In einem Telefoninterview mit saarnews äußerte sich Aron Zimmer, Vorsitzender des Aufsichtsrats des 1. FC Saarbrücken, zu den aktuellen Streitigkeiten rund um das Budget für die kommende Saison. Zimmer betonte, dass es sich hierbei weder um ein „Machtspiel“ noch um „Wahlwerbung für irgendwelche Aufsichtsratwahlen“ handele. „Und es ist auch keine Blockade des Aufsichtsrates“, stellte er klar.
Der Konflikt drehe sich insbesondere um das vom Präsidium vorgeschlagene Spielerbudget. Zur Lizensierung habe der Aufsichtsrat einen Kader von 27 Spielern, drei weniger als im vergangenen Jahr, bestätigt, was eine Verringerung um 450.000 Euro bedeute. Deshalb wissen wir […] nicht, wieso wir jetzt mit 19 Spielern schon am Ende sein sollten“, erläuterte Zimmer. Beantragt wurde eine „siebenstellige Summe“, die aus dem eigenen Vereinsvermögen heraus gestemmt und nicht vom Sponsor und Präsidenten Hartmut Ostermann fließen soll.

Zimmer kritisierte zudem, dass das Präsidium den Aufsichtsrat „kalt erwischt“ habe und vor der kurzfristig angesetzten gemeinsamen Sitzung von Präsidium und Aufsichtsrat keinerlei Kommunikation zur Budgetproblematik stattgefunden habe. Auf der Agenda zu der Sitzung, die am Montag verschickt wurde, sei die Nachbudgetierung nicht einmal erwähnt worden, so dass der Druck auf die Aufsichtsratsmitglieder, in wenigen Minuten entscheiden zu müssen, enorm gewesen sei. An dieser Sitzung hatten auch Sportdirektor Jürgen Luginger und Cheftrainer Alois Schwartz teilgenommen.
Laut Zimmer wurde im Februar mit knapp 13.000 Zuschauern im Schnitt gerechnet – im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen zur Lizensierung immer sehr niedrige Zahlen angesetzt wurden, um im Sommer während der Transferperiode noch einmal nachlegen zu können. Dennoch stehe nun überraschend ein Defizit im Raum, obwohl nur ein Neuzugang bisher unterschrieben habe. Der Aufsichtsrat habe dem Präsidium daraufhin fünf konkrete Forderungen vorgelegt: „Uns ist die Transparenz der Zahlen, wieso jetzt im Prinzip das Budget schon ausgereizt sein soll, nicht klar“, so Zimmer weiter. Ihm ist die Dringlichkeit klar, der Ball liege nun aber beim Präsidium.
Wie wir unterdessen erfuhren, möchte die sportliche Leitung bereits jetzt nicht mehr dafür einstehen, dass die ursprünglich ehrgeizigen Ziele für diese Saison eingehalten werden. Sollte die Situation anhalten, rechnet man mit einem schweren Schaden für den FCS, dessen Reputation auf dem Transfer- bzw. Spielermarkt in Gefahr stehe.
Auch die Diskussion um Eintrittspreise sorgte zuletzt für Missverständnisse. Der Aufsichtsrat habe lediglich Empfehlungen ausgesprochen, etwa eine moderate Erhöhung der Preise von einem Euro für Stehplätze und durchschnittlich 2,50 Euro für Tribünenplätze. Das Präsidium entschied jedoch, die Preise unverändert zu lassen. Zimmer sieht hierin ein Kommunikationsproblem innerhalb des Vereins: „Unsere Satzung sagt ja ganz klar aus, der Aufsichtsrat hat ein Anhörungsrecht bei Kartenpreisen, aber keine Mitbestimmung.“
Zimmer betonte abschließend ausdrücklich die sportliche Verantwortung des Aufsichtsrates: „Wir wollen ja sportlich nicht blockieren. Also wenn drei Kracher auf dem Markt sind, dann müssen wir als 1. FC Saarbrücken zuschlagen.“ Tatsächlich sollen drei gestandene, zweitligaerfahrene Kicker auf die Entscheidungen des Vereins warten. Zimmer: „Nun liegt es am Präsidium, zeitnah die offenen Fragen zu beantworten und den Konflikt zu klären, um die sportliche Entwicklung nicht weiter zu gefährden.“
Wir haben selbstverständlich versucht, ein Statement des Präsidenten zu erhalten. Das war jedoch in der Kürze der Zeit nicht möglich.
