Berlin. Die aktuelle Geschäftslage der Freien Berufe in Deutschland hat sich gegenüber dem Vorjahr spürbar verbessert. Das geht aus der Sommerumfrage 2025 des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB) hervor, die vom Institut für Freie Berufe (IFB) unter rund 1.700 Freiberuflerinnen und Freiberuflern durchgeführt wurde. Dennoch bleibt der Ausblick für das zweite Halbjahr verhalten – insbesondere aufgrund politischer Rahmenbedingungen und struktureller Herausforderungen.
Positive Entwicklung bei der Geschäftslage
Nach Angaben des BFB bewerten 39,5 Prozent der Befragten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahreswert von 37,4 Prozent. Weitere 43 Prozent sehen ihre Situation als befriedigend, während 17,5 Prozent eine schlechte Lage angeben. Besonders positiv beurteilen die rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Freiberuflerinnen und Freiberufler ihre Lage, gefolgt von den technisch-naturwissenschaftlichen und den Kulturberufen. Die freien Heilberufe hingegen melden weiterhin die größten Schwierigkeiten.
Ausblick weiterhin zurückhaltend
In Bezug auf die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate zeigen sich die Freien Berufe vorsichtig: Nur 10,9 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, während 59,2 Prozent von einer gleichbleibenden und 29,9 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Diese Werte entsprechen in etwa denen des Vorjahres.
Auslastung steigt weiter
Ein bemerkenswerter Befund der Umfrage betrifft die Auslastung: 36,5 Prozent der Befragten arbeiten derzeit über Anschlag – 1,3 Prozentpunkte mehr als im Sommer 2024. 41,7 Prozent berichten von einer Auslastung zwischen 75 und 100 Prozent. Lediglich 3,8 Prozent sind nur bis zu einem Viertel ausgelastet.
Personalplanung leicht optimistisch
Bei der Frage nach der zukünftigen Mitarbeiterentwicklung erwarten 14,1 Prozent der Freiberuflerinnen und Freiberufler, in zwei Jahren mehr Personal zu beschäftigen. 66,5 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Mitarbeiterzahl aus, während 19,4 Prozent einen Rückgang erwarten. Damit zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Verbesserung der Personalperspektive.
Forderungen an die Politik
BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister betont, dass die Freien Berufe unter besseren Rahmenbedingungen noch mehr leisten könnten. „Mehr als jede, jeder dritte der Befragten arbeitet bereits über Anschlag. Der Bedarf an unseren Vertrauensdienstleistungen wächst – unter besseren Bedingungen könnten wir noch mehr leisten“, so Hofmeister.
Er fordert insbesondere weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Das von der Bundesregierung vorgelegte Investitionssofortprogramm bezeichnete er als Schritt in die richtige Richtung, betonte aber die Notwendigkeit zügiger Umsetzung und ergänzender Maßnahmen zur Fachkräftesicherung. „Was fehlt, sind gezielte Anreize, um Arbeitskraft zu aktivieren und Motivation zu stärken“, so Hofmeister weiter.
Wirtschaftliche Bedeutung der Freien Berufe
Der BFB vertritt über 1,48 Millionen selbstständige Freiberuflerinnen und Freiberufler, die mehr als 4,7 Millionen Menschen beschäftigen. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund zehn Prozent. Die Gemeinwohlorientierung sei ein zentrales Merkmal der Freien Berufe, das auch in Zukunft gesichert und gestärkt werden müsse.
Fazit
Trotz einer positiven Entwicklung der Geschäftslage bleiben die Freien Berufe mit Blick auf die zweite Jahreshälfte vorsichtig. Während die Auslastung hoch ist, fehlt es vielfach an planungssicheren Rahmenbedingungen und personellen Ressourcen. Der BFB sieht hier dringenden Handlungsbedarf seitens der Politik, um die Potenziale der Branche weiter zu entfalten.

