Dienstag, Mai 11, 2021

Airsoft – Streit um Aktivitäten in privatem Waldstück in Altenwald

Politik

Bild oben: Ralf Deutscher, Dominoc Roth und Frank Brech von den Black Dog´s Airsoftteam Saarland

Viele Anwohner des Waldstücks zwischen Skateranlage und Altenwalder Friedhof sind entsetzt. Seit einem Jahr hat das „Black Dog´s Airsoftteam Saarland“ den 57.000 qm großen Streifen, der den Hang hoch bis zur Waldschule reicht, gepachtet. Dort sollen künftig Airsoftspiele veranstaltet werden.

Airsoft? Bei dem Spiel, das mit authentisch anmutenden Waffen betrieben wird, geht es darum, Ziele zu erobern und die „Gegner“ abzuschießen. Ziel kann dabei das Halten einer Flagge durch eine Spielpartei oder die Eroberung eines Objekts sein. Die Teams beschießen sich mit „BB“s. Das sind Kugeln von einem Durchmesser von 6mm. Die Waffen, die einem maximale Kraft von 7,5 Joule besitzen dürfen, unterliegen dem deutschen Waffengesetz und dürfen nur in abgeschlossenen Koffern zum Einsatzort verbracht werden.

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Die Anwohner am Altenwalder Friedhof fühlen sich durch die Aktivitäten der Black Dog´s Airsoftteam Saarland gestört. Sie halten es für ein Unding, dass Kriegsspiele unmittelbar neben dem Friedhof und der Waldschule stattfinden sollen.

Informiert man sich im Internet über den Sport, stößt man unmittelbar auf Gruppen in Militärkleidung, die mit vorgehaltenen Waffen einen martialischen Eindruck hinterlassen. „Die will hier keiner!“ stellt dann auch eine Anwohnerin fest. Etwa 20 Männer, Frauen und Kinder haben sich am Ostersamstag auf dem Parkplatz vor dem Waldgelände versammelt, um ihren Befürchtungen Ausdruck zu verleihen.

Im vergangenen Jahr habe es nachts Schüsse gegeben, die durch das halbe Dorf hörbar gewesen seien. Kinder und Haustiere wurden erschreckt. Einige haben sich schließlich kundig gemacht und versucht, Informationen über das, was dort im Wald passiert, herauszubekommen. Kontakte, die via facebook entstanden, verliefen nicht selten unfreundlich. Und die Leute stellen sich die Frage, ob es rechtens ist, was da zwischen Skateranlage, Friedhof und Schule passiert.

Anfragen an das Bauamt der Stadt Sulzbach bestätigten ihnen, dass keine Genehmigung vorliege. Man wurde auf die nächsthöhere Instanz verwiesen. „Das Spielen in einem öffentlich zugänglichen Waldgebiet entspricht nicht den vom Gesetz geforderten Voraussetzungen und ist daher verboten“ kann man beispielsweise bei Wikipedia lesen. Voraussetzung wäre nun, auch das steht in dem Wikipedia-Beitrag, dass das Gelände eingefriedet würde. Damit haben die „Black Dog´s“ begonnen. Netze spannen sich vom Bürgersteig aus sichtbar entlang der Straße.

Doch das missfällt den Anwohnern. „Seitdem stehen die Rehe auf dem Friedhof oder an der Skateranlage. Die wissen gar nicht mehr, wohin“. Die Vorstellung, dass im Wald vor ihrer Haustür laufend Schießereien stattfinden könnten, finden sie unerträglich. Nicht nur wegen des befürchteten Lärms, sondern auch, weil direkt gegenüber der Friedhof und die Schule liegen. Orte, die das genaue Gegenteil dessen erforderten, was man jetzt dort installiere, nämlich Ruhe und Sicherheit. Und: „Es ist das letzte Stückchen Natur hier in diesem Bereich. Das soll uns nun weggenommen werden.“

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Die Waffen sehen täuschend echt aus und unterliegen auch dem Waffenrecht. Das bedeutet, dass sie nur in einem verschlossenen Behältnis zum Spielort transportiert werden dürfen, Waffe und Munition getrennt.

