FK Pirmasens fordert DFB-Präsident Keller zum Saisonabbruch auf

 Sehr geehrter Herr Keller,

die derzeitige Pandemie stellt für unsere Gesellschaft in allen Bereichen eine bisher nie dagewesene Herausforderung dar, die nur mit Vernunft und gemeinsam zu bewältigen ist. Im Vordergrund muss dabei sicherlich der Gedanke stehen, die Gesundheit aller Bürger zu schützen. Als Vereinsvorsitzende des Fußballklubs 03 Pirmasens halten wir dies, was den Bereich des Sports betrifft, durch die momentane Aussetzung aller laufenden Wettbewerbe sowohl in Deutschland, als auch nahezu in der gesamten Welt, für gewährleistet. Aber es stellt sich nunmehr natürlich auch für uns die Frage, wie es künftig mit dem Fußball weitergehen wird, wenn eine entscheidende Besserung der Situation eintritt, was wir Alle hoffen.

Die Meinungen, sowohl bei den Vereinen, als auch bei den einzelnen Regionalverbänden gehen dabei auseinander und reichen von Abbruch bzw. Beendigung des laufenden Spieljahres zum 30.06. bis zur Fortführung der Saison 2019/20, frühestens ab September 2020. Die in Kürze anstehenden Entscheidungen beinhalten für alle Vereine – von der 1. Bundesliga bis zur Kreisklasse – auch in wirtschaftlicher Hinsicht weitreichende Konsequenzen. Wir möchten Ihnen aus Sicht unseres Amateurvereins unsere Überlegungen zu diesem Thema erläutern.

Der FK Pirmasens besteht seit dem Jahr 1903 und genießt in ganz Deutschland als Traditionsverein mit ruhmreicher Vergangenheit ein sehr hohes Ansehen.  Der Verein ist, auch in schwierigen Zeiten, die wir durchmachen mussten, stets all seinen Zahlungsverpflichtungen nachgekommen. Ein besonderes Augenmerk richten wir auf unsere Jugendarbeit. Wir bieten mehr als 150 Kindern und Jugendlichen eine Plattform, um ihnen durch ihre Teilnahme an unserem Vereinsleben moralische Werte zu vermitteln und ihnen den Gemeinschaftsgedanken unabhängig von ihrer Nationalität näher zu bringen. Dies ist sicherlich in Zeiten, in denen sich die Mehrzahl aller Vereine – nicht nur im Fußball – einem Rückgang an jugendlichen Sporttreibenden stellen muss, keine Selbstverständlichkeit. Allein dieser Bereich ist sehr kostenaufwändig und nur mit sehr viel Mühe zu stemmen. Wir sind sehr stolz, dass unser Verein durch solides Wirtschaften in der Vergangenheit schuldenfrei ist, obwohl unsere beiden aktiven Mannschaften in der Regionalliga bzw. in der Verbandsliga und fast alle unsere Jugendmannschaften in den höchsten Spielklassen spielen. Die Südwestpfalz ist bekanntermaßen in wirtschaftlicher Hinsicht eine sehr strukturschwache Gegend. Dies wirkt sich selbstverständlich auch auf unseren Verein negativ aus, z.B. bei den Zuschauerzahlen der Heimspiele unserer Mannschaften. Auch sind die hier ansässigen Unternehmen nicht auf Rosen gebettet. Trotzdem freut es uns, dass wir viele Klein- und Mittelstandsbetriebe als Sponsoren gewinnen konnten, die den Verein seit Jahren unterstützen. Ohne deren Hilfe wäre ein Sportverein in unserer Größenordnung nicht überlebensfähig. Ebenso sind sowohl die Vorstandschaft, als auch alle sonstigen Gremien beim 

FKP mit Personen besetzt, die ihre Aufgaben ehrenamtlich erfüllen und sogar an den Spieltagen Dienste im Stadion, z.B. als Kassierer oder bei der Ausgabe von Speisen und Getränken, regelmäßig übernehmen. Auch versuchen wir dem allgemeinen Trend des Mitgliederrückgangs innovativ und aktiv entgegenzuwirken. Im Jahr 2015 gründeten wir eine Abteilung für American Football, die sich so erfolgreich entwickelte, dass sie aus unserem Verein nicht mehr wegzudenken ist. Um weiter auf dem Laufenden zu bleiben, beschäftigen wir uns aktuell mit der Integration des „e-Sports“ einer sicher zukunftsorientierten Variante, in unseren Verein.

