Nach dem Schlusspfiff wusste so recht niemand, was man in Saarbrücken nun mit dem Unentschieden gegen den Tabellenvierzehnten aus Regensburg anfangen sollte. Faktisch hat das Team von Argirios Giannikis erneut einen Punkt auf Erzgebirge Aue gewonnen, gleichzeitig verpasste Blau-Schwarz die Gelegenheit, am gestrigen Gegner vorbeizuziehen. Mittlerweile dürfte für Aue und Ulm ein mittelschweres Fußballwunder nötig sein, um den 1.FC Saarbrücken noch abzufangen, dennoch gelang es der Mannschaft wiederholt nicht, die eigene Ausgangslage mit einem Sieg zu verbessern.

Gegen einen an diesem Nachmittag schwach spielenden Gegner aus Regensburg fand Saarbrücken anfangs besser in die Partie. Giannikis hatte seine Startelf auf zwei Positionen verändert. Elijah Krahn begann für den gelbgesperrten Civeja und Brünker bekam den Vorzug gegenüber dem unter der Woche angeschlagenen Baumann. Zwei Wechsel in der Startelf, die schlecht altern sollten, so erwischten Krahn und Brünker jeweils einen eher unglücklichen Tag.
Gerade die Personalie Elijah Krahn dürfte im gesamten FCS-Umfeld Fragezeichen aufwerfen. Sein Talent bleibt unbestritten, nichtdestotrotz konnte er sich weder unter Rüdiger Ziehl, Alois Schwartz und Jürgen Luginger durchsetzen. Unter Giannikis wurde er dreimal in die Startformation beordert und präsentierte sich dreimal außer Form. In Schweinfurt und gegen Regensburg musste er dementsprechend zur Pause in der Kabine bleiben. In Ulm ging Giannikis gnädig mit ihm um und ließ ihn weiterspielen. Das Kapitel Krahn in Saarbrücken dürfte im Sommer enden. In Anbetracht seines herausragenden Talents ist es sehr schade, wie inkonstant er schlussendlich performte.
Es war allerdings bei weitem nicht Krahn allein, der eine problematische erste Halbzeit absolvierte. Die Struktur des FCS blieb unverändert, gegen den Ball stand eine Art 4-4-2, welches sich situativ in ein 5-3-2 entwickelte, da sich Maurice Multhaup des Öfteren zurückfallen ließ. Nach rund zwei Minuten drehte Caliskaner schön auf, und schickte Pick auf links. Dessen Flanke erwischte Brünker mit dem Kopf, setzte diesen aber zu weit rechts.
Brünkers Kopfballspiel ist ohne Frage sein Prunkstück. Er leidet sichtlich unter der schwachen Flankenqualität des 1.FC Saarbrücken. Zwar liegt das Team ligaweit auf Rang zwei der angekommenen Flanken, die Quote ist allerdings alles andere als positiv. Lediglich acht der 31 Hereingaben fanden gegen Regensburg einen Abnehmer, was einem Prozentsatz von 26% entspricht.
Saarbrücken begann die Partie energetisch, war in den ersten fünf Minuten das eindeutig bessere Team. Das Momentum schiffte jedoch schnell in die Reihen des Gastes, der spätestens ab Minute zehn die Oberhand gewann. Es wurde chaotisch in der Defensive des FCS. Lasse Wilhelm rutschte der Ball bei einem Klärungsversuch über den Spann, woraufhin Hottmann beinahe das 0-1 erzielte. Dieses sollte wenige Sekunden später trotzdem fallen, da es innerhalb der Abwehrreihe von Blau-Schwarz zu einem Missverständnis kam. Adrian Fein bekam auf Höhe der Mittellinie keinerlei Druck auf den Mann und spielte einen wunderschönen Ball in den Lauf von Regensburgs Top-Scorer Noel Eichinger. Im Vorhinein schien offensichtlich eine Misskommunikation darüber zu existieren, ob man nun weiter rausrücken wolle oder tief stehen bleibt. Wilhelm stand deutlich weiter vorne als sein Pendant Bormuth, weshalb ihm Eichinger davonziehen konnte und ohne Probleme zur Führung vollenden konnte. Wilhelm sprach nach dem Spiel davon, dass er ein Kommando zu spät bekommen habe, oder es schlichtweg nicht hörte.

