Saarbrücken. Die Zahl der Krankenhausbehandlungen von Menschen mit Demenz aus dem Saarland wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Das geht aus dem aktuellen Krankenhausreport der Krankenkasse BARMER hervor. Demnach wird die Zahl der entsprechenden Krankenhausfälle von 15.500 im Jahr 2023 auf voraussichtlich 19.100 im Jahr 2040 zunehmen. Das entspricht einem Anstieg um 23 Prozent.
Nach Einschätzung der BARMER sind die Kliniken gefordert, sich strukturell stärker auf die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten mit Demenz einzustellen. „Im Saarland gibt es schon eine Reihe von Initiativen und Maßnahmen, die die Situation von Demenzerkrankten im Krankenhaus adressieren. Dazu gehört die Benennung von Demenzbeauftragten in den Kliniken. Dennoch sollten die Krankenhäuser im Saarland so bald wie möglich auf Grundlage wissenschaftlicher Studien einheitliche und umfassende Demenzkonzepte entwickeln“, erklärt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Zu solchen Konzepten könnten unter anderem spezialisierte Stationen und eine strukturierte Einbindung von Angehörigen gehören.
Alterung als Treiber der Entwicklung
Der prognostizierte Anstieg der Krankenhausfälle steht im Zusammenhang mit einer insgesamt wachsenden Zahl von Demenzerkrankten infolge der demografischen Entwicklung. Laut Report stieg die Zahl der Betroffenen im Saarland von 20.200 im Jahr 2013 auf 22.900 im Jahr 2023. Rechnerisch kamen damit 23,1 Demenzerkrankte auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner – der höchste Wert unter den westdeutschen Bundesländern. Für das Jahr 2040 wird ein weiterer Anstieg auf 27.800 Erkrankte prognostiziert, was einem Plus von 21 Prozent gegenüber 2023 entspricht.
Um Klinikaufenthalte möglichst zu vermeiden, verweist die BARMER auf präventive Ansätze. Telemedizinische Monitoring-Systeme könnten helfen, gesundheitliche Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen, so Kleis. Auch Maßnahmen wie Sturzprävention, Mobilitätsförderung, Anpassungen im Wohnumfeld oder technische Assistenzsysteme könnten zur Stabilisierung beitragen.
Strukturelle Defizite in Kliniken
Nach Angaben der BARMER entfielen 2023 rund sechs Prozent der 33.700 Krankenhausfälle saarländischer Versicherter auf Menschen mit Demenz. Gleichzeitig weist die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie für das Saarland keine Klinik mit ausgewiesenen demenzsensiblen Strukturen aus, etwa mit speziell gestalteten Räumen oder besonders geschultem Personal.
Zwar müssen saarländische Kliniken seit 2024 verbindlich Demenzbeauftragte benennen, dennoch sieht die Krankenkasse weiteren Handlungsbedarf. „Die Zahl saarländischer Kliniken mit einem umfassenden Demenzkonzept muss deutlich zulegen, denn die aktuellen Strukturen in Kliniken sind oft nicht optimal auf die Bedürfnisse Demenzerkrankter ausgerichtet“, betont Kleis. Fehlende Orientierung, Zeitdruck im Klinikalltag und mangelnde Tagesstruktur könnten das Risiko für Komplikationen wie akute Verwirrtheitszustände erhöhen.
Zudem würden Menschen mit Demenz nach einem Krankenhausaufenthalt überdurchschnittlich häufig in höhere Pflegegrade eingestuft. Krankenhausaufenthalte wirkten daher oft als „Beschleuniger von Pflegeabhängigkeit“ und erhöhten den Druck auf Pflegeversicherung und Angehörige, so Kleis.
Datengrundlage und Hintergrund
Die Auswertungen des Krankenhausreports basieren auf Daten von rund 8,7 Millionen BARMER-Versicherten in den Jahren 2013 bis 2023. Im Saarland waren in diesem Zeitraum etwa 120.000 Menschen bei der Krankenkasse versichert. Die Ergebnisse wurden auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.
Demenz ist ein neurologisches Krankheitsbild, das mit dem fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten einhergeht. Zu den häufigsten Formen zählen die Alzheimer-Demenz und die vaskuläre Demenz. Als Risikofaktoren gelten unter anderem Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, erhöhte Blutfettwerte, starkes Übergewicht, Rauchen und langfristiger Alkoholmissbrauch.

