Wenn der 1. FC Saarbrücken am Samstag beim FC Erzgebirge Aue antritt, steht für beide Traditionsvereine weit mehr als ein gewöhnliches Drittligaspiel auf dem Programm. Der Tabellen-16. Saarbrücken trifft auf den Tabellen-17. aus Sachsen – den ersten direkten Abstiegsrang. Angesichts der Konstellation ist die Partie für beide Mannschaften von enormer Brisanz. Es gibt viel zu gewinnen und auch viel zu verlieren. Reine Nervensache? Morgen um 16 Uhr werden wir schlauer sein.
Während der FCS seit mittlerweile 15 Spielen auf einen Sieg wartet, hat Aue nach zuletzt enttäuschenden Ergebnissen die Reißleine gezogen und sich von Trainer Jens Härtel getrennt. Mit Christoph Dabrowski steht nun ein neuer Verantwortlicher an der Seitenlinie, der ausgerechnet gegen den Konkurrenten 1. FC Saarbrücken sein Debüt feiern wird. Für den FCS erschwert dies die Vorbereitung erheblich, denn belastbare Rückschlüsse auf die taktische Ausrichtung der Sachsen sind nur bedingt möglich.

Christoph Dabrowski nutzt die kurze Vorbereitungszeit vor seinem ersten Spiel, um sowohl an der Fitness als auch an taktischen Details zu arbeiten. Die ersten Eindrücke vom Team beschreibt er als positiv. „Die Mannschaft hat schon eine Bereitschaft gezeigt, Dinge umzusetzen. Die Stimmung war energetisch und die Arbeit war dementsprechend so, dass die Jungs sehr fleißig waren“, erklärte der neue Aue-Coach.

Nach intensiven Trainingstagen mit Belastungssteuerung sowie taktischen Inhalten – zunächst im Spiel mit, anschließend im Spiel gegen den Ball – sieht Dabrowski sein Team auf einem guten Weg. Gerade im Abstiegskampf setzt er auf mentale Stabilität und Zusammenhalt. „Man braucht langen Atem, man muss immer wieder versuchen positiv zu bleiben, das heißt auch Rückschläge zu verkraften, man braucht Geschlossenheit und vor allem eine Gemeinschaft, die daran glaubt, es gemeinsam zu schaffen.“
Formtabelle – letzte fünf Spiele (Platz 13–20)
| Platz (Form) | Verein | Spiele (Form) | Siege | Remis | Niederlagen | Punkte (Form) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | TSV Havelse | S – U – S – N – S | 3 | 1 | 1 | 10 |
| 2 | Jahn Regensburg | S – U – N – N – S | 2 | 1 | 2 | 7 |
| 3 | SSV Ulm 1846 | N – N – N – S – S | 2 | 0 | 3 | 6 |
| 4 | Alemannia | N – U – N – S – U | 1 | 2 | 2 | 5 |
| 5 | Erzgebirge Aue | U – S – N – N – N | 1 | 1 | 3 | 4 |
| 6 | 1. FC Saarbrücken | U – U – U – N – N | 0 | 3 | 2 | 3 |
| 7 | VfB Stuttgart II | N – S – N – N – N | 1 | 0 | 4 | 3 |
| 8 | Schweinfurt 05 | N – N – S – N – N | 1 | 0 | 4 | 3 |
Die Aufgabe gegen Saarbrücken bewertet Dabrowski als enorm wichtig. Zugleich sieht er im Gegner trotz dessen Ergebniskrise weiterhin große Qualität. „Es ist eine Mannschaft, die in die Saison gestartet ist mit hohen Ambitionen, die mit den höchsten Liga-Etat und dementsprechend viel individuelle Qualität in den Reihen hat. Aber man sieht, dass die Mannschaft natürlich Probleme hat.“
Die aktuelle Verunsicherung beim FCS wolle man gezielt ausnutzen. Auch die Heimstärke im Erzgebirgsstadion soll wieder ein Faktor werden. Dabrowski betont: „Ich bin nicht gerne nach Aue gefahren, weil es immer unangenehm war, hier zu spielen – und diese Härte sollten wir auch auf den Platz bringen.“

