StartFCSBlau-Schwarzes Fußballfest – FCS-Spielanalyse:  1. Spieltag Rot-Weiß Essen

Blau-Schwarzes Fußballfest – FCS-Spielanalyse:  1. Spieltag Rot-Weiß Essen

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Was ein grandioser Auftakt für den 1.FC Saarbrücken! In einer wilden Sonntagsbegegnung drehte Saarbrücken ein unglückliches 0-2 gegen Rot-Weiß Essen in einen fulminanten 5-2 Sieg um. Dabei war Saarbrücken über neunzig Minuten das bessere Team. Wir werden nun anhand von Statistiken und Spielszenen aufzeigen, wie der FCS diese Partie schlussendlich für sich entscheiden konnte.

Die Begegnung ging eher abwartend los, Saarbrücken bekam zu Beginn mehr Raum für eigenen Ballbesitz als anfangs gedacht. RWE agierte ungewohnt passiv in einem tiefen 4-2-3-1 und konzentrierte sich gegen den Ball vor allem darauf, die Räume auf der rechten Seite von Florian Pick und seinem Kombinationspartner Christian Kühlwetter möglichst eng zu halten, sodass diese Beiden nicht zur Entfaltung kommen.

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Die Schlüsselszenen:

Saarbrücken wackelte defensiv in Sachen Zuordnung, verteidigte eine Ecke unzuverlässig und ging überraschend mit 0-1 in Rückstand. Direkt im Anschluss zeigte der bis dato noch ohne wirkliche Ballberührung verbliebene Florian Pick allerdings, weshalb er zum Mannschaftskapitän aufgestiegen ist. In der zwölften Spielminute eroberte er dank eines leidenschaftlichen Sprints einen fast schon sicher verlorenen Ball an der rechten Außenseite gegen Bouebari, legte auf für Fahrner, dessen Flanke Staff allerdings nicht verwehrten konnte. In dieser Szene konnte man den enormen Kampfgeist von Pick beobachten, der seine Mitspieler im Laufe der Partie anstachelte.

Im vergangenen Jahr wirkte Pick oftmals frustriert über die Leistung seiner Kameraden, kapselte sich auf dem Feld gerne mal ab und ließ häufig eine eher negative Körpersprache heraushängen. In dieser Partie bewies er eine herausragende Motivation und unterstrich seine Führungskraft mit einer unfassbaren Leistung. Die Zeit, in der jeder Kapitän ein Lautsprecher auf dem Feld sein muss, ist lange vorbei. Mit Florian Pick hat die Mannschaft von Argirios Giannikis einen Kapitän, der insbesondere durch fußballerische Fähigkeiten glänzt und das Team in schweren Situationen wie dem 0-2 Rückstand gegen Essen am Leben halten kann.

Pick leitete die ersten vier Tore allesamt ein. Es war seine Hereingabe auf Staff die das 1-2 durch Cvjetinovic ermöglichte, darauf folgten zwei scharf getretene Standards aus dem rechten Halbfeld und nicht zuletzt das unnachahmliche Dribbling vor dem 3-2. Dabei ließ Pick sich auf die linke Seite fallen, vernaschte seinen Gegenspieler im 1 gegen 1 und zog aus spitzem Winkel eigentlich perfekt ab. Zu seinem Unglück klatschte das Leder zunächst an den Pfosten, doch Kai Brünker reagierte bärenstark und staubte in feinster Stürmermanier zum 3-2 ab. Ein gut aufgelegter Florian Pick lässt sich über 90 Minuten schlichtweg nicht verteidigen. Seine 1 gegen 1 Fähigkeiten dürften die besten der Liga sein, dazu schließt er mit beiden Füßen gleichstark ab. Schafft er es weiterhin als Kapitän voranzugehen, dann dürfte Saarbrücken womöglich über den zurzeit besten Spieler dieser Liga verfügen.

