Start Gesundheit & Fitness Für bessere Kommunikation zwischen Arzt, Pflege und Patient im Saarland

Für bessere Kommunikation zwischen Arzt, Pflege und Patient im Saarland

Foto: Richter/IKK Südwest

Experten diskutierten alarmierende Zahlen unerwünschter Ereignisse

Deutschland besitzt eines der besten Gesundheitssysteme weltweit – und trotzdem treten bei bis zu 800.000 im Krankenhaus behandelten Menschen sogenannte vermeidbare unerwünschte Ereignisse auf. 20.000 Krankenhauspatienten kommen deswegen jedes Jahr ums Leben. Grund dafür ist in 80 Prozent der Fälle eine mangelhafte Kommunikation. Diese alarmierend hohe Zahl an Toten, bei der es sich eben nicht um Opfer von klassischen Arztfehlern handelt, war für IKK Südwest-Vorstand Prof. Dr. Jörg Loth die Motivation, ein Buch herauszugeben, das sich mit den Ursachen der unerwünschten Ereignisse und ihrer multilateralen Bekämpfung beschäftigt – Ausgangspunkt der sich anschließenden Experten-Diskussion in der saarländischen Ärztekammer.

Nach dem Impuls von Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling, der feststellte, dass man trotz aller bereits bestehender guter  Regelungen „am Thema arbeiten müsse“ und Prof. Dr. Jörg Loths Vortrag, der mit dem Handlungsappell endete, hier im Saarland „ gemeinsam an einer konkreten Lösung zu arbeiten und nicht Schuldige sondern Lösungen zu finden“, lud  Werner Schreiber, Minister a.D. und Vorsitzender der Gesundheitsregion Saar e.V., die Gäste auf das Podium ein. Moderator Axel Mittelbach, stellvertretender Vorsitzender der Gesundheitsregion Saar e.V., diskutierte knapp zwei Stunden lang mit Prof. Dr. Kirstin Börchers, Expertin für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen, Prof. Dr. Daniel Grandt, Chefarzt der Inneren Medizin am Klinikum Saarbrücken und Gründungsmitglied des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e.V. auf nationaler Ebene, Stephan Kolling, Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Dr. Josef Mischo, Ärztekammer-Präsident des Saarlandes sowie Dr. Thomas Vaterrodt, Chefarzt SHG-Kliniken und stellvertretender Vorsitzender der Gesundheitsregion Saar e.V.

Die gesamte Diskussion stand unter dem Schwerpunkt einer guten Kommunikation zwischen Behandler und Patient sowie der Befähigung des Patienten und drehte sich vor allem darum, wie mehr Qualität in der Behandlung trotz knapper Zeitressourcen bei ärztlichem und Pflege-Personal durchgesetzt werden kann. Staatssekretär Kolling könnte sich neben der  Ausschöpfung aller gesetzlichen Hilfestellungen und einer transparenten Sicherheitskultur den Einsatz eines unabhängigen Ombudsmannes vorstellen. Er betonte, dass die Politik ihre Hausaufgaben gemacht habe und es jetzt an der Zeit sei, den Patienten auf Augenhöhe mit dem Behandler zu bringen. Prof. Grandt ist der Ansicht, dass Schadensereignisse verhindert werden können, indem man nicht fragt „Was kostet das?“ sondern „Wie sicher ist das?“. Qualitätsmanagerin Prof. Börchers spricht sich für eine „Patienten-Journey“ aus, in der Patienten alle Eindrücke ihres Aufenthaltes als genaues Behandlungs-Feedback zurückmelden. Dr. Vaterrodt spielte die ökonomische Karte aus, bei der mehr Qualität langfristig Einsparungen für ein Krankenhaus bedeutet. Ärztekammerpräsident Dr. Mischo weiß, dass es ein Bewusstsein für die Kommunikationsdefizite gibt, der Faktor Zeit jedoch der Gegenspieler sei. Er sieht daher alle Chefärzt*innen in der Pflicht, besondere Sprachkompetenz zu entwickeln. 

Prof. Loth fragte in der abschließenden Publikumsdiskussion nach der regionalen Antwort auf die unerwünschten Ereignisse: „Welche Botschaft geben wir ins Land?“ Er wünsche sich ein saarländisches Aktionsbündnis zur Bewältigung der angesprochenen Problematik. Die Expert*innen bewerteten die Notwendigkeit eines solchen Bündnisses unterschiedlich. Am deutlichsten sprach sich Ärztekammerpräsident Dr. Josef Mischo für die Idee des Krankenkassen-Vorstandes aus. Er habe Sympathie für diesen Vorschlag und würde sich freuen, wenn der Abend der Beginn eines Dialogs werden könne. Der Vorsitzende der Gesundheitsregion Saar e.V., Werner Schreiber, kündigte ebenfalls an, die Bildung eines solchen Aktionsbündnisses zu unterstützen.