Koblenz/Saarland – Bei einer Gegendemonstration gegen den rechten Aufmarsch „Gemeinsam für Deutschland“ am Samstag, 26. April 2025, in Koblenz kam es zu einem umstrittenen Polizeieinsatz. Nach Angaben der Aktion 3.Welt Saar e.V. untersagte die rheinland-pfälzische Polizei einem ihrer Mitarbeiter die Verteilung einer Broschüre gegen Antisemitismus und erteilte ihm einen Platzverweis.
„Der Grund für das Verbot: Einige Teilnehmer der Demonstration, die Israel negativ beurteilen, haben sich durch das Verteilen provoziert gefühlt“, erklärt Mark Unbehend, Vorstandsmitglied der Aktion 3.Welt Saar e.V. Die Organisation wertet das Vorgehen als „massiven Grundrechtseingriff“, den sie nicht akzeptieren wolle. Der betroffene Mitarbeiter sei zudem mit Ingewahrsamnahme bedroht worden, falls er dem Platzverweis nicht nachkomme.
Die betroffene Publikation mit dem Titel „Juden und Radfahrer beherrschen die Welt. Wieso Radfahrer?“ wurde von der Aktion 3.Welt Saar in Kooperation mit der Antisemitismusforscherin Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel (TU Berlin) erstellt und bundesweit bereits in vier Auflagen mit insgesamt 300.000 Exemplaren verbreitet. Die Broschüre kann weiterhin kostenlos bezogen werden, auch in größeren Mengen.
Die Gegenkundgebung zu dem rechten Aufmarsch wurde nach Angaben der Aktion 3.Welt Saar überwiegend von der Partei DIE LINKE organisiert und startete um 12:30 Uhr am Hauptbahnhof Koblenz. Dort beteiligte sich die Organisation durch die Verteilung ihrer Broschüre. Laut Unbehend sei es im Verlauf der Demonstration zu lautstarken Missfallensäußerungen seitens einiger Teilnehmer gekommen, die sich kritisch zu Israel äußerten. „Daraufhin erteilte die Polizei dem Mitarbeiter der Aktion 3.Welt Saar wegen angeblicher Störung der Demonstration einen Platzverweis. Die am Palästinensertuch und dem Unterstützung für die Hamas signalisierenden Wassermelonensymbol erkennbaren Israelhasser blieben hingegen unbehelligt und erhielten keinen Platzverweis“, so Unbehend.
Der Aufmarsch unter dem Motto „Gemeinsam für Deutschland“ war Teil einer bundesweiten Aktion rechtsextremer und verschwörungsideologischer Netzwerke, unter anderem aus dem Umfeld von sogenannten Querdenkern, Putinfans, Neonazis und rechten Esoterikern.
Die Aktion 3.Welt Saar e.V. sieht das Vorgehen der Polizei kritisch und betont die Bedeutung einer klaren Haltung gegen Antisemitismus – auch im Rahmen von Gegendemonstrationen.