Saarbrücken unter Zugzwang – Luginger fordert Umsetzung auf dem Platz
Beim 1. FC Saarbrücken ist die Situation ebenfalls angespannt. Trainer Jürgen Luginger muss weiterhin auf mehrere verletzte Spieler verzichten, darunter Multhaup, Sonnenberg, Nickisch und Naifi. Auch Brettschneider fällt krankheitsbedingt aus. Sportlich sieht Luginger dennoch Fortschritte im Trainingsbetrieb. „Die Mannschaft hat sehr, sehr gut trainiert.“, erklärte der Trainer während der Pressekonferenz am späten Donnerstag Nachmittag. Entscheidend sei nun, die Trainingsleistungen im Spiel umzusetzen: „Wenn wir den Transfer schaffen, auch im Spiel, bin ich mir sicher, dass wir drei Punkte holen können.“
Die Bedeutung der Partie ist dem FCS-Trainer bewusst, wenngleich er sie nicht als endgültiges Schlüsselspiel deklarieren will. „Es ist Abstiegskampf. Klar, wenn du drei Punkte holst, hast du keine große Luft, aber einfach mal ein positives Erlebnis, weil wir schon lange darauf warten.“ Gleichzeitig betont Luginger, dass der Abstiegskampf vermutlich bis zum letzten Spieltag andauern werde.
Letzte direkte Duelle im Überblick
| Datum | Wettbewerb | Ergebnis | Besonderheiten |
| 30.08.2025 | 3. Liga | Saarbrücken 4:1 Aue | 2 Tore Florian Pick |
| 08.04.2025 | 3. Liga | Saarbrücken 2:0 Aue | Souveräner Heimsieg FCS |
| 02.11.2024 | 3. Liga | Aue 1:1 Saarbrücken | Tor durch Marcel Bär |
| 09.03.2024 | 3. Liga | Saarbrücken 2:0 Aue | – |
| 07.10.2023 | 3. Liga | Aue 2:0 Saarbrücken |
Besondere Brisanz erhält das Spiel durch den Trainerwechsel beim Gegner. Luginger erwartet dadurch zusätzliche Motivation bei Aue: „Da wird sich jeder Spieler noch mal mehr zeigen wollen oder auch die Spieler, die jetzt erstmal hinten dran waren.“
Abwehrspieler Lasse Wilhelm hebt trotz der sportlichen Krise den positiven Teamgeist hervor. „Wir gehen in der Mannschaft ganz gut damit um. Wir wissen, wie wichtig jetzt die Zeit ist, die kommt“, erklärte der Defensivspieler. Der 21-Jährige fordert Mut im Spielaufbau, auch wenn die Ergebnisse zuletzt ausblieben. „Wir müssen uns auf unser Spiel konzentrieren, weiter mutig spielen und unser Spiel versuchen durchzukriegen.“ Die schwierige Tabellensituation sieht Wilhelm als Herausforderung, der sich das Team bewusst stellt. Trotz der langen Sieglosserie beschreibt er die Stimmung als weiterhin intakt: „Obwohl wir jetzt so eine Serie hinter uns haben, ist es trotzdem noch eine gute Stimmung.“
Defensive Schwächen und Chancenverwertung
Torhüter Phillip Menzel benennt die zentralen Ursachen für die sportliche Talfahrt offen. „Wir haben wirklich viele Situationen, wo wir dann natürlich auch immer eiskalt bestraft werden“, erklärte der Keeper mit Blick auf defensive Nachlässigkeiten. Zudem fehlt dem FCS aktuell die Effizienz im Angriff. „Im Gegenzug fehlt uns halt einfach so ein bisschen das Spielglück und so ein bisschen einfach die Konsequenz vorne, die Dinger rein zu machen.“
Auch Standardsituationen gelten als Problemfeld. Trotz zahlreicher Eckbälle blieb die Torausbeute gering, während zuletzt mehrere Gegentore nach ruhenden Bällen kassiert wurden. Menzel fordert daher eine kompromisslose Herangehensweise im Erzgebirge: „Wir müssen absolut auf 100 Prozent sein. Wir müssen Vollgas geben, Zweikämpfe annehmen – in Aue ist es immer eklig zu spielen.“
Wir gehen von folgender Startaufstellung aus:
Menzel – Rizzuto, Wilhelm, Bormuth, Bichsel – Krahn, Sontheimer, Civeja – Pick, Baumann, Elongo-Yombo
Die Vorbereitung auf Aue gestaltet sich für Saarbrücken kompliziert. Während Dabrowski in früheren Stationen für strukturierten Ballbesitzfußball stand, ist offen, welche taktische Ausrichtung er kurzfristig implementieren kann. Auch Jürgen Luginger räumt ein, dass Prognosen schwierig sind: „Neuer Trainer, vielleicht wieder neue Ideen. Aber die Assistenztrainer sind ja nach wie vor auch da.“ Klar ist, dass der ehemalige Saarbrücker Julian Günther-Schmidt nicht gegen seine Ex-Kollegen antreten kann. Er laboriert an einem Außenbandriss.
Menzel sieht die Verantwortung vor allem beim eigenen Team: „Wir müssen jetzt einfach die Punkte holen, egal wie. Wenn wir unser Spiel durchziehen und konsequenter sind, dann ist egal, wer der Trainer ist.“ Die Partie findet in einem traditionell kampfbetonten Umfeld statt. Das Erzgebirgsstadion gilt seit Jahren als schwer zu bespielender Ort, allerd ings mit tollem Panorama und dem berühmten Nudeltopf. Rund 400 bis 450 Saarbrücker Anhänger werden ihr Team begleiten und hoffen, dass die Mannschaft endlich ihre Negativserie beendet.