Es herrscht Misstrauen. Auch, weil man das „Black Dog´s Airsoftteam Saarland“ in keinem Vereins- oder sonstigem Register finden kann. Kurz: Bei den Versammelten herrscht die einhellige Meinung, dass die Black Dog´s und ihr Sport nicht an diese Stelle gehören und sie wollen diese auch nicht dulden.

Zwei Tage später treffen wir uns mit den Black Dog´s, bzw. deren Vertreter. Die Sache mit dem Verein lässt sich schnell klären: „Wir wollten keinen Verein gründen, weil das Verpflichtungen und finanzielle Belastungen mit sich gebracht hätte“, erklärt Dominic Roth, der Vorsitzende des Clubs, wie sie sich stattdessen bezeichnen. Alles, was auf dem Gelände passiere, werde direkt von den Mitgliedern bezahlt, wie es eben gehe.

Angesprochen auf den Vorfall vor einem Jahr, als Schüsse die Nachbarschaft aufschreckten, bestätigen die drei Herren. Allerdings seien es Jugendliche gewesen, die an der Skateranlage Knallkörper gezündet hätten, während die Black Dog´s auf ihrem Gelände grillten. Die Polizei könne dies bestätigen, denn die sei damals auch zu ihnen gekommen. Und deshalb demonstrieren sie auch wie die Waffen verpackt sind und sie feuern sie ab, damit klar wird, welche Schussgeräusche zu erwarten sind. „Die Anwohner werden nichts davon mitbekommen. Vielleicht einmal ein „Plopp““ sagt Ralf Deutscher, der im nahen Friedrichsthal lebt.

Noch habe ohnehin kein Spiel stattgefunden. Wenn das Gelände soweit hergerichtet sei, werde man zuerst das Ordnungsamt und die Polizei benachrichtigen, um sicherzustellen, dass alles okay sei und man deren Freigabe erhalte. Eine Genehmigung brauche man allerdings nicht. Als Pächter des ehemaligen RAG-Geländes müsse man lediglich Sorge dafür tragen, dass keine Kugel das Gelände verlasse. Das wollen die Black Dog´s zu 100 Prozent gewährleisten. Einerseits sei der Spielbetrieb in dem Bereich vorgesehen, der sich von der Straße am Friedhof aus betrachtet, hinter der Kuppe befindet, also von der Wohnbebauung abgewandt. Außerdem verhinderten die 1,80 Meter hohen Fangnetze, dass die Kugeln den vorgesehenen Sektor verlassen könnten. Diese „BB“s genannten Kugel bestünden darüber hinaus aus gepresster Maisstärke und stellten keine Gefahr für die Waldtiere dar. Die Netze besäßen darüber hinaus Öffnungen, damit das Wild durchziehen könne.

„Wir sind keine Militärfanatiker oder Waffenfreaks. Wir wollen niemandem etwas Böses“ versichert Ralf Deutscher. „Wenn jemand Vorschläge hat, wie wir etwas verbessern können, dann sind wir gerne dazu bereit“ sagt er und lädt auch die Kritiker ein, mit ihm und seinen Kollegen in den Dialog zu treten. Man halte sich an alle Richtlinien und betreibe den Sport als Ausgleich zum Job. Gespielt werde ausschließlich am Wochenende, wenn die Schule geschlossen sei. Natürlich würde man auch mal gemeinsam grillen oder mit den Familien eine Nachtwanderung unternehmen. Doch solange Corona herrsche, würde man das Gelände herrichten. Im angrenzenden Bereich zur Skateranlage soll noch ein Wall zur Abgrenzung aufgeschüttet werden. Eine Erweiterung des Geländes um 110.000 qm habe die RAG ihnen angeboten, doch das Angebot wollen die Black Dog´s nicht annehmen.

Die Stadtverwaltung hat offensichtlich zwischenzeitlich zu einem Treffen am kommenden Mittwoch eingeladen. Um 16 Uhr sollen sich Anwohner und Black Dogs zusammen mit Bürgermeister Adam zu einem Schlichtungsgespräch treffen.

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