Überherrn. Der jahrelange Streit um eine geplante Batteriezellfabrik auf dem Linsler Feld bei Überherrn steht offenbar vor dem Aus. Wie die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar mbH (gwSaar) am 18. Februar 2026 mitteilte, gibt sie das Vorhaben „Batteriezellfabrik“ auf und tritt vom Durchführungsvertrag zurück.
Für den BUND Saar kommt diese Entwicklung einem Erfolg gleich. Seit der ersten Vorstellung der Bauleitplanung im August 2021 hatte der Umweltverband gemeinsam mit dem NABU sowie zwei Bürgerinitiativen aus Friedrichweiler und Überherrn juristisch gegen das Projekt mobilgemacht.
Im Auftrag des BUND reichte die Kanzlei Baumann Rechtsanwälte im November 2023 eine 139 Seiten umfassende Einwendung gegen den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Industriegebiet Linsler Feld“ ein. Im Oktober 2024 folgte ein Normenkontrollantrag beim Oberverwaltungsgericht Saarlouis, im April 2025 eine 240 Seiten starke Antragsbegründung.
Anfang Februar 2026 erteilte das Gericht einen deutlichen Hinweis: Der Bebauungsplan leide wegen mangelhafter Abwasser- und Schmutzwasserbeseitigung an einem erheblichen Fehler. Zudem liege der vorgesehene Standort in der Wasserschutzzone II, in der Abwasserreinigungsanlagen unzulässig seien. Das Gericht bezog sich dabei ausdrücklich auf die Problematik der Schmutzwasserbeseitigung. Der BUND geht jedoch davon aus, dass auch weitere vorgebrachte Mängel – etwa die mögliche Gefährdung des Grundwassers, Verstöße gegen die Wasserrahmenrichtlinie oder unzureichende Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen – gegen das Vorhaben gesprochen hätten.
„Durch diese Entwicklung sehen wir uns als Umwelt- und Naturschutzverband bestätigt, dass das Linsler kein guter Platz ist für eine Industrieansiedlung. Zu groß sind dort die zu erwartenden Auswirkungen auf Natur und Umwelt. Wir erwarten jetzt von der Gemeinde Überherrn, dass sie den vorhabenbezogenen Bebauungsplan rückabwickelt und es nicht auf eine Gerichtsverhandlung ankommen lässt, die wegen fehlender Erfolgsaussichten nur unnötige Kosten verursachen wird“, erklärt Michael Grittmann, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Saar.
Nach Ansicht des Verbandes können „demnächst auch keine Bagger anrollen“, wie es in einem Zeitungsartikel vom 20. Februar 2026 geheißen habe, da bislang kein neuer Bebauungsplan vorliege.
Der Konflikt um das Linsler Feld hat nach Einschätzung des BUND grundsätzliche Fragen der Flächenpolitik aufgeworfen. In seiner Stellungnahme zum Landesentwicklungsplan (LEP) Saarland 2030 fordert der Verband, die Fläche künftig nicht mehr als Industriegebiet auszuweisen. Statt neuer Gewerbeansiedlungen „auf der Grünen Wiese“ müsse stärker auf bereits bestehende Industrie- und Gewerbebrachen gesetzt werden.

