Fortuna Düsseldorf
Erstmals seit 2009 muss die Fortuna aus Düsseldorf wieder in Liga drei antreten. Zu Beginn der vergangenen Zweitligasaison machte man am Rhein keinen Hehl, um seine Ambitionen nach dem Abstieg 2020 zurück in die Bundesliga kehren zu wollen. Das Ergebnis der Zweitligasaison: Ein verheerender Rang 17, auf welchen man durch eine 0-3 Niederlage am letzten Spieltag in Fürth stürzte.
Selbstredend machte sich eine enorme Unruhe um den Verein breit. Zahlreiche Mitarbeiter verloren aufgrund des Abstiegs ihren Job, es gab öffentliche Diskussionen rund um belastende Faktoren wie die hohe Stadionmiete der 54.600 Zuschauer umfassenden Merkur-Spielarena. Sportvorstand Sven Mislintat, der erst gegen Ende 2025 als Nachfolger von Klaus Allofs vorgestellt wurde, musste nach einem halben Jahr inklusive Abstieg wieder gehen. Samir Arabi übernahm als sein Nachfolger. Gemeinsam mit Uwe Neuhaus führte Arabi Arminia Bielefeld 2020 in die Bundesliga und sicherte im ersten Jahr den Klassenerhalt im deutschen Oberhaus. Im Anschluss folgte jedoch der komplette Absturz von Liga eins bis drei, weshalb Arabi 2023 entlassen wurde.
Eine Position, die von einer personellen Änderung verschont blieb, ist die des Cheftrainers. Alexander Ende bekam trotz des Abstiegs das Vertrauen für den Wiederaufbau in Liga drei zugesprochen. Ende überzeugte in den letzten Jahren durch einen sehr ansehnlichen Ballbesitzfußball in der 4-4-2 Raute. Ein interessanter Spielstil, der sicherlich noch ein wenig Zeit für die ideale Umsetzung brauchen wird. Im letzten Test gegen Hannover 96 unterlag die Fortuna mit 3-2. Durch Fehler im riskant absolvierten Spielaufbau gerieten die Rot-Weißen zwischendurch mit 0-3 in Rückstand. Darauf sorgten ein Foulelfmeter und ein Torwartfehler noch für ein wenig Ergebniskosmetik.
Ein Abstieg bringt in aller Regel einen gewaltigen Umbruch mit sich. So auch bei Fortuna Düsseldorf. Insgesamt 55 Kaderbewegungen fanden rund um die erste Mannschaft statt. Sieben Akteure rückten aus der U-19 in den Kader. Als prominentester Neuzugang lässt sich Dominique Heintz beschreiben. Der 32-Jährige kommt vom Lokalrivalen aus Köln und absolvierte in seiner Karriere 220 Bundesligaspiele. Bei der Fortuna soll er nun als Abwehrchef vorangehen. Mit Philip Förster und Fabian Schleusener stießen zwei erfahrene Kicker Karlsruhe. Förster überzeugte in seiner Karriere als technisch versierter Zehner, Schleusener schoss noch letzte Saison elf Tore im Unterhaus.
Das Ziel der Fortuna dürfte ohne Diskussion die direkte Rückkehr in Liga zwei sein. Es bleibt jedoch noch ein wenig abzuwarten, wie schnell eine völlig neu zusammengestellte Mannschaft, sich an den Spielstil von Trainer Ende gewöhnen kann. Am ersten Spieltag trifft die Fortuna im Eröffnungsspiel auswärts auf den SV Waldhof Mannheim.
Rot-Weiß Essen
Droht RWE nach der verlorenen Relegation ein ähnliches Schicksal wie dem 1.FC Saarbrücken? Das sich eine gewisse Tristesse nach einer derart bitteren Niederlage wie dem 0-2 in Fürth einstellen könnte, dürfte nicht undenkbar sein. Dennoch lässt die Stimmung rund um den Verein sowie die Transferpolitik eher eine „jetzt erst recht“ Mentalität erahnen.
