Krankenhausplan im Saarland: Da hilft nur noch beten!

Eine Mutter vom Land (Raum Tholey-Lebach) berichtete über einen Hausarzt, der angesichts einer unerklärlichen Entzündung bei ihrem Kind nicht mehr weiterwusste und sie mit der Empfehlung nach Hause entließ, sie solle doch „brauchen.“ Im nördlichen Saarland wussten Ältere damals noch, dass dies eine gangbare Methode des Besprechens oder Gesundbetens war, Zauberei also im Einklang mit christlicher Frömmigkeit. Der Mediziner wusste, dass er mit seinem Latein am Ende war. Sein Rat war ein nicht ganz ernst gemeintes Eingeständnis der Grenzen seiner Heilkunst. 

Ein solcher Akt der Selbsterkenntnis fehlt unserer Landesregierung und deren Gesundheitsministerin Monika Bachmann angesichts der aktuellen Krankenhausschließungen: Dillingen und Wadern sind schon Vergangenheit, Ottweiler und Lebach werden folgen und über Merzig und Losheim wird spekuliert. Eine eher virtuelle „Nordsaarlandklinik“ steht als Wunschziel im Raum, für die aber noch ein „Investor“ gesucht wird. „Marienhaus GmbH“, „Cusanus-Stiftung“ etc. ziehen sich mangels Rendite in christlicher Demut aus den ländlichen Standorten zurück. Die zuständige Ministerin, der Landrat und die Gemeindechefs zeigen sich fassungslos, überrascht und schockiert, sie beklagen eine intransparente Informationspolitik der Trägergesellschaften. Nicht nur bezüglich der Transparenz kirchlicher Einrichtungen war der bisherige Krankenhausplan der Regierung auf Wunschdenken gegründet. Er ignorierte veränderte Bedingungen der Krankenhausfinanzierung und ist zum Nachteil der Beschäftigten und Bevölkerung jetzt offensichtlich Makulatur! 

Angesichts dieser Lage, die ihre Ursache nach dem Urteil von Fachleuten hauptsächlich im Finanzierungssystem der Krankenhauslandschaft hat, kündigt die Ministerin an, dem Bischof von Trier am 17. März 2020 ihre Aufwartung zu machen. Sie will genau die Trägergesellschaften, die sie vor vollendete Tatsachen gestellt haben, zum Engagement bei einer Nordsaarlandklinik motivieren. Herr Ackermann wird sie gewiss freundlich empfangen und ebenso freundlich an seiner frommen Fassade abtropfen lassen. Zu Recht: Für die Finanzierung des Gesundheitswesens und die Strukturpolitik des Landes ist er die falsche Instanz. Überdies wird ein erheblicher Teil der Bevölkerung im gesundheitlichen Ernstfall womöglich eine gute klinische Versorgung für wichtiger erachten als den Segen eines Bischofs.

Ministerielle Verantwortung und politischer Lösungswille sähen anders aus: Der Bevölkerung müsste klarer Wein eingeschenkt werden, einschließlich der Feststellung, dass kleine Standorte unter den gegebenen Umständen nicht zu halten sind, sofern die Träger – ob kirchlich oder privat – schlicht und einfach betriebswirtschaftlich rechnen müssen. Die Krise der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum müsste Anlass geben, eine Stärkung staatlicher Handlungsfähigkeit einzufordern. Durch eine Gesundheitspolitik in Bund und Ländern, die Daseinsvorsorge auch abseits der Metropolen ermöglicht, statt allein in Fallpauschalen zu rechnen und Profitorientierung zu belohnen. Auch das wäre ein Konjunkturprogramm in der „Corona-Krise“.

Die Ministerin und die Koalition müssten „mehr Staat machen“. Stattdessen wird nach Trier gepilgert in der Hoffnung auf kirchliche Trägerschaft und mit der Folge, dass eine „Nordsaarlandklinik“ ihr Personal unter die Fuchtel einer katholischen Personalpolitik stellen müsste. Man wüsste zwar noch nicht an welchem Standort medizinische Fachkräfte gebraucht würden, aber schon welchen Lebenswandel man von ihnen erwartet. 

Bei einer solchen Politik hilft wirklich nur noch beten!

Sepp Korn

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