Dank eines 2-0-Derbysieges gegen Waldhof Mannheim sicherte der 1.FC Saarbrücken den Ligaerhalt, den theoretisch bereits perfekten Ligaverbleib, nun auch praktisch. Auf eine überzeugende erste Hälfte folgte insbesondere nach dem 2:0 durch Pick ein eher zäher Sommerkick zwischen zwei Teams, denen die Intensität aufgrund ihrer unproblematischen Tabellenlagen ein wenig abgegangen war.

Saarbrücken war von Beginn an die bestimmende Mannschaft. Abgesehen von dem mauen Auftritt beim 1:1-Unentschieden gegen Jahn Regensburg lieferte das Team seit der Ankunft von Cheftrainer Argirios Giannikis zuhause stets ab. Dessen Heimbilanz liest sich bis dato herausragend. 15 Zähler aus sieben Spielen, dazu ein Torverhältnis von neun zu zwei. Der Ludwigspark entwickelt sich unter Giannikis Leitung zu einer Festung.
Generell lassen sich in den vergangenen Partien einige Elemente entdecken, auf denen in der kommenden Saison aufgebaut werden könnte. Die Mannschaft pflegt einen weitaus intensiveren Stil, der das Stadion mitreißt, spielt dazu vor allem zuhause teils sehr schöne Ballstaffetten rund um die Zwischen- und Halbräume. Es ist weitaus mehr Struktur im Spiel des 1.FC Saarbrücken zu erkennen als noch zu Beginn der Saison. Die meisten Angriffe basierten auf der hohen individuellen Klasse von Florian Pick, der irgendwann allerdings menschelte und nicht mehr im selben Ausmaß Chancen produzierte wie noch in weiten Teilen der Hinrunde. Unter Giannikis lassen sich Angriffsmuster erkennen, wie beispielsweise das stetige Belaufen der rechten Halbspur durch Maurice Multhaup, der dadurch zahlreiche Gelegenheiten kreierte.

Beim Betrachten der Saarbrücker Heimspiele ist es fast schon schade, dass die Saison so kurzfristig enden wird. In den letzten Wochen kristallisierte sich offensichtlicherweise ein gewisser Stamm an Akteuren heraus, der die Inhalte des neuen Trainerteams gut umsetzen kann. Mit einigen dieser Spieler wird der 1.FC Saarbrücken im kommenden Sommer getrennte Wege gehen. Diese bereits eintrainierten Prinzipien in die neue Saison mitzunehmen wird eine der größeren Aufgaben sein, da dem FCS ein großer Umbruch mit vielen Zu- und Abgängen bevorsteht.

Das Spiel gegen den Waldhof ist schnell abgehandelt. 2,29 zu 1,03 xG, Acht zu eins Torschüsse. Der Sieg geht zahlentechnisch also mehr als in Ordnung. Was dieser Partie neben der Intensität noch fehlte, war die nötige Derby-Atmosphäre. Sowohl im Spiel als auch auf den Rängen gab es wenig Brisanz oder Energie, was vermutlich mit der wenig prekären sportlichen Lage beider Teams zu erklären sein wird.
Die Schlüsselszenen waren dabei wenig überraschend die beiden Tore des 1.FC Saarbrücken. Die Führung fiel beispielsweise nach einem klaren spielerischen Muster. Robin Bormuth sah den im Zwischenraum freien Civeja. Brünker erkannte derweil einen freien Raum im Sechzehner, empfing den wunderbaren Pass von Civeja und schoss zum 1:0 ein. Nur wenige Minuten später erspielte sich Saarbrücken eine ähnliche Gelegenheit, als Maurice Multhaup von der rechten Halbspur in die Mitte zog und ideal für Brünker auflegte, der den Ball im Anschluss allerdings nicht ordentlich verarbeitet bekam.

Auch beim 2:0 stand Brünker im Mittelpunkt des Geschehens. Dem Elfmetertor von Pick war nämlich eine klare Schwalbe des Saarbrücker Mittelstürmers vorausgegangen. Waldhof Mannheim monierte diese Fehlentscheidung nach der Partie zwar mit Recht, dennoch lässt sich die schwache Leistung der Gäste nicht auf den Schiedsrichter hinunterbrechen. Der Waldhof stellte in diesen 90 Minuten das perfekte Beispiel für ein Team, welches die Saison austrudeln lässt. Die Buwe haben seit Monaten praktisch keine Ambitionen mehr nach vorne und hinten und verloren dementsprechend an Spannung.
Alles in allem scheint der Saisonabschluss des 1.FC Saarbrücken gut anzulaufen. Ebenso könnte eine gewisse Vorfreude auf die kommende Spielzeit entstehen, sollte die Mannschaft noch ein paar Punkte sammeln und das wichtige Saarlandpokalfinale gegen den FC 08 Homburg gewinnen.
Spielernoten

Phillip Menzel: Wenig gefordert, dennoch da, sobald er gebraucht wurde. 2-

Philip Fahrner: Profitierte enorm vom Trainerwechsel. Spielte sich in den vergangenen Wochen durchaus ins Schaufenster. 2-

Robin Bormuth: Abgeklärter Auftritt. 2-

Joel Bichsel: Ähnlich Souverän. 3+

Calogero Rizzuto: Kam nach 20 Minuten für den verletzten Bretschneider. Überzeugte auf der linken Seite durch spielerische Aspekte. 2-

Sebastian Vasiliadis: Lenker und Denker im Mittelfeld. 2

Patrick Sontheimer: Ein bis zwei richtig starke Tiefenpässe. 2

Maurice Multhaup: Nicht ganz so auffällig wie in den Wochen zuvor. 3

Tim Civeja: Überragende erste Halbzeit, baute nach dem Pausenpfiff allerdings ab. 2

Florian Pick: Weniger verkopft als zuletzt, durchgehender Unruheherd. 2

Kai Brünker: Seine beste Performance seit langem. 2+