Kommen wir aber nun zum eigentlichen Punkt unseres Schreibens. Für den FK Pirmasens, dessen 1. Mannschaft derzeit in der Regionalliga Südwest antritt, stellt die Beendigung der laufenden Saison 2019/20 zum regulären Zeitpunkt 30.06.2020 die einzig logische und richtige Möglichkeit dar, den deutschen Amateurfußball künftig in geordneten Bahnen weiterlaufen zu lassen. Wir befinden uns da auf einer Wellenlänge mit der Mehrzahl der Vereine aus den Regionalligen Nordost und West, welche sich ebenfalls für die gleiche Lösung aussprechen. Ich denke auch, dass sich bei einer Befragung in der Regionalliga Südwest ein ähnliches Ergebnis ergeben würde, wie wir bereits aus einigen Telefonaten mit Vereinsvertretern herauslesen konnten.   

Eine Weiterführung der laufenden Saison, möglicherweise ab September, halten wir für völlig sinnfrei. Es bestehen Verträge mit Spielern, die zum 30.06. auslaufen und bei denen eine Weiterbeschäftigung über diesen Zeitpunkt hinaus unter Umständen arbeitsrechtliche Probleme mit sich bringen könnte. Hinzu kommt, dass dann keine Verhandlungen mit Spielern oder potentiellen Neuzugängen geführt werden können, weil nicht klar ist, ab wann und in welcher Spielklasse man überhaupt wieder antreten kann.

Die Verträge mit unseren Sponsoren gelten für diese Saison und enden mit Ablauf der Runde. Eigentlich wären jetzt Gespräche über ein weiteres Engagement bezüglich der nächsten Saison zu führen. Wir können unseren Geldgebern allerdings zum jetzigen Zeitpunkt schlecht vermitteln, dass wir sie jetzt schon wieder zur Kasse bitten müssen, wenn die Spielzeit überhaupt noch nicht beendet ist und nicht klar ist, wann sie überhaupt abgeschlossen werden kann. Außerdem leiden auch die Unternehmen selbst finanziell unter der Pandemie. In den kommenden Monaten können deswegen keinerlei Einnahmen generiert werden, fixe Kosten bestehen allerdings weiterhin. Das bedeutet im Endeffekt, dass eine Planungssicherheit gänzlich fehlt. Der angedachte Termin zur Fortführung der Runde Anfang September ist reine Spekulation. Ein solches Szenario würde unseren momentan wirtschaftlich gesunden Verein, wie sicherlich die Mehrzahl aller Klubs, finanziell in eine nicht mehr kontrollierbare Situation manövrieren und unserer Meinung nach eine Welle von unverschuldeten Insolvenzen auslösen.

Als Hauptargument für eine Weiterführung der Saison wird das Haftungsrisiko der Fußballverbände angeführt. Auch ein solches können wir nicht erkennen. Lässt man die jeweiligen Tabellenführer in die nächst höheren Klassen auf- und keine Mannschaft absteigen, kann die nächste Saison mit mehr Vereinen pro Liga durchaus termingerecht durchgeführt werden. Klagen könnten höchstens die Tabellenzweiten oder -dritten, welche eventuell noch Aussicht auf die Meisterschaft hätten. Wir müssen allerdings in der Corona-Krise in allen Lebensbereichen erhebliche Einschränkungen unserer Grundrechte in Kauf nehmen. Deshalb können wir uns nicht vorstellen, dass auf Grund dieser „höheren Gewalt“ eine mögliche Klage Aussicht auf Erfolg hätte.

Alle Großereignisse, im Gesellschaftsleben wie im Sport, wurden für dieses Jahr abgesagt. Deswegen wäre es gerade für den Amateurfußball unbedingt geboten, dieser Richtlinie zu folgen.

Wir wissen, dass eine schwierige Entscheidung vor Ihnen und Ihren Gremien liegt. Schließlich kann man es nicht Jedem recht machen. Der Deutsche Fußball Bund betont stets seine Solidarität mit dem Amateurfußball. Wir möchten Sie zum Schluss unserer Ausführungen persönlich aus einem Interview mit dem Sportmagazin „Kicker“ zitieren: „Wir kämpfen für den Erhalt des gesamten Sports und wollen die einzigartige Vielfalt und Vereinsstruktur, um die wir im Ausland beneidet werden, erhalten“.

Auch wir sehen den Amateursport als eine unumstößliche Säule unseres Zusammenlebens an, dessen Erhaltung für unser gesellschaftliches Miteinander unabdingbar ist. Bitte sorgen Sie dafür, dass diesem Bereich kein irreparabler Schaden zugefügt wird.

Mit sportlichen Grüßen

Gez. Präsidium und Aufsichtsrat des FK 03 Pirmasens

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