Erster Matchball im Abstiegskampf! Mit einem Sieg beim Aufstiegsanwärter Rot-Weiß Essen könnte der 1.FC Saarbrücken seine Teilnahme an der kommenden Drittligasaison nahezu sichern. Rein rechnerisch könnte der SSV Ulm den FCS zwar nach wie vor überholen, die Möglichkeiten dazu liegen aber nur noch im theoretischen Bereich.
Rot-Weiß Essen steht nach 34 Spieltagen auf Platz zwei der Liga. Ex-FCS-Trainer Uwe Koschinat übernahm den Verein von der Hafenstraße Ende 2024, als RWE sich tief im Abstiegskampf der dritten Liga befand. Mit einer herausragenden Rückrundenbilanz von 39 Zählern platzierte der 54-Jährige seine Mannschaft sogar noch in der oberen Tabellenhälfte der Saison 2024/25. Zu dieser Spielzeit wurde das Team schließlich immens verstärkt und war seit Woche eins als echter Aufstiegskandidat bekannt.

Die große Stärke der Essener ist die eigene Offensive. 72 Tore erzielten die Rot-Weißen bislang, was den zweitbesten Angriff der Liga bedeutet. Am gefährlichsten sind sie dabei nach Standardsituationen. Ganze 24 Treffer beruhen auf Ecken/Freistößen oder Elfmetern, womit sie ligaweit konkurrenzlos an der Spitze stehen. Das Offensivspiel ist sehr flügelbasiert. Im Aufbauspiel wird oft schon der vertikale Ball auf einen der beiden Außenverteidiger oder Flügelspieler gewählt. Dieser zieht meist zielstrebig in Richtung Grundlinie, bevor eine Hereingabe abgegeben wird.
Als Nutznießer dieses Spielstils kann Mittelstürmer Marek Janssen beschrieben werden. Der 1,95 große Angreifer ist trotz vergleichbar wenig Spielzeit der beste Torschütze von RWE. Für seine 14 Saisontore hat er pro Tor im Schnitt nur 83 Minuten gebraucht, was eine absolute Top-Quote darstellt. Mit 20 Scorern ebenfalls brandgefährlich ist Kaito Mizuta. Der 26-jährige ist in der Offensive flexibel einsetzbar und beherrscht dank seiner unwiderstehlichen Dribblings und seinem Auge für die Mitspieler so ziemlich jede Disziplin, die ein offensiver Mittelfeldspieler beherrschen sollte. Generell ist der RWE-Kader individuell durchaus zweitligatauglich bestückt. Die sportliche Leitung baute einen aufstiegswürdigen Kader zusammen, der auch in der Tiefe gut besetzt ist.
Ein Faustpfand von Rot-Weiß Essen ist selbstverständlich das allseits bekannte Stadion an der Hafenstraße. Über 17.000 Fans verfolgen die Spiele von RWE im Durchschnitt vor Ort. Stimmungstechnisch kommen wohl nur wenige Arenen in dieser Liga in ähnliche Sphären wie die Hafenstraße. Dies lässt sich auch in den Heimstatistiken wiedererkennen. Rot-Weiß holte 37 ihrer 64 Punkte im eigenen Zuhause und kassierte nur 20 ihrer 56 Gegentore in Essen.

Auf dem Papier herrscht auf Seiten des 1.FC Saarbrücken nicht allzu viel Raum für Optimismus, insbesondere da der FCS diese Saison erst einen einzigen Auswärtssieg feiern konnte. Mental könnte das Team von Argirios Giannikis allerdings einen kleinen Vorteil haben. Essen verlor am vergangenen Sonntag das fulminante Top-Spiel gegen Energie Cottbus nach 1-3-Führung mit 5-3, nachdem es zuvor sieben Partien in Serie gewonnen hatte. In der Tabelle änderte dies nichts am direkten Aufstiegsrang zwei, dennoch rückten Cottbus, Duisburg und Rostock wieder näher heran. Der Druck liegt also tendenziell eher bei den Hausherren, wobei sich der FCS nicht allzu sehr auf dem sechs Punkte Vorsprung inklusive klar besserem Torverhältnis gegenüber dem SSV Ulm ausruhen sollte.
Klar ist, sollte dem 1.FC Saarbrücken am Wochenende ein Sieg in Essen gelingen, wäre das Rennen um den Klassenverbleib vermutlich endgültig entschieden. Rot-Weiß Essen ist für eine intensiv geprägte Spielweise bekannt und wird an einer lauten Hafenstraße viel investieren, um Platz zwei zu halten. Den neutralen Zuschauer erwartet also sicherlich eine unterhaltsame Partie, bei der Saarbrücken nicht gänzlich ohne Chance bleiben dürfte.