Mit Hoffmann, Bouebari, Potocnik und Abiama gelang es RWE vier wichtige Leihkräfte der Vorsaison in Essen zu halten. Bis auf Potocnik banden sie sich sogar alle fest an die Mannschaft von Uwe Koschinat. Dieser wechselte in der Vergangenheit oft zwischen Dreier- und Viererkette. In dieser Vorbereitung ließ er eine Viererkette mit zwei Spitzen einstudieren. Neben Torjäger Janssen dürfte sich Neuzugang Telalovic einbringen. Der 26-Jährige kommt per Leihe aus Nürnberg und wird von vielen als potenzieller Unterschiedsspieler gesehen.
Mit Torhüter Jakob Golz und Außenspieler Lucas Brumme wurden zudem zwei elementare Stammspieler dieses Teams in Essen gehalten. Als einzige empfindliche Abgänge darf man Torben Müsel und Klaus Gjasula bezeichen. Die Sechserposition von Gjasula soll Janne Sietan von Waldhof Mannheim beerben. Neben ihm wird Tony Menzel auf der Acht beginnen. Der 21-Jährige kommt per Leihe von Dynamo Dresden und gilt als äußerst talentiert. Der Kader ist auf allen Positionen überdurchschnittlich gut besetzt, lediglich das Profil eines richtigen Zehners, wie es Müsel war, fehlt RWE noch. Gut möglich, dass auf dieser Position noch nachgelegt wird.
Die Vorbereitung lief ergebnistechnisch eher mau. Rot-Weiß Essen entschied sich für zwei sehr starke Tests gegen Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen, die mit 1-2 und 0-3 jeweils verloren gingen. Dazu kassierte man im Trainingslager ein 0-3 vom österreichischen Erstligisten SV Ried. Die Generalprobe gegen den SV Sandhausen ließ allerdings aufhorchen. RWE trat mit der planmäßigen Startelf für das Auftaktspiel gegen Saarbrücken an und bezwang den Regionalligisten mit 4-1. Dazu schnürte das Sturmduo aus Janssen und Telalovic jeweils einen Doppelpack.
RWE wird sicherlich erneut oben angreifen. Eine ähnlicher Saisonverlauf wie beim letztjährigen Relegationsverlierer aus Saarbrücken lässt sich fast schon ausschließen.
Hansa Rostock
Zweimal peilte Hansa Rostock die Rückkehr in Liga zwei bereits an, zweimal scheiterte man knapp aufgrund schwacher Resultate im Saisonendspurt. Nichtdestotrotz entschied man sich erneut auf Cheftrainer Daniel Brinkmann zu vertrauen, der in seinem dritten Jahr bei Hansa womöglich seine letzte Chance für einen Aufstieg erhält.
Der Kader des in dieser dritten Liga geografisch isolierten Rostock wurde stark umgebaut. Etablierte Spieler wie Uphoff, Bergh oder Lebeau verließen den FCH. Als neuer Stammtorhüter kam Luca Unbehaun, der sich dem Verein wohl proaktiv selbst anbot, die beiden Positionen auf der linken Seite füllen nun zwei ehemalige Ulmer aus mit Kölle und Dajaku. Die beiden stiegen mit ihrem Team zwar ab, waren in einer sehr unglücklichen Saison des SSV aber noch weit über dem Niveau ihrer Teamkollegen.
Schaut man sich den Kader rein nominell an, wirkt es dennoch erst einmal befremdlich, dass Hansa von nahezu allen Cheftrainern der Liga als Topfavorit gesehen wird. Gerade in der Offensive vertraut Hansa nun auf junge Spieler wie beispielsweise Bernie Lennemann (23) aus der Reserve des 1.FC Köln, oder Yannick Michaelis von Borussia Mönchengladbach. Diese gelten als hochtalentiert, wie schnell sie den Fußball in der dritten Liga adaptieren können, wird sich noch zeigen.
Den großen Hoffnungsträger im Angriff stellt Emil Holten dar. Der großgewachsene Däne explodierte insbesondere nach dem teuren Verkauf von Ryan Naderi und erzielte 15 Ligatreffer für den FCH. Die Saisonvorbereitung seines Teams verpasste er nun weitestgehend aufgrund von Rückenproblemen.
