Der 1. FC Saarbrücken hat im heimischen Ludwigsparkstadion seinen vierten Heimsieg in Serie gefeiert. Gegen den Aufsteiger 1. FC Schweinfurt 05 gewann die Mannschaft von Trainer Rüdiger Ziehl mit 2:1 (2:0), musste nach einer dominanten ersten Halbzeit aber in den Schlussminuten alles aufbieten, um die drei Punkte ins Ziel zu retten.
Vor dem Spiel wurde zunächst einmal ein Held der Vergangenheit geehrt: Peter Eich. Der Torhüter hatte am 5. Juni 2004 im Ludwigspark einen Elfmeter gehalten, der dann zum letzten Aufstieg in die 2. Bundesliga führte. Stadionsprecher Christoph Tautz spielte die entscheidende Szene ein und die 13.534 Zuschauer feierten den Mann aus dem Hunsrück wie in alten Zeiten.

Alois Schwartz hatte die selbe Elf wie in den erfolgreichen vergangenen Partien aufs Feld geschickt – und seine Entscheidung erwies sich als richtig. Schon früh stellten die Blau-Schwarzen die Weichen. In der 22. Minute leitete Florian Pick den Angriff aus dem Mittelfeld ein, fand über Elongo-Yombo den zentral positionierten Kai Brünker. Der Stürmer blieb vor Keeper Stahl eiskalt und vollendete aus kurzer Distanz zum 1:0. Der Treffer gab den Saarländern Rückenwind, sie dominierten nun Ball und Gegner.
Nur acht Minuten später war es erneut Brünker, der die 13.300 Zuschauer jubeln ließ. Calogero Rizzuto setzte sich stark auf der rechten Seite durch, spielte den Ball flach in den Strafraum, wo Brünker goldrichtig stand. Mit einem platzierten Linksschuss in die rechte Ecke erzielte er das 2:0 – sein zweiter Treffer an diesem Abend. Schweinfurt wirkte in dieser Phase überfordert und kam kaum aus der eigenen Hälfte heraus.
Vor der Pause versuchte Johannes Geis, das Spiel seiner Mannschaft an sich zu reißen, doch die Abschlüsse der Gäste blieben harmlos. Mit einer komfortablen Führung für den FCS ging es in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild schlagartig. Schweinfurt kam mit neuer Energie aus der Kabine und wurde prompt belohnt. In der 52. Minute fasste sich Lauris Bausenwein ein Herz und zog nach einer abgewehrten Flanke aus rund 25 Metern volley ab. Der Ball schlug unhaltbar im rechten oberen Eck ein – ein Traumtor und gleichzeitig der Weckruf für die Unterfranken.
Fortan spielten fast nur noch die Gäste. Geis setzte einen Freistoß knapp am Pfosten vorbei (74.), kurz darauf zwang Tranziska mit einem wuchtigen Kopfball FCS-Keeper Menzel zu einer Glanztat (88.). Dellinger scheiterte ebenfalls per Kopf (90.+2). Die Saarländer standen tief, fanden offensiv kaum noch Entlastung und mussten ums nackte Überleben kämpfen.
Die Partie erreichte ihren dramatischen Höhepunkt in der 83. Minute: Rizzuto grätschte Schweinfurts Piwernetz von hinten um – eine rüde Aktion, die dem ansonsten fürchterlich schwachen Schiedsrichter Simon Schreiner keine Wahl ließ. Ohne Zögern zeigte er die Rote Karte. Saarbrücken musste die letzten Minuten in Unterzahl bestreiten und wankte nun gewaltig.
In der Nachspielzeit warfen die Gäste alles nach vorne, sogar Stahl rückte mit auf. Ein letzter Eckball von Geis segelte gefährlich in den Strafraum, doch die FCS-Abwehr konnte klären. Sekunden später ertönte der Schlusspfiff – und der Ludwigspark atmete hörbar auf.
Fazit
Der FCS behauptet mit dem 2:1-Sieg Platz zwei in der Tabelle und bleibt zuhause makellos. Schweinfurt hingegen steht trotz einer furiosen zweiten Halbzeit weiter im Tabellenkeller, konnte aber beweisen, dass das Team mit Leidenschaft und Mut auch gegen Spitzenteams mithalten kann.
Stimmen der Trainer
Victor Kleinhenz (Schweinfurt):
Kleinhenz sprach von „zwei ganz unterschiedlichen Halbzeiten“. Die erste sei „verschlafen“ gewesen, seine Mannschaft habe „viel zu ängstlich im Ballbesitz“ und „gegen den Ball zu passiv“ agiert. Das erste Gegentor sei gefallen, als Pius Krätschmer kurzzeitig angeschlagen vom Platz musste, was ihn besonders ärgerte. Positiv hob er die Reaktion nach der Pause hervor: „Kommt danach gut aus der Halbzeit, Sonderschuss von Lauris Bausenwein. Freut mich extrem für den Jungen.“ Anschließend habe es „einen offenen Schlagabtausch“ gegeben, bei dem auch das 3:1 hätte fallen können. Der Platzverweis gegen Saarbrücken habe seiner Mannschaft geholfen, dennoch habe sie sich „leider nicht belohnen“ können. Auf die vielen Lobeshymnen für die Spielweise seiner Mannschaft reagierte er nüchtern: „Ich habe ehrlicherweise keinen Bock mehr auf das Lob, weil das hören wir tatsächlich Woche für Woche. (…) Aber ich ziehe meinen Hut vor den Jungs, welche Mentalität und Courage sie dann die zweite Halbzeit gezeigt haben.“
Alois Schwartz (Saarbrücken):
Schwartz sprach von „dem erwarteten schweren Spiel“, gerade nach den kräftezehrenden Partien zuvor. Die erste Halbzeit seiner Elf sei „sehr ordentlich“ gewesen, mit dem 2:0 habe man „gut vorgelegt“. Nach der Pause habe Schweinfurt umgestellt, „da kommt dann dieser Sonntagsschuss, der uns ein bisschen die Angst in die Augen getrieben hat“. Anschließend sei seine Mannschaft „zu passiv“ geworden und habe kleine Ballverluste gehabt, dennoch lobte er die „sehr guten Konteransätze“. Zur roten Karte gegen Rizzuto meinte er: „Es war auch ein frohes Farbenspiel heute, wenn ich an die rote und die ganz wenigen gelben Karten denke.“ Entscheidend sei gewesen, dass sein Team „zusammengestanden ist und das Ding noch über die Bühne gebracht“ habe. Schwartz zeigte sich zufrieden mit der englischen Woche: „Neun Punkte in dieser Woche ist hervorragend und deswegen hat die Mannschaft auch frei bekommen.“
Fotogalerie von Catharina Kuhn:









































