Vergangene Woche konnte der 1.FC Saarbrücken durch einen 1-2-Auswärtserfolg in Essen den Klassenerhalt sichern. Dementsprechend gelöst wirkt die Mannschaft nun. Gleichermaßen wird sich zeigen müssen, ob der Einsatz in den letzten Spielen ähnlich hoch sein wird. Fakt ist, es laufen rund 20 Verträge aus, was ein „Einspielen“ für die kommende Saison drastisch erschwert, da dem FCS ein riesiger Umbruch bevorsteht. Die Gefahr einer austrudelnden Saison ist daher durchaus gegeben, andererseits darf dieses Szenario auch als Erfolg angesehen werden. Zum Zeitpunkt der Einstellung von Cheftrainer Argirios Giannikis waren die wenigsten von einer derart entspannten Lage so kurz vor dem Saisonende ausgegangen.

Nun zum kommenden Gegner. Den SV Waldhof Mannheim plagt in den vergangenen Wochen der Umstand eines zähen Schlussspurtes. Nach einem schwachen Saisonstart und der daraus resultierenden Trennung von Dominik Glawogger, installierten die Mannheimer den luxemburgischen Nationaltrainer Luc Holtz als seinen Nachfolger. Dieser schaffte es umgehend, eine gewisse Stabilität in die Spielzeit des SVW zu bringen, wenn auch mit sehr inkonstanten Ergebnissen. So kam es zu einer sportlich ruhigen Saison beim SVW, die nach zwei Jahren im tiefen Abstiegskampf nicht allzu kritisch betrachtet werden dürfte.
Dennoch merkt man dem Team an, dass es seit zahlreichen Wochen praktisch um nichts mehr geht. Seit fünf Ligapartien warten die Buwe auf einen Sieg. Der letzte Dreier gegen Aue war zudem enorm umstritten, da der Ball beim Mannheimer Siegtor eindeutig nicht hinter der Linie war. Dazu kommen Probleme personeller Natur. Der Waldhof wird in Saarbrücken aller Voraussicht nach auf mehrere Stammkräfte verzichten müssen. Top-Vorlagen-Geber Arianit Ferati (8 Assists) fällt bereits seit Mitte März aufgrund einer Knieverletzung aus, zusätzlich fehlen wird Kushtrum Asallari, welcher in der Rückrunde auf einiges an Einsatzzeit kam.
Trainer Luc Holtz zeichnet sich durch seine flexible Spielweise aus. So agierte der Waldhof bereits in etlichen verschiedenen Systemen, spielte mal mit hohem Pressing, mal stand das Team eher kompakt in den eigenen Reihen. Wie genau die Kurpfälzer in Saarbrücken auftreten werden, lässt sich daher schwer prognostizieren. Die Saison hingegen lässt sich ohne Zweifel als völlig durchschnittlich beschreiben. In nahezu allen Statistiken befindet sich der SVW im Mittelfeld der Liga, abgesehen von den vielen Gegentoren (65) und den vielen roten Karten (7, Ligaspitze).
Als gefährlichste Akteure lassen sich die beiden Mittelstürmer Felix Lohkemper (16 Tore) und Routinier Terrence Boyd (11 Tore) bezeichnen. Letzterer gab vor dem Hinspiel gegen Saarbrücken sein Karriereende zur neuen Saison bekannt. Nach einem persönlich überzeugenden Saisonverlauf ruderte Boyd nun zurück und hängt ein weiteres Jahr dran. Saarbrücken tat er dabei in der Vergangenheit mehrfach weh. So erzielte er beispielsweise im Hinspiel das entscheidende 2-1 nach einer unglücklichen Vorarbeit von Florian Pick. Dazu wird vielen Fans des 1.FC Saarbrücken das bittere 3-1 am Betzenberg aus dem Jahre 2022 im Kopf verblieben sein, bei dem Boyd zum zwischenzeitlichen 2-1 traf.
Den FCS erwartet ein formschwacher Gegner, dem es seit Wochen ein wenig an der nötigen Spannung fehlt. Nichtdestotrotz sind die Duelle gegen den Waldhof als eine Art Derby anzuerkennen, was ein gewisses Maß an Emotionen in die Partie bringen dürfte.

