrücken im Rausch

Saarbrücken im Rausch

Der 29. Oktober 2019 wird in die Analen des 1. FC Saarbrücken eingehen. Das ist jetzt schon sicher. Eine überragende Leistung der Saarländer beförderte eine pomadig agierende Erstligatruppe berechtigtermaßen ins Pokalaus. Saarbrücken war schlicht die bessere Mannschaft und wird sich nun entspannt am kommenden Sonntag anschauen, wer in der nächsten Runde das Problem hat, in Völklingen antreten zu müssen.

Dirk Lottner hatte überraschenderweise José-Pierre Vunguidica anstatt Mario Müller auf die linke Mittelfeldseite gestellt. Zentral agierten Fanol Perdedaj und Manuel Zeitz defensiv und Kianz Froese auf der 10. Im Sturm waren Gilli Jurcher und Sebastian Jacob unterwegs, während selbstverständlich Daniel Batz das Tor hütete und die aus den letzten Spielen bekannte und bewehrte Dreierkette aus Barylla, Schorch und Uaferro die Abwehr bildete.

Schon nach drei Minuten ließ Jurcher die Kölner mit einem strammen Abschluss ahnen, was noch kommen würde. Saarbrücken spielte frech mit und hatte in der ersten Halbzeit die Mehrzahl der Chancen. Einen Schuss des hervorragenden Froese konnte Horn gerade noch an den Pfosten lenken. Auf der andere Seite scheiterte Drechsler am erneut starken Daniel Batz. Auffällig war, dass die Kölner zwar gefällig bis zum Strafraum der Blau-Schwarzen kamen, dann aber einfach nicht genügend Durchschlagskraft entwickelten. Millionen-Mann Anthony Modeste enttäuschte vollkommen.

Mit dem Seitenwechsel änderten sich die Verhältnisse. Die Saarbrücker waren nun am Drücker und der „FC“ besann sich aufs Verteidigen. Das können sie nicht gut, wie die bisherigen Ergebnisse aus der Bundesliga dokumentieren. Nach einem scharf getretenen Freistoß von Fanol Perdedaj, kam der Ex-Kölner Christopher Schorch mit dem Kopf an den Ball, der noch abgefälscht wurde und über Timo Horn ins Gehäuse flog. 1:0 für den Viertligisten. Drei Minuten später passte Froese auf den blitzschnelle Gillian Jurcher, der einen Gegenspieler und Torwart Horn umkurvte und souverän einnetzte.

Der Kölner Trainer Beierlorzer reagierte, brachte Goalgetter Terrode für Risse, doch den Treffer zum 2:1 erzielte ein Saarländer: Jonas Hector. Der war an diesem Abend sicherlich einer der wenigen Aktivposten in Weißrot, doch auch er konnte leistungsmäßig nicht dokumentieren, dass er drei Klassen höher spielt als seine Landsleute Zeitz und Jacob. Dennoch brachten die Kölner ab Mitte der 2. Halbzeit endlich ein paar PS auf den Boden. Terrode bewies in der 84. Minute schließlich seine Extraklasse als er einen Pass von Cordoba direkt und unhaltbar für Batz abschloss. 2:2.

Üblicherweise wäre ein Viertligist nun erledigt. Lottner musste austauschen, denn Perdedaj und Jurcher, beide mit exzellenten Auftritten, waren kräftemäßig am Ende. Für sie kamen Mario Müller und Fabian Eisele. Doch den Schlusspunkt setzte Tobias Jänicke, der einen klugen Pass von Kianz Froese in der 90. Minute erst hochnahm und dann ins lange Eck ballerte, ohne Horn den Hauch einer Chance zu lassen.

Fazit: Ein Traum! Der 1. FC Saarbrücken präsentiert sich seit dem Sommer wieder als Einheit. Dies hat auch heute wieder zum Erfolg geführt, denn der gemeinschaftliche Wille des Teams war entscheidend, nicht die fußballerischen Möglichkeiten, die bei dem mit Nationalspielern gespicktem Kader der Kölner natürlich höher zu bewerten sind. Angesichts des traurigen Abgangs des Ex-Nationalspielers Hector nach dem Interview mit Sky-Reporter Klaus Veltman kann man sicherlich feststellen, dass Köln genau das fehlt, was Saarbrücken auszeichnet. Und wenn sich daran nichts ändert, weiß man, wo die Wege beider Mannschaften hinführen.

Herrschte im Saarland trotz der fabelhaften Bilanz des FCS bisher noch keine großartige Euphorie, so kam heute ein Vulkan zum Vorschein. Fans, Spieler, Trainer, Funktionäre, Sponsoren – alle lagen sich in den Armen und feierten ein großartiges Team.