Der Ministerrat hat den Entwurf für eine neue gymnasiale Oberstufenverordnung gebilligt und die externe Anhörung gestartet. Die Änderungen sollen zum 1. August 2027 an Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und beruflichen Oberstufen greifen.
Mit dem Entwurf wird die Oberstufe an den ersten G9-Jahrgang angepasst. Dieser erreicht im Schuljahr 2027/28 die gymnasiale Oberstufe. Bis zum 27. Oktober 2026 können sich Betroffene und Institutionen im Anhörungsverfahren zu den geplanten Regeln äußern; beschlossen ist die Reform damit noch nicht.
Künftig sollen Schülerinnen und Schüler in der Hauptphase drei fünfstündige Leistungskurse belegen. Mindestens zwei davon müssen Kernfächer sein oder mindestens ein Kernfach und eine Naturwissenschaft umfassen. In der Einführungsphase der Klasse 11 ist außerdem verbindlicher Vertiefungsunterricht vorgesehen. Insgesamt bleibt es bei 101 Wochenstunden.
Auch das Abitur soll sich verändern. In der Regel sind künftig vier statt fünf Prüfungsfächer vorgesehen, darunter drei schriftliche Prüfungen. Zwei schriftliche Prüfungen finden auf erhöhtem Anforderungsniveau statt. Schriftlich geprüft werden sollen nur Fächer mit mindestens drei Wochenstunden; zweistündige Fächer bleiben für mündliche Prüfungen zugelassen.
Informatik wird künftig wie die Naturwissenschaften behandelt: Als Grundkurs ist das Fach dreistündig, als Leistungskurs fünfstündig geplant. Digitale Methoden und der reflektierte Einsatz künstlicher Intelligenz können in Leistungsformaten zum wissenschaftlichen Arbeiten berücksichtigt werden. Zudem soll das Fach Sozialkunde als Politik fortgeführt werden und in Klasse 11 nicht mehr abwählbar sein. Geschichte wird in der Hauptphase grundsätzlich über mindestens zwei Halbjahre und künftig dreistündig unterrichtet.
Für die Berufs- und Studienorientierung ist ein weiteres verbindliches Praktikum in der Einführungsphase vorgesehen. Als mögliche Einsatzorte nennt der Entwurf Unternehmen, Handwerksbetriebe, soziale Einrichtungen, Hochschulen und Forschungszentren. Neue Leistungsformate wie Facharbeiten, besondere Lernleistungen und vertiefende Kolloquiumsprüfungen sollen selbstständiges Arbeiten, Präsentation und den Transfer von Wissen stärker berücksichtigen.
Auch die beruflichen Oberstufengymnasien sind einbezogen. Geplant sind unter anderem „Ökonomie und Management“ als Profilfach in der Fachrichtung Wirtschaft, Mechatronik in der Technik sowie neue Schwerpunktsetzungen in den Bereichen Gesundheit und Soziales und Informatik. Die Umsetzung soll durch neue Lehrpläne, Handreichungen und Fortbildungen begleitet werden.