Uwe Koschinat

Taktische Auffälligkeiten

Saarbrücken bewegte sich in dem in der Vorbereitung einstudierten 4-2-2-2 System. Dabei war insbesondere die Positionierung der beiden Stürmer Staff und Kühlwetter auffällig. Diese ließen sich immer wieder in die Halbräume abkippen und agierten in der ersten Phase des Spielaufbaus mehr oder weniger als zusätzliche Mittelfeldspieler. Immer wieder suchten Niko Bretschneider oder Simen Voet zu Beginn der Partie den entgegenkommenden Staff im linken Halbraum. Dieser versuchte meist über einen Klatschball das Spiel schnell zu machen und eine Art „Umschaltsituation“ aus dem eigenen Ballbesitz zu kreieren.

Daniel Gleiber der auf der rechten Sechserposition begann, ließ sich im eigenen Ballbesitz häufig in die Abwehrkette fallen und baute das Spiel des FCS aus einer rechten Halbraumposition in der Fünferkette auf. Patrick Sontheimer ließ sich auch ein paar Mal auf die gegenüberliegende Seite fallen, Gleiber bekam in diesem Segment allerdings ein wenig mehr Verantwortung.

Statistiken:

Die xG-Statistik (erwartete Tore) sagt meist sehr viel über die Kräfteverhältnisse der beiden Teams aus. Saarbrücken erspielte sich in den 90 Minuten etwa 3,9 xG, Rot-Weiß Essen lediglich 1. Mit 8 zu 5 Torschüssen war Saarbrücken in diesem Bereich jedoch nicht allzu sehr überlegen. Die Statistik zeigt demnach auf, dass Saarbrücken zu deutlich mehr aussichtsreichen Chancen gelangte und offensiv dementsprechend weitaus mehr anbot als RWE.

Der Ballbesitz war mit 52% zu 48% relativ ausgeglichen, auch die Paradenanzahl beider Keeper (jeweils 3) ist gleich.

Spieler des Spiels:

Hier handelt es sich ohne Diskussion um Florian Pick. Der Mannschaftskapitän des 1.FC Saarbrücken präsentierte sich als Konstruktor des Comebacks und ließ RWE insbesondere in Hälfte zwei keine Chance. 1+

Spielernoten:

Matteo Bignetti: Beim 0-1 ein wenig unglücklich, im Anschluss jedoch mit grandiosen Paraden gegen Brumme (23) und Telalovic (90). 2

Philip Fahrner: Defensiv eine absolute Bank, dazu mit schönen Flanken. 2

Mladen Cvjetinovic: Der Abwehrchef an diesem Tag. Immer wieder beruhigte er seine Kollegen nach brenzligen Situationen und überzeugte neben seinem Tor auch durch seine physische Stärke. 1-

Siemen Voet: In Halbzeit eins enorm wacklig mit und gegen den Ball. Sieht vor dem 0-2 sehr schlecht aus, da er einen eher ungefährlichen Ball vor die Füße des freistehenden Telalovics köpft. In Hälfte zwei klar verbessert, entschied zudem per Kopfball zum 4-2 die Partie zu Gunsten des FCS. 3

Niko Bretschneider: Im Aufbau mit schönem Passspiel. Verteidigte Essens Abiama über die volle Spielzeit mehr als ordentlich. 2

Daniel Gleiber: Präsentierte seine technischen Fähigkeiten im Spielaufbau, wirkte auch gegen den Ball sehr giftig. 2

Patrick Sontheimer: Fiel im Vergleich zu Gleiber ein wenig ab, dennoch vollkommen solide. 3

Florian Pick: Über ihn ist an diesem Tage alles gesagt. Überragendes Spiel. 1+

Abdenego Nankishi: Setzte seine unglaubliche Geschwindigkeit sehr passend ein. Ihm fehlt es aber noch an der Effektivität in seinen Aktionen. 2-

Christian Kühlwetter: Wirkte fast wie ein zusätzlicher Spielmacher im Doppelsturm. Seine Direktabnahme zum 2-2 ist pure Qualität. 2+

Alexander Staff: Umtriebig, jedoch ein wenig ungefährlicher als seine Sturmkonkurrenten. Seine Vorlage zum Anschlusstreffer war immens wichtig. 3+

Kai Brünker: Kam als Joker und veränderte die Partie durch sein starkes Gegenpressing und seine körperliche Präsenz in der gegnerischen Hälfte. Legte obendrein noch überragend auf für Kelsey Owusus 5-2. 1

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