Bereits am gestrigen Abend sickerte per Sky die Meldung durch, dass Argirios Giannikis neuer Cheftrainer des 1. FC Saarbrücken wird. Der Deutsch-Grieche war seit einem Jahr vereinslos und wurde bei seiner letzten Station, 1860 München, nach einer 0:4-Niederlage im Ludwigspark entlassen.

Der gebürtige Nürnberger startete seine Trainerkarriere 2007 als U-19-Co-Trainer des heutigen 1860-Trainers Markus Kauczinski in Karlsruhe. 2008 übernahm er den Posten schließlich selbst und trainierte mit Lukas Rupp, Dennis Thomalla und Simon Zoller drei Spieler, die es in ihrer späteren Laufbahn noch in die Bundesliga schaffen sollten.
Bis 2016 blieb er als Co-Trainer in Karlsruhe, bevor er Markus Kauczinski in die Bundesliga zum FC Ingolstadt folgte. Nach schwachem Saisonstart war in Bayern im Dezember 2016 bereits wieder Schluss, und Giannikis entschied sich von nun an, als Cheftrainer im Herrenbereich zu arbeiten.
Seine erste Profistation wurde Mitte Oktober 2017 Rot-Weiß Essen. Zum Zeitpunkt seines Amtsantritts befand sich RWE in einer prekären Lage – Platz 15 mit vier Punkten Abstand zu einem direkten Abstiegsplatz. Giannikis funktionierte als Feuerwehrmann, gewann vier seiner ersten sechs Partien und sorgte umgehend für Stabilität in Essen. Diese Leistung blieb allerdings auch höherklassigen Vereinen nicht verborgen. So einigte sich Giannikis bereits in der Winterpause, rund drei Monate nach seinem Beginn in Essen, mit dem damaligen Drittligisten VfR Aalen, bei dem kurz zuvor der mit ihm vorgestellte FCS-Sportvorstand Markus Thiele aktiv war.
Diese Entscheidung sorgte innerhalb des RWE-Kosmos für derartige Unruhe, dass sich die Wege noch vor Saisonende trennten. In Aalen lief es schließlich nicht so, wie es sich die Parteien vorgestellt hatten. Nach 25 Spielen mit einem mageren Punkteschnitt von 0,92 endete die Zeit von Giannikis bereits im Februar 2019, und der VfR stieg noch im gleichen Jahr ab.
Daraufhin heuerte der gebürtige Nürnberger in der zweiten griechischen Liga an und erlebte seine bislang wohl erfolgreichste Zeit als Trainer. Mit PAS Giannina stieg er prompt auf, da die Mannschaft zum Zeitpunkt des vorzeitigen Saisonabbruchs bereits sieben Punkte Vorsprung hatte. Auch in der ersten Liga setzte sich der Erfolg fort, und Giannikis führte das Team als Aufsteiger auf Platz acht, was ihm die Auszeichnung zum griechischen Trainer des Jahres einbrachte.
Im Sommer 2021 verließ er Giannina und schloss sich im Herbst desselben Jahres AEK Athen an. Die Athener standen damals auf Rang vier. Giannikis startete auch hier mit drei Siegen zu Beginn, wurde jedoch nach einer 0:3-Niederlage am 27. Februar 2022 gegen den Stadtrivalen Panathinaikos entlassen.
Knapp zwei Jahre später begann seine bis heute letzte Aufgabe. 1860 München fand sich zur Winterpause 2023/24 auf Rang 15 in akuter Abstiegsgefahr wieder. Giannikis bewies auch hier seine Qualitäten als Feuerwehrmann und führte das Team dank einer sehr starken Defensive zum sicheren Klassenerhalt. Im Folgejahr blieb die spielerische Entwicklung jedoch aus, was zu seiner Beurlaubung nach dem 0:4-Rückrundenauftakt im Saarbrücker Ludwigspark führte.
Mit Argirios Giannikis bekommt der 1. FC Saarbrücken einen Trainer, der es versteht, in prekären sportlichen Situationen seinen Teams neues Leben einzuhauchen. In München gelang ihm dies durch defensive Stabilität (vier Gegentore in seinen ersten acht Spielen als 1860-Coach). Eine nachhaltige Weiterentwicklung konnte er bislang jedoch nur bei seiner Station bei PAS Giannina (2019–2021) herbeiführen. Angesichts der Tabellenlage des FCS dürfte dies jedoch eher ein Thema für den Sommer sein – vorausgesetzt, der FCS hält unter Argirios Giannikis die Klasse.
