Knapp eine Woche müssen sich die Fans des 1. FC Saarbrücken noch gedulden, bevor die Rückrunde der Saison 2025/26 startet. Mit Energie Cottbus kommt der Spitzenreiter in den Ludwigspark – eine wahrhaft schwierige Aufgabe zu Beginn. Die Ausgangslage ist mit 22 Punkten und Platz 15 durchaus besorgniserregend. Paradoxerweise erwischte der FCS den besten Start seiner Drittliga-Historie und stand nach zehn Spieltagen noch auf Rang vier mit 19 Zählern. In den folgenden neun Partien sollten allerdings nur noch drei Punkte dazukommen, sodass sich das Team von Jürgen Luginger mitten im Abstiegskampf wiederfindet – mit gerade einmal einem Punkt Abstand zur Abstiegszone.
Zur Wahrheit des sensationellen Starts gehört auch, dass das Team in den ersten zehn Begegnungen punktetechnisch überperformte. Statistisch bewegte sich Saarbrücken seit Saisonbeginn im Bereich eines Absteigers. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich dies auch in den Ergebnissen der Saarländer widerspiegeln sollte. Nach der Entlassung von Alois Schwartz verbesserte sich die fußballerische Komponente immens, dennoch gelang auch Jürgen Luginger in seinen ersten vier Spielen als Cheftrainer kein Sieg.
Wir analysieren in den kommenden drei Tagen die einzelnen Mannschaftsteile, indem wir auf individuelle Leistungen und Statistiken eingehen, und beginnen mit der Abwehr.
Die Defensive
31-mal musste Phillip Menzel bereits hinter sich greifen. Dies liegt allerdings weitaus weniger an ihm als an der oft unsicheren Abwehr der Saarbrücker. Der xGA-Wert (erwartete Gegentore des Teams) liegt bei 33,13. Menzel bekommt also weniger Gegentore als erwartet, zudem pariert er rund 68 Prozent der Schüsse auf sein Tor – alles in allem eindeutig überdurchschnittlich. Sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus und dürfte das Interesse einiger Teams aus höheren Ligen wecken. Insgesamt darf Phillip Menzel als ein Anker des Teams gesehen werden, der einen großen Anteil daran hat, dass der FCS nicht noch tiefer in der Tabelle platziert ist. Tim Paterok und Jonas Nikisch kamen in dieser Spielzeit bislang nicht zum Einsatz und können deshalb nicht fair bewertet werden.
Eine große Schwachstelle ist bis dato die Innenverteidigung der Blau-Schwarzen. Joel Bichsel schlug nach seinem Wechsel im Sommer 2024 direkt ein und spielte sich zu einem Fanliebling. Jedoch baute der 23-jährige Schweizer bereits in der vergangenen Rückrunde merklich ab, und auch in dieser Saison kommt er keinesfalls an sein Leistungsmaximum heran.
Ähnliches gilt für Kapitän Sven Sonnenberg. Der 1,94 Meter große Hüne wurde vor der Saison vom damaligen Trainer Alois Schwartz zum Kapitän ernannt. Wirklich gerechnet hatte damit niemand. Zwar spielte Sonnenberg eine herausragende Vorbereitung, gilt aber grundsätzlich eher als ruhig und abgeklärt. Gut möglich, dass ihn dieses Amt ein wenig überforderte, denn seine Leistungen sanken nach exzellenter Vorbereitung rapide. Ganze 26 Fehler, die zu Schüssen führten, verzeichnet der Kapitän laut dem Portal Sofascore – in der gesamten Vorsaison waren es lediglich 18. Momentan laboriert Sonnenberg an einer Sprunggelenksverletzung. Angesichts der guten Auftritte von Lasse Wilhelm und Robin Bormuth in den Wochen vor der Pause dürfte er es auch nach seiner Genesung zunächst schwerer haben.
