Blieskastel: Ein beliebtes Ausflugsziel kann endlich saniert werden

Zur Sanierung des Alexanderturms gewährt Umwelt- und Verbraucherschutzminister Reinhold Jost eine Zuwendung in Höhe von 114.000 Euro aus LEADER-Fördermitteln.

Es gibt unzählige sehenswerte Ecken in unserer Region, die man erwandern kann. Eine der schönsten ist nicht zuletzt die kulturhistorisch bedeutende Ruine des Alexanderturms nahe der L 103 auf dem zwischen Böckweiler und Breitfurt gelegenen Kahlenberg, der höchsten Erhebung des Bliesgaus. 1893 mit einer Höhe von 26 Metern vom adeligen Baron Alexandre Louis Guillaume Jacomin de Malespine erbaut, verschaffte dieser Aussichtspunkt damals einen stattlichen Ausblick über die umliegende Landschaft. Malespine, dessen Eltern 1829 den Kahlenberger Hof sowie den Kirchheimer Hof erworben hatten, ließ das Bauwerk für Natur- und Wanderfreunde errichten. 1939 wurde der Turm im Vorfeld des beginnenden Krieges von der deutschen Wehrmacht gesprengt. Was blieb, ist die heutige Sockelruine des Erdgeschosses. „Es ist schon ein denkwürdiges Ereignis, dass nun fast auf den Tag 75 Jahre nach Kriegsende der Startschuss für die Sanierung der Ruine und damit den Erhalt eines Zeugnisses der wechselvollen Geschichte in unserer Region erfolgt“, hob der aus Breitfurt stammende Beigeordnete Guido Freidinger die kulturhistorische Bedeutung des Projektes hervor.

Die Turmruine ist nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel, ein Wiederaufbau seit langem Herzenswunsch Vieler. Gänzlich dem Erhalt des beliebten Ausflugzieles verschrieben hat sich die vor vielen Jahren gegründete „Fördergemeinschaft Wiederaufbau Alexanderturm e.V.“. In zahlreichen Gesprächen mit Denkmalpflegern und Umweltorganisationen verabschiedete man sich dann aber nicht zuletzt aus Kostengründen von dem Ziel eines naturgetreuen Wiederaufbaus. Die verbliebenen Aktiven um ihren Vorstand Walter Schmidt, Gerhard Weinland, Reiner Freidinger und den ehemaligen Bürgermeister Dr.Werner Moschel erarbeiteten in Eigeninitiative einen Bauantrag für die Sanierung der sonst dem Verfall preisgegebenen Ruine. Die erste Projektstufe sieht neben der baulichen Erhaltung und Restaurierung des Natursteinsockels auch den Einbau einer Spindeltreppe vor, über welche man eine neue Aussichtsplattform über der Ruine erreichen kann. Zur Finanzierung wurde über die Stadtverwaltung nun im vergangenen Dezember mit Unterstützung der Lokalen Aktionsgruppe Biosphärenreservat Bliesgau e.V. (LAG) ein LEADER-Antrag gestellt (Liaison entre actions de développement de l’économie rurale = Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Über dieses Programm der Europäischen Union werden seit 1991 modellhaft innovative Aktionen zur Entwicklung des ländlichen Raums gefördert.

114.836 Euro aus diesem Fördertopf (75% aus EU-, 25% aus Landesmitteln) gibt es nun gemäß Zuwendungsbescheid vom 23. April zu den geplanten Ausgaben in Höhe von 149.244,64 Euro für die erste Baustufe. Zur Deckung der verbleibenden Mittel hat der rührige Förderverein, der bisher keine städtischen Haushaltsmittel in Anspruch nimmt, in den letzten Jahren stolze 34.000 Euro an Spendengeldern eingesammelt. Im Rahmen eines Besichtigungstermins am 9. Mai lobte Minister Reinhold Jost insbesondere dieses ehrenamtliche Engagement und betonte auch die Bedeutung solcher Projekte für Stadt und Region. Das Vorhaben sei mit einer historischen Geschichte verbunden, die nun weitererzählt werden könne und passe hervorragend in die Strategie der nachhaltigen Tourismus- und Wanderregion Biosphäre Bliesgau. Der Minister will sich außerdem für die Herstellung und Bereitstellung neuer Ruhebänke einsetzen, die dann Wanderern nahe dem Turm einen Rastplatz zum Verweilen bieten sollen.

Mit der Förderzusage und der Baugenehmigung kann nun die Ausschreibungsphase für den ersten Bauabschnitt starten. In einem weiteren Schritt will man später in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ruine einen zeitgemäßen Turm aus Cortenstahl, einem wetterfesten Baustahl, realisieren. Mehrere mit Treppen verbundene, blattförmige Zwischenstufen sollen dort auf eine höher gelegene Aussichtsplattform führen. Baupläne hat der Förderverein bereits vorgelegt, „Wegen der damit verbundenen, auf eine runde Million Euro geschätzten Kosten noch ein langer Weg“, wie Reiner Freidinger, der zusammen mit Ortsvorsteher Ruf dem Minister die Pläne erläuterte, mutmaßt. Auch bei dieser Finanzierung hoffe man dann zu gegebener Zeit wieder auf entsprechende Fördermittel. (ub)

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