Merzig/Saarland – Angesichts steigender Fallzahlen bei häuslicher Gewalt haben die Grünen im Landkreis Merzig-Wadern ein deutliches Zeichen gesetzt. Mit einem Informationsstand in der Merziger Innenstadt machten sie auf die prekäre Lage von betroffenen Frauen aufmerksam und forderten die Landesregierung zum Handeln auf.
Rund um den „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ organisierten Mitglieder des Kreisverbandes Merzig-Wadern von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Feminismus & Gleichstellung am 22. November 2025 eine Informationskampagne. Die Aktion in Merzig war dabei Teil einer breiteren Initiative, die auch mit Ständen in Saarlouis und Saarbrücken präsent war. Ziel der Initiatorinnen war es, die Forderungen des Landesverbandes nach einem konsequenten Ausbau der Gewaltschutzstrukturen im Saarland in die Öffentlichkeit zu tragen.
Dringender Handlungsbedarf bei Hilfsangeboten
Die Situation im Saarland ist angespannt. Petra Port, Kreisvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Saarlouis, wies auf die Diskrepanz zwischen dem Ausmaß der Gewalt und den vorhandenen Hilfsstrukturen hin. „Die Zahlen sind alarmierend: Jede dritte Frau in Deutschland erlebt körperliche oder sexualisierte Gewalt, doch nur ein Bruchteil der Fälle wird angezeigt“, betonte Port.
Kritik übte sie vor allem an der lückenhaften Versorgung im Bundesland. „Im Saarland fehlt es an flächendeckenden Angeboten“, so Port weiter. Um die Situation nachhaltig zu verbessern, brauche es mehr als punktuelle Maßnahmen: „Wir brauchen endlich eine landesweite Strategie, die Opferschutz, Täterarbeit und Aufklärung verzahnt.“
Gewaltschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Auch Veronika Morbe, Vorsitzende des Kreisverbandes Merzig-Wadern und Co-Sprecherin der LAG Feminismus & Gleichstellung, mahnte an, das Thema nicht zu banalisieren. „Gewalt gegen Frauen ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem“, erklärte Morbe. Sie forderte eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema, die über Gedenktage hinausgeht: „Es reicht nicht, einmal im Jahr Flagge zu zeigen. Wir müssen dauerhaft Druck machen, bis Schutz und Prävention endlich Vorrang vor leeren Lippenbekenntnissen haben.“
Hintergrund: Überlastete Frauenhäuser und steigende Fallzahlen
Die Dringlichkeit der Forderungen wird durch aktuelle Statistiken untermauert. Laut dem BKA-Lagebild 2024 ist die Zahl der erfassten Fälle häuslicher Gewalt im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 % gestiegen. Im Saarland führt dies zu einer dramatischen Situation in der Schutzinfrastruktur: Frauenhäuser sind regelmäßig überlastet, sodass Hilfesuchende abgewiesen werden müssen. Die LAG Feminismus & Gleichstellung der Saar-Grünen fordert daher seit Jahren eine bedarfsgerechte Finanzierung und die verbindliche Umsetzung der Istanbul-Konvention auf Landesebene.