Hansa ist definitiv eines der am stärksten besetzten Teams dieser Liga. Vor allem die Eingespieltheit zwischen Trainer und Mannschaft dürfte als wertvoller Faktor in dieser Spielzeit gelten. Dennoch wird man sich nicht zum dritten Mal in Serie einen schwachen Saisonstart erlauben dürfen, um am Ende ganz oben zu stehen.
MSV Duisburg
Ähnlich dramatisch wie die Saison von RWE, endete auch der letzte Spieltag für die Zebras aus Duisburg. Ein Sieg gegen Viktoria Köln hätte dem heimstärksten Profiteam Deutschlands für das Erreichen der Relegation genügt. Rasim Bulics Pfostenschuss in allerletzter Sekunde sorgte für Fassungslosigkeit rund um den MSV, dennoch spielte das Team von Dietmar Hirsch eine hervorragende Saison, auf die sich weiter aufbauen lässt.
So verließ kein einziger Stammspieler das Team, dafür kamen mit Safi, Christensen und Besuchkow etablierte Drittligakräfte, die den Konkurrenzkampf in einem stark besetzten Kader noch weiter fördern werden. Vergangene Saison verzückte der MSV durch seine emotionale Spielweise die gesamte dritte Liga, es fehlte lediglich noch an wirklich überzeugenden Ideen in eigenem Ballbesitz. Konnte die gegnerische Mannschaft das wilde Spiel des MSV unterbinden, fehlte es oftmals an Torgefahr. Sollten sich die Zebras in dieser Disziplin noch ein wenig steigern, dürften sie als einer der absoluten Topfavoriten für den Aufstieg gelten.
In der Vorbereitung testete Duisburg vornehmlich gegen schwere Gegner aus höheren Klassen und dem nahen Ausland. So steht unter anderem ein 1-1 gegen Zweitligist Arminia Bielefeld und ein 0-0 in der Generalprobe gegen Sparta Rotterdam zu Buche.
Hirsch wählte in der vergangenen Saison oftmals ein 4-1-4-1, es scheint gut möglich, dass Duisburg auch in der kommenden Spielzeit mit diesem System beginnt.
Preußen Münster
Geht es um die Zweitliga-Absteiger, wird in erster Linie auf Fortuna Düsseldorf geschaut. Viele vergessen dabei, dass mit Preußen Münster ebenfalls ein vielversprechendes Team zurück in Liga drei ist. Der erste Coup gelang mit der Verpflichtung des neuen Cheftrainers Thomas Wörle, der den SSV Ulm 2024 gemeinsam mit FCS-Sportvorstand Markus Thiele von Liga vier bis zwei hievte.
Wörle favorisierte stets ein 3-4-3, welches auf defensiver Stabilität beruht. Bei der Mannschaft des SCP veränderte sich für einen Absteiger wenig. Lediglich acht externe Neuzugänge vermeldeten die Preußen bislang. Aufhorchen lassen dabei vor allem die beiden großgewachsenen Angreifer Felix Higl (29), der mit Wörle bereits in Ulm erfolgreich zusammenarbeitete und Mika Stuhlmacher, der mit 15 Scorern einen maßgeblichen Anteil am Aufstieg des SV Meppen hatte.
Die Vorbereitung beendete Münster mit zwei Doppeltests gegen Southhampton und Hannover 96, in denen jedoch nur ein Unentschieden und drei Niederlagen heraussprangen.
Das Niveau des Teams ist nicht leicht einzuschätzen, der Fokus wird ohnehin erst einmal darauf liegen, die neue Spielklasse vollends anzunehmen. Rein personell sehen wir Preußen Münster ein wenig schwächer aufgestellt als die anderen Favoriten der Liga. Gelingt es Wörle allerdings ein ähnlich starkes Konstrukt zu bauen, wie es 2024 in Ulm der Fall war, dann könnte in Münster etwas Großes entstehen.


