Sonntag, Oktober 17, 2021
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Erdmann-Urteil: Chance vertan – Unklarheiten bleiben

Ein Kommentar von Claus Kuhn

Der Deal zwischen dem DFB-Kontrollausschuss und dem 1. FC Saarbrücken besitzt – oberflächlich betrachtet – fast nur Vorteile: Dennis Erdmann ist sofort spielberechtigt, er und die Mannschaft können das belastende Thema innerlich abhaken. Der DFB muss sich nicht länger vorwerfen lassen, dass er ein Urteil gefällt habe, das letztlich auf einer Beweisumkehr basierte, in dem der Angeklagte seine Unschuld beweisen musste, anstatt dass man ihm ein Vergehen nachweisen muss. Außerdem hätte ein Prozess vor einem „ordentlichen“ Gericht eventuell zu Schadensersatzansprüchen seitens Erdmann/FCS führen können. Diese Möglichkeit besteht nun nicht mehr. Vielleicht ist man auch deshalb mit dem Deal auf den 1. FC Saarbrücken zugegangen.

Und selbst Magdeburg ist fein raus. Denn letztlich können sich die Verantwortlichen auf die Fahnen schreiben, erfolgreich gegen Rassismus im Fußball vorgegangen zu sein.

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So weit, so gut. Doch schaut man genauer hin, wird es problematisch. Der Kampf des FCS für die Glaubwürdigkeit seines Spielers ist mit dem Akzeptieren des „Tathergangs“ völlig ins Leere gelaufen. Da hilft auch nicht, dass nachher argumentiert wird, Erdmann habe die Vorwürfe nicht eingestanden. Das stimmt zwar, aber wenn man den Spieler hätte reinwaschen wollen, dann hätte man diesen Kompromiss nicht eingehen dürfen. Die „Ermäßigung“ auf fünf Spiele Sperre kam nur zustande, weil das Gericht eine „Geständnisfiktion“ zugrunde legte und auf Basis dieser Annahme die in der ersten Instanz gefällten Strafen aussetzte. Verein und Spieler bleiben dadurch beschädigt.

Andererseits hätte das erstinstanzliche Urteil unbedingt aus der Welt geschafft werden müssen. Die faktische Beweisumkehr widerspricht jedem Rechtsverständnis. Das konnten auch viele Beobachter erkennen, die nicht dem 1. FC Saarbrücken nahestehen. Stattdessen könnte dieses Urteil dafür sorgen, dass sich in Zukunft Spieler (wieder?) absprechen, um ähnliche Dinge zu behaupten, um einen Gegner in Misskredit zu bringen. Die DFB Sportgerichtsbarkeit ist ebenfalls schwer beschädigt!

Als Trost mag bleiben, dass „Trashtalk“ – zumindest beim FCS – der Vergangenheit angehören dürfte. Aber ob dies weitere Kreise ziehen wird, dürfte fraglich sein.

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