Offensiv geschah wenig Produktives. Der FCS rannte viel über Florian Pick an, der in den letzten Wochen aber sichtlich verkopft wirkt und seine Aktionen oft zu kompliziert gestaltet. Sein Tor zum 1-1 schien schließlich eine Art Erlösung für den Top-Scorer des FCS darzustellen. So hatte er zuvor zwei Monate nicht mehr getroffen. Maurice Multhaup, der in den vergangenen drei Spielen noch zu den besten Akteuren der Molschder gehört hatte, blieb völlig ineffektiv, weshalb die Begegnung für ihn nach der Pause beendet war.
Nach ernüchternden ersten 45 Minuten kehrte der FCS eindeutig verbessert aus der Pause zurück. Die eingewechselten Bichsel und Elongo-Yombo brachten frische Energie in den Auftritt der Saarländer. Lasse Wilhelm rückte eins vor auf die Doppelsechs, nachdem er bereits unter der Woche im Saarlandpokal auf dieser Position gespielt hatte und es ordentlich gemacht hatte. Besonders positiv stach zudem Kaan Caliskaner heraus, der das Spielgerät immer wieder in das letzte Drittel des SSV Jahn trug.
Seine Klasse demonstrierte der Ex-Regensburger auch in Minute 52, als er sich auf rechts durchsetzen konnte und den völlig freien Kai Brünker in der Mitte fand. Dieser konnte die unglaubliche Chance aus wenigen Metern aber nicht nutzen. Der verdiente Ausgleich fiel nach 65 Minuten. Elongo-Yombo machte einen weiten Schlag von Menzel zunächst mehr oder weniger unfreiwillig fest, schaltete dann aber sehr schnell und legte perfekt auf für Florian Pick, der das 1:1 markierte.
In der Folge erwartete das Stadion eine Schlussoffensive. Giannikis brachte Baumann für Brünker, der in seinen 20 Minuten Einsatzzeit jedoch keinesfalls Eigenwerbung betreiben konnte. Saarbrücken blieb bis zum Schlusspfiff die dominante Mannschaft, ein unbedingter Siegeswille war aber allerdings nicht mehr zu erkennen. Jahn Regensburg auf der Gegenseite, hatte das Fußballspielen bereits seit dem Führungstreffer weitestgehend eingestellt und konzentrierte sich auf die Abwehrarbeit.

Giannikis entschied in dieser Phase dafür, keinen weiteren Offensivakteur mehr einzuwechseln. Womöglich auch, um keine gefährlichen Konter zu riskieren. Amine Groune kam in der 90 positionsgetreu für Florian Pick, für eine letzte große Gelegenheit reichte es aber nicht.
Robin Bormuth erwähnte nach der Partie bis zu sieben Hochkaräter, die man sich erspielt habe. Der xG-Wert (erwartete Tore) besagt 1,61 zu 1,02. Die Anzahl der eigenen Großchancen wurde also etwas großzügig angesehen. Nichtdestotrotz ließ Saarbrücken zwei Hundertprozentige ungenutzt (Caliskaner in der 45, Brünker in der 52), die Ihnen dieses Spiel definitiv hätten gewinnen können. Zur Wahrheit gehört ebenso, dass die beiden Mannschaften, die sicherlich mit höheren Ambitionen gestartet waren, nach 28 Spielen zurecht weit unten in der Tabelle stehen.
Am Ende stehen mehr xG, deutlich mehr Abschlüsse (15 zu 4). Um das Ergebnis als „zwei verlorene Punkte“ zu bezeichnen, kam vor allem in Halbzeit eins zu wenig von Saarbrücken.
Spielernoten

Philip Menzel: Wenig gefordert (2 Torschüsse von Regensburg). 3

Calogero Rizzuto: In Halbzeit zwei mit guten Akzenten in der Offensive, wirft sich in alles rein. 3+

Robin Bormuth: Nach dem Ausgleich mit starker Körpersprache, davor okay. 3

Lasse Wilhelm: Ein wenig unglücklich beim Gegentor, ansonsten mit einer ordentlichen Partie. Auch auf der Doppelsechs mit einer annehmbaren Leistung. 3+

Niko Bretschneider: Schlichtweg unauffällig. 4

Patrick Sontheimer: Die erste halbe Stunde etwas unglücklich, danach einer der besseren in Blau und Schwarz. 3+

Elijah Krahn: Dritte Chance von Beginn an, zum dritten Mal ließ er sie ungenutzt. 5

Maurice Multhaup: Gelang sehr wenig. 5

Kaan Caliskaner: Der beste Saarbrücker, besonders in Hälfte zwei mit einem starken Auftritt. 2

Florian Pick: Endlich mal wieder mit einem Tor, ansonsten erneut zu verkopft. 3

Kai Brünker: Sehr engagiert gegen den Ball, ansonsten eher unglücklich. 4-

Rodney Elongo-Yombo: Weitaus besser als in seinen letzten Auftritten, dazu mit einer schönen Vorlage. 3+

Joel Bichsel: Ein paar Abspielfehler, sonst ordentlich. 3+
Die anderen Einwechselspieler absolvierten zu wenige Minuten für eine faire Bewertung.
