Zwischen Baumwipfeln und Burgruine spannt sich am Schlossberg von Forbach seit zwei Jahren ein Freizeitversprechen, das größer ist als ein gewöhnlicher Hochseilgarten. Wer an einem sonnigen Nachmittag den schmalen Weg hinauf zum Ecopark Adventures nimmt, hört erst das metallische Klacken der Rollen auf den Stahlseilen, dann Kinderstimmen, die irgendwo zwischen den Bäumen verschwinden. Über den Baumwipfeln gleiten Jugendliche an langen Seilrutschen entlang, darunter picknicken Familien im Schatten alter Kastanien. Es ist ein Ort, an dem Freizeitindustrie und Landschaftsidylle erstaunlich geräuschlos ineinandergreifen.
Der Park, 2024 eröffnet und Teil der französisch-belgischen Ecopark-Adventures-Gruppe, liegt unmittelbar unterhalb des Château du Schlossberg – nur wenige Kilometer von der saarländischen Grenze entfernt. Sieben Parcours mit mehr als 100 Stationen und über 30 Seilrutschen ziehen sich durch den Wald. Das Konzept richtet sich ausdrücklich an Familien. Bereits Kinder ab fünf Jahren dürfen auf die ersten Strecken, gesichert durch ein durchgehendes „Saferoller“-System, bei dem man sich nur einmal einhakt und den gesamten Parcours nicht mehr lösen muss.

Für Geschäftsführer Luca, 24 Jahre alt und seit vergangenem Jahr verantwortlich für den Standort, ist genau das der entscheidende Unterschied zu vielen klassischen Kletterparks. „Wir haben ein sehr familienfreundliches System“, sagt er im Gespräch. „Man macht sich einmal fest und kann dann den ganzen Parcours durchlaufen.“ Das senke Hemmschwellen – gerade bei Eltern kleiner Kinder.
Der junge Betreiber wirkt dabei weniger wie ein Eventmanager als wie jemand, der noch immer selbst staunt, dass hier aus einer Idee ein Freizeitpark geworden ist. Die Anlage sei von der Ecopark-Gruppe vollständig selbst gebaut worden, erzählt er. „Von A bis Z.“ Die Konstruktionen in den Bäumen, die Plattformen, die Seilführungen – alles stamme aus eigener Planung und Umsetzung.
Dass der Standort ausgerechnet in Forbach entstand, hatte vor allem strategische Gründe. In der Grenzregion habe es bislang kaum vergleichbare Anlagen gegeben. Die Gruppe suchte nach einem neuen Markt zwischen Saarland und Moselle – und fand ihn am Schlossberg. Heute profitiert der Park nicht nur von seiner Lage im Grünen, sondern auch vom historischen Umfeld: Oberhalb der Parcours erhebt sich der rekonstruierte Turm „Tour Saareck“, daneben verlaufen Spazierwege entlang der Burgruinen. Spielplätze, Restaurant und Freizeitanlagen machen den Schlossberg zu einem Ausflugsziel, das weit über den Hochseilgarten hinausreicht.
Auffällig ist dabei, wie stark sich der Park inzwischen um deutsche Besucher bemüht. Während die französische Kundschaft bereits stabil sei, sieht Luca auf deutscher Seite noch erhebliches Potenzial. „Das Ziel dieses Jahres ist es, Deutschland zu entwickeln“, sagt er. Die Kommunikation solle stärker auf das Saarland ausgerichtet werden. Geplant seien Rabattaktionen, Promo-Codes für Schulen und Unternehmen sowie eine breit angelegte Werbekampagne.
Tatsächlich scheint der Standort auf eine Lücke im regionalen Freizeitmarkt zu zielen. Vergleichbare Anlagen im Saarland sind häufig teurer oder stärker auf ältere Kinder und sportlich ambitionierte Besucher ausgerichtet. In Forbach kostet der Eintritt für Erwachsene online 21 Euro, Kinder zahlen je nach Alter zwischen 14 und 17 Euro. Gruppenrabatte gibt es ab zehn Personen, hinzu kommen spezielle Angebote für Schulklassen oder Kindergeburtstage.
Besonders beliebt ist nach Angaben des Parks eine Serie von fünfzehn aufeinanderfolgenden Seilrutschen, die wie ein kleiner Luftkorridor durch den Wald führt. Für erfahrenere Kletterer wiederum gibt es höhere und anspruchsvollere Strecken mit Blick über Forbach und die Saarregion. „Da hat man ein super Panorama über die Stadt“, sagt Luca.
Die Betreiber setzen dabei bewusst auf eine Mischung aus niedrigschwelliger Familienfreizeit und regionalem Tourismus. Der Park versteht sich nicht nur als Sportangebot, sondern auch als Baustein für die Entwicklung des Schlossberg-Areals. „Das bringt auch mehr Leute in die Stadt“, sagt Luca. Gerade deutsche Familien suchten zunehmend Ziele außerhalb klassischer Freizeitparks.
Ob diese Strategie aufgeht, dürfte sich in den kommenden Sommermonaten zeigen. Die Hauptsaison beginnt erst im Juli; dann ist die Anlage täglich geöffnet. Bis dahin bleibt der Ecopark vor allem ein Beispiel dafür, wie sich Grenzregionen touristisch neu erfinden wollen: nicht mit spektakulären Großprojekten, sondern mit Angeboten, die Nähe, Natur und Alltagstauglichkeit verbinden.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Attraktion des Schlossbergs. Nicht im Adrenalinkick der Seilrutschen, sondern in der Idee, dass man von Saarbrücken aus in zwanzig Minuten einen Ort erreicht, der sich ein wenig nach Kurzurlaub anfühlt.

