Das Jahr 2025 lässt sich für den 1.FC Saarbrücken sehr leicht in zwei Hälften teilen. Die Rückrunde der vorherigen Saison schloss der FCS mit 33 geholten Punkten auf Rang drei ab. Die anschließende Relegation ging zwar knapp verloren, dennoch startete Blau-Schwarz mit ähnlichen Ambitionen in die neue Saison. Nach 18 Spielen der bisherigen Hinserie befinden sich jedoch nur magere 21 Punkte im Repertoire des FCS. Die Realität heißt Platz fünfzehn mit lediglich zwei Punkten Abstand auf die Abstiegszone.
Beim letzten Gegner des Jahres, Hansa Rostock, sieht es weitaus angenehmer aus. Die Kogge startete zunächst schwach in die Saison, fand sich nach zehn Spieltagen auf Rang 15 wieder. Es folgte eine Systemumstellung von einem 3-4-3 auf ein 4-4-2 mit Raute und auf einmal gewann Hansa Spiel nach Spiel. Die Bilanz der letzten neun Begegnungen: 6 Siege, 3 Remis. Dazu kommen 24 erzielte und acht kassierte Tore.
Dank dieser phänomenalen Serie stehen die Mannen von der Ostsee nun auf dem fünften Tabellenplatz, der Abstand auf den Relegationsrang beträgt einen Punkt. Vater des Erfolgs ist Cheftrainer Daniel Brinkmann. Der 39-Jährige ist seit dem 2.11.2024 im Amt und startete bereits vergangene Saison ein echtes Aufholmanöver in Sachen Aufstiegskampf. Seine erfolgreiche Arbeit (1,88 Punkte pro Spiel) wurde zuletzt mit einer Vertragsverlängerung belohnt, ebenso weitete auch Sportchef Amir Shapourzadeh sein Arbeitspapier aus. In Rostock scheint man also die richtigen Leute für die wichtigsten sportlichen Posten gefunden zu haben.
Dies spiegelt sich zumindest in den Statistiken wider. Der FCH tritt momentan stets in einer 4-4-2 Raute ohne Flügelspieler auf. Dementsprechend lastet viel der offensiven Verantwortung auf den Schultern der Außenverteidiger Lukas Bergh und Jan Mejdr. Diese beiden sind elementare Punkte der Mannschaft, so kombinieren sie im Aufbauspiel viel mit den spielstarken Spielern im Mittelfeld, wie etwa Marco Schuster und Kenan Fatkic, um anschließen an der Grundlinie durchzubrechen und gefährliche Flanken zu schlagen. Ebenso nützlich sind die vielen langen Bälle in die Zwischenräume, über die Hansa den Großteil ihrer Chancen kreiert. Mit Cedric Harenbrock, Christian Kinsombi oder Eigengewächs Benno Dietze stehen einige dynamische Mittelfeldspieler zur Verfügung, die genau diese Räume besetzen. Harenbrock und Dietze fallen allerdings für das letzte Spiel des Jahres aus, insbesondere Dietze entwickelte sich zu einer absoluten Größe im Rostocker Spiel und darf als harter Verlust für diese Partie angesehen werden.
Die große Stärke des FCH liegt in seiner sicheren Defensive. 18-mal musste Keeper Benjamin Uphoff erst hinter sich greifen. Zusätzlich pariert er 75% der Schüsse, die auf sein Tor kommen und spielte ganze 8-Mal bereits zu null. Auf der anderen Seite des Feldes ragt der großgewachsene Mittelstürmer Ryan Naderi heraus. Der 22-Jährige verpasste den Saisonstart aufgrund einer Muskelverletzung, führte das Team nach seiner Genesung mit sieben Toren und 2 Assists in 846 Minuten, was umgerechnet ein Scorer alle 94 Minuten bedeutet, zum Erfolg. Dies bekommen auch höherklassige Vereine wie etwa der SC Paderborn mit, Hansa gab Naderi jedoch keine Freigabe für einen Winterwechsel.
Die Daten von 54% Ballbesitz im Durchschnitt und den meisten Schüssen der Liga pro Spiel (16,4), zeigen eine sehr dominante Spielweise auf. Insbesondere zuhause kreiert Hansa viele Chancen, so liegt der xG-Wert (erwartete Tore) im Ostseestadion bei 2,14. Zum Vergleich: Der auswärts xG-Wert des 1.FC Saarbrücken liegt bei 1,14. Der FCS wird sich also auf ein kräftezerrendes Spiel mit wenig Ballbesitz einstellen müssen.
Hansa kommt aus neun Spielen ohne Niederlage, Saarbrücken aus elf ohne Sieg. Die Vorzeichen vor diesem 19. Spieltag scheinen also erst einmal ziemlich klar. Dennoch liegen dem Team von Jürgen Luginger oftmals die ballbesitzstärkeren Teams ein wenig besser. Hansa offenbarte in den vorangegangenen Partien einige Unsicherheiten in der Viererkette, die der FCS mit seiner hohen individuellen Klasse jederzeit ausnutzen könnte. Die Innenverteidiger Carstens und Kapitän Pfanne sind ebenso wie Torhüter Uphoff nicht gerade die Besten mit Ball. Die Wahrscheinlichkeit, dass im Aufbauspiel Fehler geschehen werden also keinesfalls auszuschließen.
Der 1.FC Saarbrücken hat alle Waffen, um dem Favoriten von der Ostsee einen ebenbürtigen Kampf zu liefern und mit positivem Rückenwind in die Winterpause zu starten!