Ebenfalls schwach in die Saison startete Robin Bormuth. Vor der Spielzeit als planmäßiger Abwehrchef aus Karlsruhe verpflichtet, offenbarte die Vorbereitung erste Zweifel am Leistungsstand des Routiniers. Dementsprechend schlecht verlief auch das erste Spiel in Cottbus, woraufhin der 30-Jährige zunächst aus der Startelf rotiert wurde. Auch in seinem zweiten Startelfeinsatz in Ingolstadt enttäuschte Bormuth. Doch er ließ sich von der Kritik nicht unterkriegen und nutzte seine Chance, die sich durch die Verletzung von Sven Sonnenberg ergab. In den vier Partien unter Luginger überzeugte er als klarer Abwehrchef der Viererkette mit seiner unaufgeregten Spielweise und dürfte auch zum Rückrundenstart gesetzt sein.
Vor der Saison hätten wohl die wenigsten gedacht, dass Lasse Wilhelm, der in der Vorsaison lediglich zehnmal startete, in 18 von 19 Partien in der ersten Elf stehen würde. Wilhelm verdiente sich diesen Aufschwung durch gute defensive Auftritte und überzeugte zusätzlich durch sein hohes Tempo, auch wenn seine Leistungen im Verlauf der Hinserie etwas abnahmen. Ähnlich wie Phillip Menzel dürfte auch er sich auf die Liste einiger Zweitligisten gespielt haben, da sein Vertrag im kommenden Sommer endet.
In der Außenverteidigung wusste bislang nur Calogero Rizzuto zu überzeugen. Insbesondere seit Lugingers Amtsantritt blüht der 34-Jährige spielerisch auf und ist vor allem im Aufbauspiel der Saarbrücker ein wichtiges Element. In der Vergangenheit fiel Rizzuto oftmals negativ durch zahlreiche Platzverweise auf, mit denen er sein Team in schwierige Situationen brachte. In dieser Saison geschah dies erneut, als er gegen Schweinfurt völlig übermotiviert foulte und anschließend drei Spiele aussetzen musste. Im Anschluss verbesserte er sich in dieser Hinsicht jedoch enorm und wurde kein einziges Mal mehr verwarnt.
Sein Backup Philip Fahrner erlebte eine verletzungsgeplagte Hinserie und kommt bislang nur auf 326 Einsatzminuten. Fahrner ist ebenfalls fußballerisch stark, hat allerdings Defizite im Tempo, weshalb er gegen flinke, dribbelstarke Flügelspieler im Eins-gegen-eins häufig Probleme bekommt.
Niko Bretschneider kam im Sommer mit vielen Vorschusslorbeeren vom Konkurrenten aus Cottbus. In der Vorsaison hatte es dem FCS insbesondere an Tempo auf den Außenbahnen gefehlt. Zudem musste Calogero Rizzuto häufig auf die linke Seite ausweichen, da mit Till Schumacher nur ein nomineller Linksverteidiger unter Vertrag stand. Bretschneider spielte eine gute Vorbereitung, startete jedoch mit schwachen Leistungen in die Spielzeit, bevor ihn ein schwerer Verkehrsunfall für zwei Monate außer Gefecht setzte. Nach seiner Rückkehr benötigte er etwas Zeit, um wieder Anschluss zu finden, erarbeitete sich gegen Ende der Hinrunde jedoch erneut seinen Stammplatz. Die erhoffte offensive Verstärkung ist er allerdings (noch) nicht – bislang lieferte er keine Vorlage und fiel auch im Verlauf seiner bisherigen Karriere in diesem Bereich kaum auf.
Till Schumacher begann siebenmal auf der linken Abwehrseite, obwohl er bereits gegen Ende der vergangenen Saison keine Rolle mehr gespielt hatte. Schumacher kam als Dauerbrenner der ersten österreichischen Liga und absolvierte 2023/24 die meisten Minuten aller Feldspieler für Klagenfurt. In Saarbrücken jedoch läuft wenig zusammen für den ehemaligen Dortmunder. An Einsatz und Willen mangelt es ihm nicht, dennoch gilt dieses Kapitel als Missverständnis, das im Sommer voraussichtlich sein Ende finden wird.
Insgesamt kann die Außenverteidigung als Position betrachtet werden, auf der der FCS insbesondere in Sachen Flankenqualität Verstärkung benötigt. Der Kader ist jedoch mit 29 Spielern stark aufgebläht, sodass es in diesem Winter allerhöchstens zu Abgängen kommen dürfte.
Morgen behandeln wir das Mittelfeld des 1. FC Saarbrücken.

