Der 1. FC Saarbrücken kommt auch im Heimspiel gegen Schlusslicht TSV Havelse nicht über ein Remis hinaus. Beim 1:1 (1:0) vor 11.814 Zuschauern im Ludwigsparkstadion war Dominic Baumann der auffälligste Akteur auf Seiten der Saarländer – und erzielte bei seiner Rückkehr in die Startelf früh die Führung. Doch wie so oft in den letzten Wochen ließ der FCS nach und verpasste es, den Deckel drauf zu machen. Havelse nutzte das aus und kam in der zweiten Halbzeit durch Leon Sommer zum verdienten Ausgleich.
Bereits vor dem Anpfiff deutete sich an, dass FCS-Coach Alois Schwartz ein Zeichen setzen wollte: Gleich vier Änderungen nahm er nach der enttäuschenden 0:2-Niederlage in Aachen vor. Baumann, Fahrner, Krahn und Neudecker rückten in die Anfangsformation – mit Wirkung.
Menzel – Wilhelm, Sonnenberg, Bichsel – Fahrner, Krahn, Neudecker, Rizzuto – Pick – Brünker, Baumann

Denn nur fünf Minuten waren gespielt, als das neue Duo zuschlug: Fahrner luchste einem Havelser im Mittelfeld den Ball ab und schickte Baumann steil. Der Stürmer blieb eiskalt und schob aus halblinker Position ins kurze Eck ein – das 1:0 für den FCS.
In der Folge entwickelte sich ein offenes Spiel. Saarbrücken kontrollierte phasenweise das Geschehen, verpasste es aber, nachzulegen. Baumann hätte sogar das 2:0 machen können, verfehlte jedoch nach Flanke von Pick knapp per Kopf (15.). Auch in der 33. Minute war er wieder im Fokus, als er eine scharfe Hereingabe von Flick nur hauchdünn verpasste. Die Gäste hielten allerdings gut dagegen und kamen ihrerseits zu Chancen, etwa durch Oltrogge und Posselt (18.) sowie Minz (42.).
Zur Pause führte der FCS knapp – ein schmeichelhaftes Ergebnis angesichts der engagierten Vorstellung des Tabellenletzten. Schwartz reagierte und brachte mit Elongo-Yombo und Rabihic frische Offensivkräfte. Doch in der zweiten Halbzeit wurden die Saarländer zunehmend passiv. Havelse übernahm das Kommando und drängte auf den Ausgleich.
In der 68. Minute war es dann so weit: Eine Flanke von Marko Ilic segelte bis zum langen Pfosten, wo Leon Sommer hochstieg und den Ball an den linken Innenpfosten und von dort über die Linie köpfte – das 1:1. Ein haltbarer Ball, aber dennoch der verdiente Lohn für eine mutigere zweite Hälfte der Niedersachsen. Saarbrücken versuchte in der Schlussphase noch einmal alles, aber die Angriffe blieben meist harm- und planlos. Ein Kopfball von Baumann – wem auch sonst? – zwang Havelses Torwart Opitz in der 83. Minute zu einer Glanzparade – mehr ließ der Tabellenletzte nicht mehr zu.
Auch personell wurde weiter gewechselt: Schwartz brachte Schmidt und Civeja für Brünker und Fahrner, doch der erhoffte Impuls blieb aus. Am Ende stand ein Unentschieden, das sich für die Blau-Schwarzen wie eine Niederlage anfühlen dürfte.
Mit dem Remis bleibt Saarbrücken auf dem zehnten Tabellenplatz und wartet nun seit sieben Spielen auf einen Sieg. Für Havelse war es hingegen ein kleiner Achtungserfolg – auch wenn der erste Dreier der Saison weiterhin aussteht.
Fazit:
Pfiffe waren im Ludwigspark zu hören, als Schiedsrichterin Davina Lutz die Partie nach 96 Minuten beendete. Das Publikum scheint unruhig zu werden, weil der FCS nun sieben Spiele keinen Sieg mehr einfahren konnte und das Ende der Tabelle allmählich in Sichtweite gerät. Für Dominic Baumann bleibt immerhin das Erfolgserlebnis eines Treffers bei seinem Startelf-Debut – sportlich aber reicht das nicht, um den Abwärtstrend zu stoppen.
Am Wochenende nach der Länderspielpause steht für den FCS das schwere Auswärtsspiel bei 1860 München auf dem Programm. Gegen den ambitionierten Traditionsklub wird sich zeigen, ob Schwartz und sein Team aus dem erneut verpassten Heimsieg die richtigen Schlüsse ziehen. Dem Coach kann man zugutehalten, dass er immer wieder versucht, auf die gezeigten Leistungen der einzelnen Spieler zu reagieren. Klar ist aber auch, dass die Offensive gegenwärtig vollkommen von Florian Pick abhängt, im Positiven wie im Negativen.
Stimmen der Trainer:
Nach dem 1:1-Unentschieden zwischen dem 1. FC Saarbrücken und dem TSV Havelse äußerten sich beide Trainer in der Pressekonferenz zum Spielverlauf und der Leistung ihrer Mannschaften – mit durchaus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Samir Ferchichi, Cheftrainer des TSV Havelse, zeigte sich nach dem Punktgewinn in Saarbrücken zufrieden. Er sprach von einem „schwierigen Auswärtsspiel“ gegen eine Mannschaft mit „enormer Wucht“ und hoher spielerischer Qualität. Zwar sei sein Team durch einen individuellen Fehler früh in Rückstand geraten, doch Ferchichi lobte die Reaktion seiner Spieler: „Es ist brutal, wie meine Mannschaft so einen Rückschlag wegsteckt, hier vor 13.000 Zuschauern.“ Besonders stolz zeigte er sich über die taktische Anpassung in der zweiten Halbzeit, bei der durch einen Seitenwechsel und die Einwechslung von Marco Ilic der Ausgleichstreffer durch Leon Sommer vorbereitet wurde: „Umso schöner ist es natürlich, dass es dann genau so aufgeht, wie wir uns das gewünscht haben.“ Insgesamt habe seine Mannschaft eine „zweite Luft bekommen“ und bis zur letzten Sekunde an sich geglaubt. Der Coach betonte: „Wir laufen jedes Spiel maximal Kilometer“ und sieht das Remis als verdienten Lohn für die Leistung.
Alois Schwartz, Trainer des 1. FC Saarbrücken, war hingegen deutlich selbstkritischer. „Wir haben uns viel vorgenommen, sind auch gut reingekommen, machen früh das 1:0“, erklärte Schwartz, bemängelte aber zahlreiche vergebene Umschaltmomente: „Wir haben immer die falsche Entscheidung getroffen.“ Insbesondere Florian Pick nannte er als Beispiel für ungenutzte Überzahlsituationen und individuelle Schwächen: „Das war heute nicht sein Tag.“ Nach dem Wechsel musste auch Richard Neudecker wegen muskulärer Probleme raus, was die Flexibilität des Teams weiter einschränkte. Schwartz analysierte, dass seine Mannschaft mit fortlaufender Spieldauer „immer schlechter geworden“ sei. Zum Gegentor sagte er: „Dann kriegst du so ein Eiertor noch – der Ball ist ewig in der Luft.“ Trotz zweier guter Chancen in der Schlussphase durch Baumann und Civeja resümierte Schwartz ernüchtert: „Am Ende war es dann nur noch Stückwerk.“ Er zeigte Verständnis für die Pfiffe im Stadion: „Die Unzufriedenheit betrifft nicht nur die Fans, sondern auch uns im Trainerteam und der Mannschaft.“
.

















